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Produzent will farbigen Beethoven in Görlitz finden

Görliwood kommt nach der Corona-Flaute richtig in Fahrt. Der dritte Film für 2020 kündigt sich an – auch ein Filmatelier soll es geben.

Michael Simon de Normier steht auf dem Görlitzer Untermarkt.
Michael Simon de Normier steht auf dem Görlitzer Untermarkt. © Foto: Nikolai Schmidt

Michael Simon de Normier hält Wort. Der Berliner Produzent kommt mit zwei neuen Projekten nach Görlitz. Im Oktober reist er mit Regisseur und Produzent Alexander Pfander nach Görlitz, um Szenen eines Enthüllungs-Thrillers mit dem internationalen "Whistleblower“ (Deutscher Titel: „Nestbeschmutzer“) zu drehen.

Es geht hier um die autobiografische Geschichte eines Aussteigers aus der Szene, um Studentenverbindungen, alte Seilschaften. In Görlitz soll unter anderem die Auseinandersetzung zwischen zwei konträren Verbindungen gedreht werden. Dazu werden auch Komparsen gesucht und Kleindarsteller gecastet.

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„Wir haben diesen Film schon lange geplant, aber jetzt vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte, wie rechts deutsche Netzwerke sind, ist der richtige Zeitpunkt“, so de Normier, der einräumt, dass ihm dafür schon jetzt viel Skepsis und Hass entgegenschlägt. Wer glaube, Studentenverbindungen seien Geschichte, irre.

Zweimal dunkelhäutige Hauptdarsteller

Hauptdarsteller ist Geoffrey Jonas, ein junger Farbiger. Das sei gar nicht unbedingt geplant gewesen, aber er habe beim Casting so überzeugt, dass man ihn einfach nehmen musste, schwärmt de Normier. Außenaufnahmen wird es geben, genau wie Innenaufnahmen. „Da suchen wir noch nach einem Gebäude, was das Verbindungshaus im Film sein kann. Und einen Saal, in dem das Gefecht gedreht wird.“

Sobald „Whistleblower“ abgedreht ist – voraussichtlich im November oder Dezember – plant de Normier noch einen zweiten Coup in Görlitz. Er will den im vergangenen Jahr schon angekündigten Film über Beethoven unter anderem hier drehen. Aber sein Beethoven wird nicht dem historischen Bild entsprechen, sondern farbig sein. Denn nach wie vor halten sich Thesen hartnäckig, wonach der große Komponist dunkelhäutiger Abstammung sein könnte.

Großer Name aus den USA im Gespräch

So wird auch der Hauptdarsteller ein farbiger sein. Ein großer Name aus den USA ist im Gespräch, den de Normier aber nicht nennen will, um die Verhandlungen mit dem Wunschkandidaten nicht zu beeinflussen. Für die Rolle des jungen Beethoven soll ein junger Farbiger gefunden werden. „Ich könnte mir vorstellen, dass der Aufruf für diese Rolle bundesweit und letztlich sogar weltweit für Aufhorchen sorgt. Immerhin suchen wir zum 250. Geburtstag des vielleicht größten Sohnes Deutschlands einen jugendlichen Afrodeutschen.“ 

Das Casting wird coronabedingt hauptsächlich über das Internet laufen – europaweit. Allerdings soll es in Görlitz ein richtiges Casting geben – Anfang Oktober am Berzdorfer See. Im Dezember soll die Entscheidung der Jury verkündet werden. Ein bisschen inszenieren will de Normier das Ganze schon, nicht zuletzt, um Görliwood wieder zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Dafür hat de Normier in der Vergangenheit selbst schon einiges getan. Erstmals 2008 mit dem „Vorleser“ in der Stadt, ließ ihn Görlitz nicht mehr los.

Produzent Michael Simon de Normier (links) unterstützte Octavian Ursu 2019 im OB-Wahlkampf, kam auch zu dessen Vereidigung als neuer Görlitzer Oberbürgermeister.
Produzent Michael Simon de Normier (links) unterstützte Octavian Ursu 2019 im OB-Wahlkampf, kam auch zu dessen Vereidigung als neuer Görlitzer Oberbürgermeister. © Nikolai Schmidt

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 Im vergangenen Jahr verfolgte er den OB-Wahlkampf, bezog klar Stellung für Ursu und gegen einen AfD-Oberbürgermeister, initiierte dafür sogar die als Hollywood-Brief bekannt gewordene Unterschriftensammlung namhafter Filmschaffender und Schauspieler. Für die beiden geplanten Filme möchte Michael Simon de Normier in Görlitz zudem ein Filmatelier einrichten – zunächst für etwa ein bis zwei Jahre. Vor- und Nachproduktion der Filme könnten dann vor Ort stattfinden, auch die Filmmusik hier entstehen.

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