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Wer von Click & Collect profitiert

Vor allem große Ketten haben den neuen Abholservice im Angebot, auch Händler in Görlitz und Niesky machen mit. Andere sehen darin keinen Sinn.

Oliwia Klakowska, Chefin der Görlitzer C&A-Filiale, packt am Montag Tüten fürs Click & Collect-Angebot.
Oliwia Klakowska, Chefin der Görlitzer C&A-Filiale, packt am Montag Tüten fürs Click & Collect-Angebot. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Oliwia Klakowska hat alle Hände voll zu tun. Tüten packen steht bei ihr seit Montag vor allem auf dem Programm. Sieben Artikel aus der Winterkollektion gibt es bei C&A in einer Überraschungstüte, für Frauen, Kinder, Männer und das für 15 Euro. "Eine tolle Aktion", findet die Chefin der Görlitzer Filiale des Modeanbieters.

Click & Collect macht es seit Montag möglich, oder wie es bei C&A heißt, Call & Collect, dass nun auch in Görlitz dieses Angebot verfügbar ist. Als letztes Bundesland ist Sachsen in das Bestell- und Bezahlsystem eingestiegen. "Der Kunde ruft an, bestellt seine Tüte oder andere Artikel aus dem Online-Shop und kann sie dann bei uns abholen", sagt Oliwia Klakowska.

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Im Internet bestellen oder telefonisch und dann vor Ort im Geschäft abholen - für wen lohnt sich das? Lange hatte sich der Freistaat geziert, das System, das bereits in den anderen 15 Bundesländern gang und gäbe war, hier ebenfalls zuzulassen. Zu groß war die Angst, dass die Virus-Infektionszahlen wieder nach oben gehen könnten. Nun bieten vor allem große Ketten, wie eben C&A, den Service an.

Und natürlich Baumärkte. Hornbach im Görlitzer Norden gehört dazu. Online reservieren, bezahlen und am Markt abholen, so läuft es hier seit Montag. "Bitte folgen Sie der Hinweisbeschilderung und den Anweisungen der Mitarbeiter vor Ort", heißt es für Privatkunden. Für Gewerbetreibende und Handwerker ist der Markt eh geöffnet.

Große Ketten profitieren von dem System

Auch ein paar Meter weiter beim Möbelhändler Porta gibt es ein ähnliches Prozedere: Online bestellen und dann im Warenlager abholen. Click & Collect, also nur für die ganz großen Ketten ein Thema? Frank Reimann von der Händlervereinigung Aktionsring hatte bereits seine Zweifel zum Nutzen gerade für kleinere Läden angemeldet. Er sieht nur für einen Teil der Görlitzer Händler einen Umsatzgewinn. Unter anderem sind da die Kosten. Wenn das Geschäft in einem bestimmten Zeitraum geöffnet ist, müssen auch ein oder mehrere Mitarbeiter bezahlt werden, die die Ware herausgeben.

Robin Ay setzt trotzdem auf Click & Collect. Der Inhaber von Ellis Dampfbar an der Elisabethstraße hat schon eine gewisse Routine damit, telefonische Bestellungen rund um E-Zigaretten entgegenzunehmen. Von 12 bis 14 Uhr ist der Laden zwar nicht geöffnet, aber die Abholung möglich. An der Elisabethstraße? "Naja, wer die Verhältnisse kennt weiß, dass das schwierig ist", schmunzelt Robin Ay. Seine Lösung: Die Tür bleibt zu, der Kunde bekommt einen Termin genannt und dann wird die Ware auf dem gegenüberliegenden Elisabethplatz übergeben. "Da ist Platz genug", sagt Robin Ay. Dass sich lange Schlangen vor seinem Geschäft bilden, diese Gefahr sieht er nicht.

Hoffnung auf ein bisschen Umsatz

"Zurzeit läuft die Auslieferung der Ware sowieso noch besser", sagt Robin Ay. Lohnt sich das? "Ja", sagt er. Wenn das Geschäft geschlossen ist, setzt er sich ins Auto, fährt drei, vier Stunden als Lieferdienst in Sachen E-Rauchen durch die Gegend. "Mir macht das nichts aus", sagt Robin Ay.

