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Görlitz: So lief der erste Tag mit neuen Corona-Regeln

Die verschärfte Corona-Verordnung stellt Handel, Gastronomie und Behörden vor Herausforderungen.

Das Sitzrondell im Görlitzer City-Center ist abgesperrt.
Am Wochenende war es noch - zu - gut besucht.
Das Sitzrondell im Görlitzer City-Center ist abgesperrt. Am Wochenende war es noch - zu - gut besucht. © André Schulze

Dienstagvormittag, der erste Tag mit den neuen verschärften Corona-Regeln: An der Altstadtbrücke Görlitz steht ein Kamerateam des ZDF und fröstelt. Die Kollegen wollen sich ansehen, wie es ist mit Corona, den neuen Regeln, dem kleinen Grenzverkehr. Mögliche Gesprächspartner gibt es allerdings nur wenige, die die Brücke auch ziemlich schnell überqueren.

Regeln für den kleinen Grenzverkehr bleiben

Denn auch nach dem Ende des Monats November gelten die bisherigen Regeln beziehungsweise Einschränkungen weiter, der kleine Grenzverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen, Einkaufen und Tanken im Nachbarland ist mit einer nachträglichen Quarantäne verbunden. Das bestätigt das Sächsische Sozialministerium. "Die Quarantäne-Verordnung hat – im Gegensatz zur Corona-Schutz-Verordnung – kein Ablaufdatum", heißt es aus Dresden.

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Kein oder nur sehr wenig Grenzverkehr und nun auch noch verschärfte Corona-Regeln - wie sich das auswirkt, ist spätestens ab der Görlitzer Brüderstraße zu sehen. Untermarkt, Neißstraße - gähnende Leere, keine Touristen, niemand, der "schnell mal nach Polen" will.

Diana Klaus-Metzner und Alexander Klaus betreiben in der Neißstraße die Bierblume - eigentlich auch mit Glühweinstand.
Diana Klaus-Metzner und Alexander Klaus betreiben in der Neißstraße die Bierblume - eigentlich auch mit Glühweinstand. © André Schulze

Alexander Klaus hatte erst vor kurze einen Glühweinstand an der Neißstraße aufgebaut, ganz in der Nähe der Altstadtbrücke. Der Wirt der "Bierblume" hatte sich hier ein Zusatzeinkommen erhofft - nun ist der Stand dicht. Alkohol darf seit Dienstag in der Öffentlichkeit nicht mehr ausgeschenkt werden. "Aber der Stand bleibt", sagt Alexander Klaus. Bis Ende Januar kommenden Jahres hat er die Genehmigung dafür. Er hofft auf einen Rückgang der Coronazahlen und das er seinen Stand am 28. Dezember wieder öffnen darf.

Glühweinstände müssen schließen

Anfang 2018 hatte die "Bierblume" als dritte Hausbierbrauerei in der Stadt eröffnet, damals An der Schanze, wenig später folgte der Umzug an die Neißstraße. "Man kann bei uns weiterhin Bier in Flaschen kaufen, und wir liefern auch nach Hause", sagt Alexander Klaus.

Noch guter Dinge: Schwarz-Reisen-Chef Patrick Schultze und Sven Hanusch, Mitarbeiter der Tischlerei Schwarz bereiten das Gluhwein-Taxi vor.
Noch guter Dinge: Schwarz-Reisen-Chef Patrick Schultze und Sven Hanusch, Mitarbeiter der Tischlerei Schwarz bereiten das Gluhwein-Taxi vor. © André Schulze

Patrick Schultze, Inhaber von Schwarz Reisen in Hähnichen, hat es ganz ähnlich erwischt. Sein Glühweintaxi ist nun erst einmal aufs Abstellgleis gefahren, fast jedenfalls. Eigentlich sollte das Mobil in der Adventszeit im Kreis unterwegs sein und eben Glühwein unters Volk bringen. "Am vergangenen Wochenende waren wir noch in Rietschen, Rothenburg, Uhsmannsdorf, Spree und Niesky unterwegs", sagt Patrick Schultze. Nun bleiben noch Firmen, die das Glühweintaxi gebucht haben. "Bisher hat keine abgesagt", sagt Patrick Schultze. Am Wochenende jedenfalls ist das Glühweintaxi sehr gut angenommen worden. "Schade drum", so der Firmeninhaber.

