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Grippeinfektionen kommen jetzt erst richtig in Fahrt

Wie steht es im Kreis Görlitz um die Grippeschutzimpfung? Die SZ hat bei der Amtsärztin nachgefragt.

Von Matthias Klaus
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Annegret Schynol, Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises, hier während einer Pressekonferenz.
Annegret Schynol, Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises, hier während einer Pressekonferenz. © Nikolai Schmidt

Die Grippewelle 2020/21 ist weltweit ausgefallen – die Coronavirus-Schutzmaßnahmen haben auch die Influenzaviren eingedämmt. Dadurch könnte das Immunsystem in diesem Winter jedoch weniger gut auf die dann zirkulierenden Influenzaviren vorbereitet sein. Das befürchtet zumindest das Robert-Koch-Institut. Die Wirksamkeit einer "normalen" Grippeschutzimpfung könne bei älteren Menschen demnach geringer ausfallen. Um dieser Personengruppe einen besseren Schutz vor einer Grippe-Infektion und möglichen Komplikationen zu bieten, wurde für sie ein Hochdosis-Grippeimpfstoff entwickelt. Die SZ sprach mit Annegret Schynol, Leiterin des Gesundheitsamtes im Landratsamt, über die Grippeschutzimpfung im Landkreis Görlitz.

Frau Schynol, beim Impfen, da denkt man heute ja vor allem an das Thema Corona. Wie wird denn das Impfangebot gegen Grippe im Kreis angenommen?

Die Termine des Teams unserer Impfsprechstunde des Landkreises waren sehr schnell ausgebucht. Aber es impfen ja auch die Haus- und Kinderärzte.

Wie viele Bürger im Kreis haben sich denn schon gegen Grippe impfen lassen?

Da ja unterschiedliche Ärzte impfen, haben wir da noch keine genauen Zahlen.

Die Grippewelle 2020/2021 ist wegen der Coronaschutzmaßnahmen mehr oder weniger ausgefallen, dieses Jahr soll es schlimmer werden. Macht sich das schon im Landkreis bemerkbar?

Die Zahl der Atemwegsinfektionen steigt, das hatten wir erwartet. Aber so richtig geht es mit den Infektionen jetzt erst los. Vor allem die Risikogruppen sind natürlich gefährdet.

Wer zählt dazu?

Personen im Alter über 60, Schwangere nach zwei Dritteln ihrer Schwangerschaft beispielsweise. Außerdem Menschen, die viel in Kontakt mit anderen kommen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, mit Schädigung des Immunsystems.

Wie verträgt sich eine Grippeschutzimpfung mit einer Coronaschutzimpfung? Ist beides möglich?

Ja, beide Impfungen können auch zeitgleich passieren, heißt es vom Robert-Koch-Institut.

Das bedeutet, wenn ich jetzt zum Beispiel meine erste Coronaimpfung bekommen habe, kann ich sozusagen zwischendurch auch gegen Grippe geimpft werden?

Das ist kein Problem. Beim Grippeimpfstoff handelt es sich um einen Totimpfstoff, der anders wirkt als der Coronaimpfstoff. Totimpfstoffe enthalten nur abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können oder Bestandteile der Erreger. Die werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne dass die jeweilige Krankheit ausbricht.

Kann es trotzdem zu Nebenwirkungen nach der Grippeschutzimpfung kommen, ähnlich wie bei Corona-Impfungen?

Es gibt mögliche Reaktionen, vor allem lokal begrenzt. Das bedeutet etwa eine gerötete Einstichstelle, ein schmerzender Arm, aber auch Übelkeit, allgemeines Unwohlsein. In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder ab.

Im Zusammenhang mit der Grippeschutzimpfung hört man oft von einer Hochdosis. Für wen ist die denn geeignet?

Der Hochdosisimpfstoff ist vor allem für ältere Personen vorgesehen. Die Dosis an Antigenen ist viermal so hoch wie bei herkömmlichen Impfstoffen. Der Erreger ist auch hier inaktiviert, das heißt, es ist auch ein Totimpfstoff, aber mit besonderen Wirkverstärkern. Die Nachfrage ist jedenfalls sehr hoch. Alle, die den Impfstoff wünschen, bekommen ihn.

Der Grippeschutz ist das eine, steigende Coronazahlen im Kreis das andere. Wie steht es denn um die Impfzahlen gegen Covid-19 im Landkreis?

Die Beurteilung der Situation ist nicht ganz einfach. Früher hatten wir das Impfzentrum, jetzt impfende Ärzte. Die Impfzahlen bezüglich der Corona-Impfung werden im Landkreis nicht separat erfasst, deshalb können wir dazu keine genauen Angaben machen.

Derzeit wird ja für die Booster-Impfung geworben, also für die dritte Impfung gegen Corona.

Wir empfehlen diese Impfung derzeit vor allem für Personen über 70 Jahre.