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Kritik an Stöcker aus der Schweiz

Auch im Nachbarland sieht man die Vorgehensweise des Görlitzer Kaufhaus-Investors mit dem selbst entwickelten Impfstoff gegen Corona skeptisch.

Winfried Stöcker: Der Mediziner hat einen selbst entwickelten Impfstoff gegen Corona ohne große Tests Freiwilligen gespritzt.
Winfried Stöcker: Der Mediziner hat einen selbst entwickelten Impfstoff gegen Corona ohne große Tests Freiwilligen gespritzt. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Winfried Stöcker, Arzt und Görlitzer Kaufhaus-Investor hat nach eigenen Angaben die "beste Impfung gegen Covid-19" entwickelt. Weil aber Regeln nicht eingehalten wurden, hat das Paul-Ehrlich-Institut den 74-Jährigen verklagt - wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.

Unterstützung für die Vorgehensweise des hessischen Institutes, das in Deutschland für die Impfstoffzulassungen zuständig ist, kommt aus der Schweiz. Dort halten Experten Stöckers Vorgehen ebenfalls für kritikwürdig.

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Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF), zeigt demnach Verständnis für die Reaktion des Paul-Ehrlich-Institutes. Denn "die Zeiten, in denen man irgendwo im Labor etwas zusammenmixt, die man dann irgendjemandem in den Muskel sticht, die sind eigentlich definitiv vorbei", sagt er der Schweizer Boulevardzeitung "20 Minuten". Stöcker sei in keiner Weise standardisiert vorgegangen – weder bei der Herstellung noch bei den Versuchen.

"Die Art wie das Rezept formuliert ist – es beginnt mit ,Man nehme ...' – passt für ein Spaghetti-Rezept, aber nicht für eine Impfung, der wir Probanden aussetzen und von der wir uns schlussendlich zuverlässigen Schutz versprechen", zitiert das Blatt den Präsidenten.

Kritik an der Stöcker'schen Vorgehensweise kommt demnach auch vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic. "Zum Schutz von uns allen sind die ethischen Grundsätze und die Evidenz der wissenschaftlichen Forschung international klar geregelt", so Sprecher Lukas Jaggi gegenüber "20 Minuten". Daneben müssten Beobachtungen, und seien sie auf den ersten Blick noch so vielversprechend, zuerst mit klinischen Daten und Kontrollgruppen untermauert werden, sagte er weiter. Aus seiner Sicht habe Winfried Stöcker "von guter Laborpraxis über gute Herstellungspraxis über gute klinische Praxis oder Sorgfaltspflichten im Schweizerischen Heilmittelgesetz so ziemlich alles strapaziert, was es zu strapazieren gibt", zitiert ihn "20 Minuten".

Winfried Stöcker, früherer Euroimmun-Besitzer, hat einen Impfstoff gegen Corona entwickelt und ihn Freiwilligen injiziert, ohne große vorhergehende klinische Studien. Laut "20 Minuten" habe er gesagt, dass für 8,6 Millionen Schweizer der Impfstoff innerhalb weniger Monate hergestellt werden könnte.

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