In Niesky hat sich Andreas Vetter auf das Abenteuer Click & Collect eingelassen. Er ist Inhaber von Intersport-Vetter. "Ich bin froh, dass wir wenigstens diese kleine Chance nutzen können", sagt er. Einen großen Online-Shop hat das Geschäft zwar nicht. Deshalb sollten Kunden schon recht genaue Vorstellungen davon haben, was sie telefonisch bestellen, Größen beispielsweise. "Bekleidung ist natürlich schwierig", sagt Andreas Vetter. Vor allem, weil man diese nicht anprobieren darf. "Aber wenn man etwa bei Schlittschuhen die genaue Größe kennt - kein Problem", sagt er. Am Montag hielt sich der Kundenandrang noch in Grenzen, die Ware gibt es direkt an der Tür.

Jeannette Krause war am Montag eine der Kunden, die die neue Möglichkeit des Click & Collect in Niesky nutzten. Andreas Vetter, Inhaber des "Intersport Vetter" gibt die Ware aus.
Jeannette Krause war am Montag eine der Kunden, die die neue Möglichkeit des Click & Collect in Niesky nutzten. Andreas Vetter, Inhaber des "Intersport Vetter" gibt die Ware aus. © André Schulze

Click & Collect ist sehr stark abhängig von der jeweiligen Branche, sagt Frank Reimann vom Aktionsring. Jeder Händler müsse sich fragen: Lohnt sich der Aufwand? Und: Wenn es denn Umsatz gibt, wie wirkt er sich auf eventuelle Überbrückungshilfen aus? Die Regeln sind eng gefasst. Ein wenig Umsatz - und dann gibt es keine Unterstützung. Das Ganze könne sich dann schnell ins Negative entwickeln, so Frank Reimann.

Georg Schwind, Geschäftsführer des traditionsreichen Görlitzer Modehauses Schwind's Erben bietet kein Click & Collect an. Auch den Online-Shop hat er bereits in Vor-Corona-Zeiten eingestellt. "Für einen mittelständischen Händler ist der Aufwand größer als der Gewinn", sagt Georg Schwind. Der Geschäftsmann rechnet vor: Wenn jemand eine Jacke online kauft, dann vielleicht in drei unterschiedlichen Größen, um auf Nummer sicher zu gehen. "Zwei Jacken bekomme ich dann wieder zurück", sagt Georg Schwind. Der Aufwand mit Versand und allem was dazugehört - für ihn rechne sich der nicht.

Modeläden sehen sich abgehängt

"Das geht vielleicht in einer Boutique mit einem überschaubaren Angebot an Artikeln, aber nicht bei uns", sagt er. Aktuell bereitet Georg Schwind noch ein anderer Fakt Kopfschmerzen: Die Frühjahrsware kommt und muss bezahlt werden. Aber vom Winterangebot ist wenig verkauft worden. "Wenn wir von zwölf Monaten nur an sechs bis sieben verkaufen können - das geht nicht", sagt er. Und findet eine Ungleichbehandlung zu den Discountern, Supermärkten, die ja ebenfalls Bekleidung verkaufen können. "Dort sind die Kunden am Ende auch dicht gedrängt", sagt er. Das Modehaus Schwind's Erben ist stark im engen Kundenkontakt, mit Beratung vor Ort, so Georg Schwind. Auch ein Grund, warum Click & Collect für ihn keine Option ist.

Dass sich Sachsen erst so spät zu Click & Collect durchgerungen hat - Frank Reimann sah das in der Vergangenheit bereits kritisch. "Wenn Händler von der Regelung Gebrauch machen wollen, sollten sie das auch tun können", sagt er.

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Oliwia Klakowska erklärt derweil, wie sie Kundenschlangen vor der Görlitzer C&A-Filiale auf dem Platz der Friedlichen Revolution verhindern will. "Es ist wie beim Arzt", sagt die Chefin. Jeder bekomme einen Termin und könne zu dem die Ware abholen. "Wir wollen ja auch nicht, dass die Kunden zu lange draußen in der Kälte warten müssen", sagt sie. Denn die Filiale betreten - das bleibt tabu. Das Päckchen oder Paket gibt es an der Tür.

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