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Kretschmer mahnt in Görlitz zu Vorsicht über Ostern

Eigentlich ging es am Montag um ein Fernwärmeprojekt zwischen Görlitz und Zgorzelec. Aber Corona überstrahlt das Treffen mit dem MP auf der Altstadtbrücke.

Treffen an der roten Linie: Von links: Oberbürgermeister von Görlitz Octavian Ursu, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien Cezary Przybylski, Bürgermeister von Zgorzelec Rafal Gronicz,
Treffen an der roten Linie: Von links: Oberbürgermeister von Görlitz Octavian Ursu, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien Cezary Przybylski, Bürgermeister von Zgorzelec Rafal Gronicz, © Martin Schneider

Am Ende, als die meisten Fernsehkameras aus sind, lässt sich Sachsens Ministerpräsident dann doch eine Jacke reichen. Bis jetzt hatte Michael Kretschmer tapfer in seinem blauen Anzug durchgehalten. Ist aber wohl doch ein bisschen frisch hier am Montagvormittag auf der Altstadtbrücke in seiner Heimatstadt Görlitz. Der Regierungschef des Freistaates ist hergekommen, um ein deutsch-polnisches Projekt mit auf den Weg zu bringen. Aber ein anderes Thema liegt ihm ebenso am Herzen. Natürlich: Corona.

Doch eigentlich geht es ja um Fernwärme. Ein gemeinsames 60-Millionen-Euro-Vorhaben von Zgorzelec und Görlitz soll die Städte mit klimaneutraler Wärme versorgen. Das Ganze soll bis 2030 passieren. "Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich: Na, ob das klappt?", sagt Rafal Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec. Aber er mag Herausforderungen, schildert er.

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Zgorzelec muss Kohlekraftwerk umstellen

Für Zgorzelec besteht eine darin, das Kohlekraftwerk auf Erdgas und später auf Biomasse umzustellen. Und: Es muss eine zweieinhalb Kilometer lange Verbindung mit dem Blockheizkraftwerk in Königshufen geben. Für dieses Projekt unterzeichnen Michael Kretschmer und der Marschall der Woiwodschaft Niederschlesien, Cezary Przybulsky, ein gemeinsames Unterstützerschreiben an die Europäische Kommission. Der Ausstieg aus der Kohle - für Rafal Gronicz ist das ganz klar. "Die Frage ist aber wann. Wir müssen die Menschen, die in dieser Branche arbeiten, unterstützen, ihnen eine Perspektive bieten", sagt er.

Es ist ein Treffen an der roten Linie. So sieht es jedenfalls aus, die Altstadtbrücke ist mit roten Bändern aufgeteilt. Zutritt für Presseleute gibt es nur, wenn ein negativer Coronatest vorgezeigt wird. Die Pandemie, sie ist allgegenwärtig, gerade auch für Michael Kretschmer. Erst am Wochenende hatten Kritiker der Coronamaßnahmen versucht, sein Haus in Waltersdorf zu erreichen.

Kretschmer warnt vor Britten-Mutante

"In einer Pandemie sind nicht die erfolgreich, die voranstürmen, sondern die, die rücksichtsvoll sind", sagt Michael Kretschmer am Montag darauf in Görlitz. Und er warnt wieder vor der britischen Coronamutation. Sie sei viel ansteckender als die bisherige. "Die Instrumente, die wir im vergangenen Jahr hatten, greifen nicht mehr", so der Ministerpräsident. Aber immerhin, er sehe "Licht am Ende des Tunnels", vor allem, weil es mehr Impfstoff geben werde. "Bis dahin heißt es Abstand halten und Rücksicht nehmen, gerade auch über das Osterfest", sagt Michael Kretschmer.

Der sächsische Ministerpräsident mahnt einen "klaren Kurs" in der Coronakrise an. "Der wird aber nur erfolgreich sein, wenn er von der Bevölkerung getragen wird, von der Mitte der Gesellschaft", sagt er. Und der Ministerpräsident stellt in Aussicht: Nach Ostern werde es viele Angebote im gesellschaftlichen Leben geben, viele "Dienstleistungen". Allerdings sei dann ein negativer Test Voraussetzung. "Es geht nicht darum, einmal pro Woche zu testen, sondern zwei-, dreimal, vielleicht siebenmal", so Michael Kretschmer.

Mehr Tests sollen mehr Freiheit bringen

Corona und die deutsch-polnische Zusammenarbeit - leidet sie unter der Pandemie? "Nein", sagt der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu. "Wir sind eher noch zusammengewachsen."

"Wahre Freunde erkennt man in der Not", philosophiert derweil der Marschall Cezary Przybulsky. Auch er sagt, dass trotz Pandemie die Zusammenarbeit nicht stehengeblieben ist. Und er hofft: Wenn sich die Situation normalisiert haben wird, werde es nicht nur Projekte wie das zwischen Görlitz und Zgorzelec geben, sondern weitere zwischen Sachsen und Niederschlesien.

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Ganz am Ende der Veranstaltung auf der Altstadtbrücke gibt es dann doch noch Grenzübertritte. Die Politiker wandern über die Neißstraße und den Untermarkt zu internen Gesprächen ins Görlitzer Rathaus, ohne Presse. Michael Kretschmer lässt auf dem Weg die Jacke an. Es ist kühl im Frühling in seiner Heimatstadt.

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