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Görlitzer Touri-Bus-Anbieter geht leer aus

Die Stadt Görlitz hat die Stellplätze für Stadtrundfahrten erstmals ausgeschrieben. Ingo Menzel ist über das Ergebnis stinksauer. Er ist nicht der Einzige.

Ingo Menzel stand mit seinen Stadtschleicher-Bussen jahrelang vor der Dreifaltigkeitskirche. Nun hat er den Platz an einen Konkurrenten verloren.
Ingo Menzel stand mit seinen Stadtschleicher-Bussen jahrelang vor der Dreifaltigkeitskirche. Nun hat er den Platz an einen Konkurrenten verloren. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Görlitz. 17 Jahre lang hatte Ingo Menzel mit seinen Stadtschleicher-Bussen seinen kostenfreien Stellplatz am Obermarkt. Von hier aus kutschierte er Touristen durch die ganze Stadt. Doch damit soll es nun vorbei sein, denn die Stadt hat die Standplätze neu ausgeschrieben. Ingo Menzel hat sich beworben, doch er war nicht der Einzige.

Sowohl für den angestammten Platz vor der Dreifaltigkeitskirche als auch für den neuen Platz vor der Staatsanwaltschaft bekam ein anderer den Zuschlag: Stefan Menzel, der seit 2020 als neuer Anbieter unter anderem mit dem roten Görliwood-Bus unterwegs ist. Die Menzels sind nicht verwandt, sondern Konkurrenten. Für den Platz vor der Dreifaltigkeitskirche habe sich Stefan Menzel mit sieben oder acht Firmen beworben, berichtet Ingo Menzel: „Ich selbst habe nur eine Firma.“ Entsprechend habe der Konkurrent in der Auslosung viel bessere Chancen gehabt. Doch auch bei dem Platz vor der Staatsanwaltschaft entschied das Los für Stefan Menzel.

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Stefan Menzel ist der Betreiber des Görliwood-Busses und Inhaber zahlreicher Casinos in Görlitz und Umgebung.
Stefan Menzel ist der Betreiber des Görliwood-Busses und Inhaber zahlreicher Casinos in Görlitz und Umgebung. © SZ/Sebastian Beutler

Bliebe die Möglichkeit, sich zu einigen, sich in einen Platz und die Kosten zu teilen. „Ich habe es versucht, aber Stefan Menzel hat die Bedingung aufgestellt, dass ich ihm meinen blauen Cabrio-Bus verkaufen soll“, sagt Ingo Menzel. Verkaufen wolle er nicht, deshalb sei keine Einigung zustande gekommen. Stefan Menzel war am Montag für Nachfragen der SZ nicht erreichbar.

Wie Ingo Menzel jetzt weitermacht, ist nach seiner Aussage noch unklar. Er überlegt, umzufirmieren. Hauptsächlich aber ist er sauer auf den Stadtrat, der die Ausschreibung veranlasst und zudem sehr hohe Stellplatzgebühren festgelegt hat. „Der Stadtratsbeschluss war ein Schnellschuss, damit macht man den Markt platt“, sagt Ingo Menzel. Er glaubt, dass sein Namensvetter alle anderen Anbieter verdrängen will.

Zwei Plätze am Napoleonhaus

Vor dem Napoleonhaus am Obermarkt gibt es zwei weitere, kleinere Standplätze. Die sind nicht in Menzel-Hand. Den einen konnte sich Hans-Ulrich Koinzer mit seinem Oldtimer-Bus sichern. Er ist schon seit 2002 aktiv – noch zwei Jahre länger als Ingo Menzel. Eigentlich ist er längst Rentner. Wegen der hohen Gebühren wollte sich Koinzer nicht bewerben, hat es sich aber anders überlegt: „Ich will es zumindest versuchen.“ Doch wegen der Kosten ist er nicht sicher, ob er durchhalten wird. Seinen Platz zu teilen, plant er nicht.

In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit dem Bus an. Deshalb sind nun mehrere Standplätze notwendig.
In Görlitz bieten verschiedene Unternehmen Stadtrundfahrten mit dem Bus an. Deshalb sind nun mehrere Standplätze notwendig. © André Schulze

Den anderen Platz vor dem Napoleonhaus hat Gregor Kempfert von der Salis-Salzgrotte bekommen. Er bietet seit vier Jahren Stadtrundfahrten an. Dieses Jahr wollte er eigentlich investieren: „Ich hatte vor, mir erstmals einen Elektro-Bus zu kaufen.“ Doch das tut er jetzt nicht.

Mit dem Stellplatz an sich ist er zwar zufrieden, nicht aber mit den monatlichen Gebühren von 630 Euro. „Ich weiß nicht, ob das für einen kleinen Unternehmer wie mich bezahlbar ist.“ Er habe keinen großen Bus, könne maximal fünf Fahrgäste mitnehmen. Die mussten bisher zehn Euro pro Person zahlen. „Manchmal fahren auch nur zwei oder drei mit“, sagt er. Trotzdem muss er neben dem Standplatz auch Benzin, Versicherung und so weiter bezahlen. Eine Investition in einen neuen Bus sei da im Moment auf keinen Fall möglich. Stattdessen will er jetzt bei der Stadt um Preisnachlass für kleine Anbieter wie ihn bitten. Klappt das nicht, sieht er schwarz: „Dann werden die kleinen Firmen mit ihren individuellen Rundfahrten vom Markt verschwinden und nur die großen wie Menzel übrig bleiben.“

Neuer Anbieter hat sich nicht beworben

Ein weiterer „Kleiner“ ist Artur Gawryluk. Er hat sich einen Acht-Sitzer gekauft, einen bunten Elektro-Bus mit offenen Seiten. Voriges Jahr hat er alle Genehmigungen eingeholt, dieses Jahr wollte er durchstarten. Auf die Ausschreibung der Stadt hat er sich aber wegen der hohen Gebühren nicht beworben. Stattdessen will er es ohne festen Standplatz versuchen und beispielsweise mit Hotels kooperieren.

Ebenfalls nicht beworben hat sich der Radeburger Kutsch- & Kremserfahrten-Unternehmer Axel Gürntke. Seit 2012 ist er in Görlitz gefahren: Außer ihm gab es keinen, der Stadtrundfahrten mit Pferdekutschen angeboten hat. Doch zuletzt gab es Ärger mit einer Tierschützerin, die ihn regelmäßig angezeigt habe, weil die Tiere im Sommer bei Hitze arbeiten mussten. Das ist der Grund, warum sich Gürntke nun zurückgezogen hat, erklärt er. Die Stadtverwaltung bestätigt, dass es für die Stellplätze keine Bewerbung von Pferdekutschern gab.

Hoffen auf nächstes Jahr

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Die jetzige Ausschreibung gilt nur für dieses Jahr. Und durch die Corona-Pandemie ist es ein kurzes Jahr: Derzeit dürfen noch keine Stadtrundfahrten stattfinden. Wann es losgeht, ist völlig offen. Bis dahin haben die Anbieter freilich auch keine Einnahmen. Ingo Menzel und Gregor Kempfert hoffen, dass die Stadträte merken, dass die Ausschreibung ein Fehler war. Und, dass es nächstes Jahr ganz anders läuft – mit Plätzen für alle Anbieter und mit niedrigeren Gebühren. Wenn er Planungssicherheit habe, könnte sich Kempferts Wunsch nach einem Elektro-Bus dann noch erfüllen. Ansonsten werde wohl bald nur noch ein Anbieter übrig sein.

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