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Görlitz: Feuer im Schacht legt Haus lahm

Am Dienstagmorgen brennt es auf der Jauernicker Straße. Die Nacht vergessen weder die Mieter noch die Feuerwehr. Was wir bislang von dem Unglück wissen.

Von Matthias Klaus
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Blick von der Straße ins Treppenhaus auf der Jauernicker Straße: Löschschaum kam zum Einsatz.
Blick von der Straße ins Treppenhaus auf der Jauernicker Straße: Löschschaum kam zum Einsatz. © SZ/Matthias Klaus

Zentimetertief stehen Autos auf der Jauernicker Straße am Dienstagvormittag in weißem Matsch. Aber es ist nicht der Wind und Schnee, der gerade durch den Görlitzer Süden fegt, der die Pampe hier vor Nummer 21 hinterlassen hat. Es ist Löschschaum. Den hat die Görlitzer Feuerwehr hier hinterlassen.

Das Haus ist gerade so gut wie leer. Nur ein paar Mieter sind noch unterwegs in die oberen Etagen. Reden wollen sie nicht, winken nur ab. Verständlich. Früh gegen viertel drei wurde die Feuerwehr auf die Jauernicker Straße gerufen. Zunächst klingt es nach Routine. Ist es aber nicht.

In dem Mehrfamilienhaus brennt es in einem Versorgungsschacht, also in einem Schacht, in dem Leitungen und ähnliches verlegt sind. Das Ganze ist mit Dämmmaterial umhüllt. Das ist offensichtlich das Problem für die Kameraden der Görlitzer Feuerwehr.

Der Brand ist kein offenes Feuer, sondern er frisst sich durch das Material. Über die Zwischendecken geht es in die einzelnen Etagen. Es qualmt. Die Mieter müssen raus. Inzwischen ist die Jauernicker Straße wegen des Feuerwehreinsatzes gesperrt.

21 Bewohner sind betroffen. Sie werden in Sicherheit gebracht. Das bedeutet in dem Fall in einen Bus der Verkehrsbetriebe. Eine 57-Jährige wird derweil mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Klinikum gebracht.

Die Kameraden der Feuerwehr gehen mit schwerem Atemschutz rein. "Es war wirklich ein schwieriger Einsatz, ein sehr aufwendiger", sagt Einsatzleiterin Anja Weigel. Da es kein "richtiges" Feuer gab, mussten sich die Kameraden mehr oder weniger herantasten. Eine Wärmebildkamera kommt zum Einsatz. Zwischendecken werden mit Brechwerkzeugen aufgebrochen, glimmende Balken gelöscht.

Neben der Berufsfeuerwehr Görlitz sind die Ortsfeuerwehren Stadtmitte und Weinhübel jetzt vor Ort.

Mit dem Löschschaum wird inzwischen "geflutet", so erklärt es Anja Weigel. "Wir wussten einfach nicht, mit wie vielen Brandherden wir es insgesamt zu tun hatten", schildert sie.

Das Haus Jauernicker Straße 21: Fenster stehen zum Lüften offen.
Das Haus Jauernicker Straße 21: Fenster stehen zum Lüften offen. © Martin Schneider

"Schwer zu lokalisierender Schwelbrand", so wird es Brandoberinspektor Remo Kölzsch, der von Anfang an dabei war, später in seinem Protokoll notieren. Warum und wie der Brand ausgebrochen ist, dazu gab es gestern noch keine Information. Möglicherweise handelte es sich um einen technischen Defekt. Sicher ist das aber nicht. Die Ermittlungen hat der Kriminaldienst des Görlitzer Polizeireviers übernommen. Brandursachenermittler waren am Dienstag vor Ort. Ergebnisse gebe es noch keine, sagt Kai Siebenäuger, Sprecher der Polizeidirektion Görlitz am Dienstagnachmittag der SZ.

Die betroffenen Anwohner, so Anja Weigel, seien zumeist nach dem Aufenthalt im Bus bei Freunden und Bekannten untergekommen. Aber es gibt auch Ausnahmen, Ausnahmen, die sogar in Corona-Zeiten möglich sind. Neun Personen aus fünf Familien wurden demnach vorläufig im Parkhotel untergebracht. Das bestätigt das Görlitzer Rathaus. Etwa die Hälfte der Bewohner konnte inzwischen zurück in ihre Wohnungen, heißt es von der Polizeidirektion Görlitz.

Insgesamt sind fünf Wohnungen direkt vom Feuer beziehungsweise vom Schwelbrand betroffen. "Die Wohnungen werden begutachtet, unter anderem von einem Statiker. Alle anderen Räumlichkeiten im Haus sind soweit bewohnbar", schildert Anja Weigel. Nach dem Einsatz der Feuerwehr wird das Haus gelüftet, Fenster und Türen stehen noch am Vormittag offen. Bis gegen sieben Uhr früh ist die volle Mannschaft der Feuerwehr vor Ort, danach noch 17 Mitglieder. Das Nebengebäude wird kontrolliert.

Für die Kameraden der Feuerwehr ist der Einsatz zwar glimpflich abgelaufen, aber er wirkt nach. Denn nun heißt es: Schutzkleidung waschen, Schläuche trocknen und, und, und. "Damit haben wir noch ein paar Tage zu tun", sagt Anja Weigel.