Straßenmusiker auf der Berliner Straße

Im Görlitzer Zentrum herrscht derweil eine merkwürdige Stimmung, ein Gemisch zwischen gedrückt und Alltag. Am Dienstagvormittag bilden sich kaum Schlangen vor den Geschäften, höchstens vor Banken oder vor DM an der Berliner Straße. Daneben, vor H & M hat sich eine Straßenmusikerfamilie niedergelassen und beschallt die Berliner lautstark. Verwunderte Blicke der Passanten: Dürfen die das in diesen Zeiten? Klare Ansage aus dem Rathaus: "Die derzeit geltenden Regelungen gestatten ein Verlassen der häuslichen Unterkunft nur aus triftigen Gründen. Straßenmusik fällt nicht hierunter."

Im City-Center neben der Frauenkirche ist inzwischen kein Platz mehr zum Ausruhen frei. Die bekannte runde Bank im Erdgeschoss - abgesperrt. Grund: natürlich Corona. Dabei ist die Bank beliebt zum Ausruhen, Innehalten - gerade in der kalten Jahreszeit. "Es tut uns vor allem für die älteren Bürger leid. Aber wir haben schon am vergangenen Wochenende erlebt, dass sich hier zu viele Leute eingefunden hatten. Uns blieb keine andere Wahl, als die Bank zu sperren", heißt es von der Leitung des Einkaufszentrums.

Sevket Demir zählt. Wie viele Kunden haben heute schon den Neißepark im Görlitzer Norden besucht? "Es ist ein normaler Tag. Normal, jedenfalls für Corona-Zeiten", sagt der Centermananger. Eine Zählanlage am Eingang zur Mall und ein Sicherheitsmitarbeiter, damit sichert sich der Neißepark gegen zu viele Kunden ab. Die Herausforderung heißt Marktkauf. "Der Einkaufsmarkt ist relativ groß, die Zahl der erlaubten Kunden musste schon nach unten korrigiert werden", sagt Sevket Demir. Allerdings sei die Situation nicht so, dass die Besucher ständig Schlange stehen.

Neißepark richtet Wartezonen ein

Einkaufswagen werden nur für Marktkauf benötigt. "Wir haben Wartezonen in der Mall eingerichtet", schildert Sevket Demir. Wenn die allerdings auch voll sind, müssen Kunden mit Wagen schon mal draußen warten. Das betrifft allerdings nicht jene Besucher, die beispielsweise nur schnell mal in die Apotheke wollen. "Sie können selbstverständlich rein", sagt der Neiße-Park-Chef. Ansonsten ist jedes Geschäft im Zentrum selbst darauf angewiesen, dass die verschärften Corona-Regeln angewendet werden.

Auch Sevket Demir bestätigt: Am vergangenen Wochenende war der Andrang noch einmal groß, vor allem in den Textilgeschäften. Offensichtlich gab es eine große Verunsicherung der Kundschaft, was ab Dienstag noch erlaubt ist und was nicht. Noch hält sich der Kundenansturm jetzt in Grenzen. "Wie es dann allerdings an den Adventssonnabenden aussieht, können wir nicht sagen", so Sevket Demir. Er rät: Einkaufen, wenn nicht gerade alle einkaufen wollen.

Ordnungsamt unterstützt den Kreis

Ein schwieriger Balanceakt für den Handel und erst recht für jene, die die Einhaltung der Regeln überwachen sollen - das städtische Ordnungsamt zum Beispiel. Grundsätzlich ist der Kreis für den Vollzug der Sächsische Corona-Schutz-Verordnung zuständig. Aber die Stadt Görlitz hilft. Nach wie vor unterstütze sie den Landkreis mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, teilt das Rathaus mit. Die Mitarbeiter des gemeindlichen Vollzugsdienstes reagieren auf Zuwiderhandlungen. "Personen werden entsprechend angesprochen und Sachverhalte gegebenenfalls dem Landkreis zur Anzeige gebracht", heißt es aus dem Görlitzer Rathaus. Das alles passiert während der regulären Streifengänge der Ordnungsamtsmitarbeiter.

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