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Theater kehrt mit heißem Herzen auf die Bühne zurück

Mit dem Sommertheater gibt es einen Neustart für das Haus in Görlitz und Zittau. Doch die Spardebatte belastet alle Pläne für die Zukunft.

Vor der imposanten Görlitzer Stadthalle wird in diesem Sommer das Musical "Evita" gespielt.
Vor der imposanten Görlitzer Stadthalle wird in diesem Sommer das Musical "Evita" gespielt. © Martin Schneider

Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau steht vor dem Neustart. Für das Theater gehen damit Monate ohne Vorstellungen, für viele Künstler Monate in Kurzarbeit, zu Ende.

An diesem Freitag und Sonnabend gibt es zwei Schauspielpremieren in Zittau: "Die Beute" am Freitag, "NippleJesus" am Sonnabend. Und am Freitag kommender Woche wird zum ersten Mal das Erfolgsmusical "Evita" im Görlitzer Stadthallengarten zu sehen sein.

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Uraufführungen in neuer Spielzeit

Schon am Tag zuvor, am Donnerstag kommender Woche, stellt der neue Generalintendant Daniel Morgenroth seine Pläne für die nächste Spielzeit vor, die unter dem Motto "Hearts on Fire" steht. Der Ankündigung dieses Termins ist noch immer die Verärgerung über das jüngste Gutachten für eine Umstrukturierung der Theater in der Oberlausitz anzumerken. "Sparten schließen?!?", heißt es in der Einladung, um gleich darauf programmatisch die Antwort zu geben: "Mit brennenden Herzen zurück auf die Bühne!"

Und weiter heißt es in der Einladungsmail: "Dem fatalen Gutachten der Firma Actori und den politischen Debatten über Kürzungen und Schließungen zum Trotz wirft sich das Gerhart-Hauptmann-Theater mit Leidenschaft und neuer künstlerischer Ausrichtung in die Spielzeit 2021/2022." Und kündigt eine Reihe von Uraufführungen und deutschsprachigen Erstaufführungen an sowie Neu- und Wiederentdeckungen in allen vier Sparten. Ein deutlich ausgebautes Angebot in der Theaterpädagogik mit Spielclubs sowie Diskursformate im Landkreis gehört ebenso dazu.

FAZ kritisiert Geheimpolitik von Landrat Lange

Tatsächlich ist der Theaterstreit in der Oberlausitz nun auch im deutschen Feuilleton angekommen. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) war das Gutachten (und der Abschied von Christian Thielemann aus Dresden) einen großen Beitrag im Kulturteil wert. Titel: "Sachsens Musikkultur im Niedergang". Der Autor fasst darin die Debatte der vergangenen Wochen zusammen, wie sie die SZ ausführlich dokumentiert hat und moniert ebenfalls die ursprüngliche Ansicht von Landrat Bernd Lange, diese Debatte im kleinen Kreis führen zu wollen. Durch eine Veröffentlichung in der SZ ist das nun nicht mehr möglich. "Strukturentscheidungen, die für das kulturelle Selbstverständnis einer ganzen Region bestimmend werden, können nie genug (Öffentlichkeit) haben, sondern immer nur zu wenig", heißt es in der FAZ.

Zugleich bringt der Beitrag eine ganze neue Motivation für das Gutachten ins Spiel: "Völlig abwegig scheint ja nicht einmal der Gedanke, dass die Beauftragung des Münchner Unternehmens dazu dienen sollte, den Verantwortlichen in der Landeshauptstadt vorzuführen, was passieren könnte, wenn sie sich nicht bald rühren." Dazu wird ein Musiker vom Sorbischen National-Ensemble zitiert, der das Gutachten als einen "Hilfeschrei" bezeichnet.

Görlitzer OB skeptisch - Vorschlag von linker Kreisrätin

Egal, wie es gemeint war. Eine Arbeitsgruppe wird nun auf Kreisebene gebildet. Der Kreistag, so kündigte Landrat Bernd Lange an, soll sie auf seiner Sitzung am 30. Juni beschließen. Sie soll Lösungen für die Finanzprobleme erarbeiten, möglichst bis Anfang nächsten Jahres.

Doch was sie da konkret machen soll, erschließt sich nicht jedem. Der Görlitzer Oberbürgermeister und Kreisrat Octavian Ursu ist skeptisch: "Wenn man sparen möchte, muss man am Angebot sparen", erklärte er jetzt im Görlitzer Stadtrat. Doch genau das, will Ursu nicht, der früher selbst am Theater tätig war.

Ganz andere Vorschläge unterbreitet Sabine Kunze, Kreisrätin der Linkspartei, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann ein Abo für das Görlitzer Theater hat. Ihrer Ansicht nach sollte jeder Kreisrat ein Jahresabo fürs Theater erwerben, damit jeder sieht, "was dort für Leistungen erbracht werden". Und jede Schulklasse sollte einmal im Halbjahr ins Theater gehen für die Bildung, um eine neue Generation von Theaterbesuchern heranzubilden und Einnahmen zu gewinnen. Ein Teil der Kosten für die Schüler solle die öffentliche Hand übernehmen.

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