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Gelungener Saisonstart im Sattel

Das schöne Wetter lockte am Wochenende die Radler ins Freie. Fahrradfahren ist gefragt wie nie. Die Händler haben damit allerdings auch ihre Probleme.

Radfahrer auf der Strandpromenade am Berzdorfer See: So sah am Sonntag der Saisonstart aus.
Radfahrer auf der Strandpromenade am Berzdorfer See: So sah am Sonntag der Saisonstart aus. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Sonnenschein, Sonne, ein Hauch von Sommer - am Sonntag zog es die Radler auf die Straßen und Wege in der Natur. Vor allem rings um den Berzdorfer See waren sie unterwegs. Gut dran ist, wer ein gutes Rad hat. Denn für die hiesigen Fahrradhändler läuft es derzeit nicht immer rund.

Eigentlich hatte Daniel Reichstein ja nur ein rotes 24er Fahrrad gesucht. Ein Anruf des Filial-Leiters von Little John Bikes an der Heilige-Grab-Straße in Görlitz beim Großhändler in München ergab: Tatsächlich, dort stehen noch fünf auf Lager. "Ich habe zwar bloß eins gebraucht. Aber dann doch drei geordert", sagt Daniel Reichstein. Sicher ist sicher. Denn das Angebot an Fahrrädern in Görlitz, es bleibt knapp. Allerdings: Die Lieferzeit liegt bei Ende August.

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"Wir haben den großen Vorteil eines großen Lagers", sagt Daniel Reichstein. Wobei: Der Verkauf ist derzeit ja eh eingeschränkt. Maximal Click and Collect ist möglich. "Und das nimmt kaum jemand an", sagt Daniel Reichstein.

Derzeit nur Click and Collect möglich

Allerdings: Die Werkstatt ist offen, aber momentan auch nicht sehr ausgelastet. "Aber hier ist es wie mit dem Wechsel der Winterräder beim Auto: Wenn der erste Schnee kommt, werden die Werkstätten gestürmt. Wenn es jetzt schönes Wetter gibt, dann ist bei uns diese Woche bestimmt auch die Hölle los", sagt Daniel Reichstein.

Wobei, gerade das könnte zum Problem werden. Denn Ersatzteile fürs Rad, für die Fahrt in den Frühling, sind schwer zu beschaffen. Dirk Hanspach, Filial-Leiter im Cube-Store Görlitz kennt das Problem. Die Werkstatt ist auch hier geöffnet, Wartezeiten für eine Fahrradwartung: etwa ein Monat. "Wir haben den Vorteil, dass wir noch zwei große Häuser in der Lausitz haben, in Bautzen und in Hoyerswerda. Entsprechend haben wir viele Ersatzteile geordert, können uns auch austauschen", sagt er.

Schwieriger werde es mit Spezialteilen. "Dann kann es schon mal eng werden", so Dirk Hanspach. Aber eigentlich, findet er, ist die Saison für Geschäfte wie den Cube-Store in diesem Jahr schon fast durch. Wer ein Fahrrad neu kaufen wollte, hat es getan. Und mit Click and Collect, wie es derzeit eben möglich ist, lässt sich wohl auch nicht die Masse der Kunden locken. "Wir bieten inzwischen eine Beratung per Videotelefonie an", so Dirk Hanspach. Damit, so sagt er, könne man wenigstens von Angesicht zu Angesicht mit den Kunden reden.

Schwierige Lage bei Ersatzteilen

Ersatzteilmangel für Fahrräder, woran liegt es? Zum einen ist da die gestiegene Nachfrage an Fahrrädern in der Corona-Krise. Zum anderen: Die Preise für die Fracht und Logistik sind enorm angestiegen, Frachtkosten per Schiff, so Experten, im Faktor zwei bis fünfzehn. Zudem gehen mancherorts die Container aus. Der allergrößte Anteil an Ersatzteilen an Fahrrädern kommt nun mal aus Asien.

„Schon in den Jahren vor 2020 hat sich das Radfahren positiv entwickelt und die gesamte Industrie war auf ein gewisses Wachstum eingestellt und vorbereitet. Was indes niemand erwarten konnte ist, dass dieses im Zuge der Corona-Pandemie buchstäblich und weltweit explodiert", so Paul Wild, Sprecher der Paul Lange & Co. OHG gegenüber dem Portal radfahren.de. Das Unternehmen ist eines der führenden in der europäischen Fahrradbranche und seit 1967 die Generalvertretung des japanischen Komponentenherstellers Shimano.

Der Fahrrad-Online-Handel boomt, kleine Händler haben es da schwerer. "Aber man kann damit leben", sagt Michael Dobrohlaw. Er betreibt den "Fahrradladen" am Görlitzer Fischmarkt. Click and Collect, dass bietet er natürlich auch an, die Werkstatt ist offen. Inzwischen wird es bei ihm aber auch eng mit Ersatzteilen. "Einige Aufträge konnte ich schon nicht machen", sagt er. Er sieht das Problem ebenfalls in mangelnden Produktions- und Transportkapazitäten aus Asien. "Wenn dann noch so eine Geschichte wie im Suez-Kanal hinzukommt, wird es schwierig", sagt er mit Blick auf das jüngst steckengebliebene Riesen-Containerschiff "Ever Given".

Ungebremste Nachfrage nach E-Bikes

Nachfrage nach E-Bikes, die gibt es bei ihm zwar, aber Michael Dobrohlaw kann damit nicht dienen. Er verkauft die Elektrofahrräder nicht. Anders sieht es da bei Daniel Reichstein aus. "Knapp die Hälfte der Fahrräder, die wir verkaufen, sind E-Bikes", so der Filial-Leiter von Little John Bikes.

Auch Cube-Filial-Leiter Dirk Hanspach beobachtet das Phänomen seit geraumer Zeit. "Es wird immer doller. E-Bikes sind gefragt wie nie", schildert er. Es seien beispielsweise Menschen, die schon seit Längerem nicht mehr oder gar nicht Fahrrad gefahren sind und nun auf dem E-Bike ihre Runden drehen, ältere beispielsweise.

Für all jene, die sich kein Fahrrad kaufen wollen, sondern nur eins für eine besondere Gelegenheit brauchen, hat Daniel Reichstein derweil noch einen Tipp: die Fahrradausleihe. "Zum Beispiel für den Männertag ist das eine gute Möglichkeit: Am Mittwoch das Fahrrad abholen, am Freitag wieder abgeben", sagt er.

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