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Wie weiter mit 30 unsanierten Häusern?

Thamm & Partner haben fünf Baugenehmigungen vorliegen. Doch nirgendwo geht es los.

Das gelbe Haus in der Mitte droht einzustürzen: die Jauernicker Straße 31. Es gehört der Firma Thamm & Partner. Die Straße ist seit Juli 2019 voll gesperrt.
Das gelbe Haus in der Mitte droht einzustürzen: die Jauernicker Straße 31. Es gehört der Firma Thamm & Partner. Die Straße ist seit Juli 2019 voll gesperrt. © Nikolai Schmidt

Das größte Problem hat die Firma Thamm & Partner in der oberen Jauernicker Straße: Das Haus Nummer 30 hat sie Anfang des Jahres gesichert, doch das Nachbarhaus 31 ist noch immer akut einsturzgefährdet. Drinnen ist es komplett eingefallen. Die Straße davor ist seit 15 Monaten voll gesperrt, Anwohner leben hinter Bauzäunen und müssen auf Parkplätze verzichten.

Dach gesichert:  Jauernicker Straße 17
Dach gesichert:  Jauernicker Straße 17 © Nikolai Schmidt
Dach gesichert: Jauernicker Straße 30 
Dach gesichert: Jauernicker Straße 30  © Nikolai Schmidt
Notgesichert:  Jauernicker Straße 39
Notgesichert:  Jauernicker Straße 39 © Nikolai Schmidt
Fußweg gesperrt, Sicherung geplant: Bismarckstraße 23
Fußweg gesperrt, Sicherung geplant: Bismarckstraße 23 © Nikolai Schmidt
Sicherung geplant: Krölstraße 6
Sicherung geplant: Krölstraße 6 © Nikolai Schmidt
Fußweg gesperrt, Sicherung geplant: Dresdener Straße 18
Fußweg gesperrt, Sicherung geplant: Dresdener Straße 18 © Nikolai Schmidt
Dach gesichert, Bauantrag gestellt für Sanierung: Luisenstraße 2
Dach gesichert, Bauantrag gestellt für Sanierung: Luisenstraße 2 © Nikolai Schmidt
Dach gesichert, Bauantrag gestellt für Sanierung: Löbauer Straße 21 
Dach gesichert, Bauantrag gestellt für Sanierung: Löbauer Straße 21  © Nikolai Schmidt
Sicherung geplant: Dresdener Straße 3
Sicherung geplant: Dresdener Straße 3 © Nikolai Schmidt
Hochwertig saniert: Konsulstraße 6
Hochwertig saniert: Konsulstraße 6 © Nikolai Schmidt
Hochwertig saniert: Jauernicker Straße 61
Hochwertig saniert: Jauernicker Straße 61 © Nikolai Schmidt
Hochwertig saniert: Breite Straße 20 und 21 
Hochwertig saniert: Breite Straße 20 und 21  © Nikolai Schmidt

„Das Haus muss ausgehöhlt werden, bestenfalls die Fassade ist intakt“, sagt Geschäftsführerin Angela Thamm. Die Fassade zu erhalten, sei eine Wahnsinns-Maßnahme: „Wir verhandeln gerade mit der Stadt, wie das funktionieren kann.“ Vor allem geht es ums Geld: „Wir haben das Haus vor drei bis fünf Jahren von der Stadt gekauft, da war es schon in sehr schlechtem Zustand“, sagt Angela Thamm. Sie will, dass die Stadt den Mehraufwand übernimmt, schließlich sei es zum Kaufzeitpunkt schon sehr marode gewesen.

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Bürgermeister Michael Wieler hingegen erklärt, dass die Stadt gar nicht der Vorbesitzer sei. Zudem liege die Jauernicker Straße in keinem Fördergebiet, weshalb auch nicht über Fördermöglichkeiten gesprochen werden könne. An dieser Stelle stocken die Verhandlungen. 15 Monate, nachdem das Haus innerlich zusammengestürzt ist, ist außer der Absperrung nichts passiert. Wie lange noch? „Ich hoffe auf einen baldigen Durchbruch bei den Verhandlungen“, sagt Angela Thamm. Offen ist, wie dieser aussehen könnte.

Eine Sanierung könnte bald starten

Bei vielen anderen ihrer 30 unsanierten Häuser wird Angela Thamm konkreter, verstrickt sich aber teilweise in Widersprüche. So erklärt sie zunächst, bei der Theodor-Körner-Straße 10 sei gerade Baubeginn. Auf Nachfrage räumt sie dann aber doch ein, noch gar keine Gerüstbaufirma gefunden zu haben: „Sobald wir die haben, kann es losgehen.“ Immerhin: Das Dach wurde bereits vor einigen Jahren gesichert.

Die Theodor-Körner-Straße 10 sei eines von fünf Häusern, bei denen die Baugenehmigung für die Komplettsanierung vorliege – neben der Dresdener Straße 18 und 18a sowie der Konsulstraße 31 und 32. Bei zwei weiteren Häusern – Löbauer Straße 21 und Luisenstraße 2 – ist das Dach gesichert und der Bauantrag für die Sanierung sei gestellt. Bei vielen weiteren sei die Sicherung in Planung, darunter Bismarckstraße 23, Dresdener Straße 3, Krölstraße 6, Löbauer Straße 30, Schillerstraße 26 und Sohrstraße 1. Darüber hinaus gebe es sieben Häuser, bei denen noch keine Sicherung angedacht sei. Und einige, wo das Dach gesichert, aber aktuell keine Sanierung geplant ist.

Bisher laufen Arbeiten noch nicht

Auffällig: Angela Thamm kündigt sehr viele Sicherungen und Sanierungen an, allerdings läuft derzeit keine einzige. „Wir finden einfach keine Handwerker, vor allem keine Gerüstbaufirma“, begründet sie.

Dritte, die in der Vergangenheit mit ihr zu tun hatten, aber namentlich nicht in Erscheinung treten wollen, glauben, dass die Handwerker-Situation tatsächlich ein Grund sei. Aber nicht der einzige. Hohe Baukosten, der schlechte Zustand der Häuser und die in Görlitz zu erzielenden Mieten seien wohl weitere Gründe. Immerhin bauen Thamm & Partner aktuell in anderen Städten, wo höhere Mietpreise zu erzielen sind. Zudem heißt es unter der Hand, dass sich Thamm & Partner bei bisherigen Sanierungen in Görlitz verkalkuliert hätten: Häuser, beispielsweise in der Löbauer Straße, wurden so hochwertig saniert, dass die Kosten über die in der Löbauer Straße zu erzielenden Mietpreise nicht wieder zu erwirtschaften sind.

Sind nur Parkplätze geplant?

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