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So pendelt es sich in der Pandemie

Die Gewerkschaft IG Bau will die Zahl der täglich Reisenden von und nach Görlitz verringern. Betroffene wie der Commerzbank-Chef haben damit kein Problem.

Das waren noch Zeiten: Tortenanschnitt zum 25. Geburtstag der Commerzbank in Görlitz, Torsten Fröde auf der rechten Seite mit seinem Kollegen aus Cottbus.
Das waren noch Zeiten: Tortenanschnitt zum 25. Geburtstag der Commerzbank in Görlitz, Torsten Fröde auf der rechten Seite mit seinem Kollegen aus Cottbus. © nikolaischmidt.de

Seinen Arbeitsnachweis hat Torsten Fröde bisher noch nie vorzeigen müssen. "Ich habe ihn natürlich immer dabei, genau wie meinen Betriebsausweis", sagt der Chef der Görlitzer Commerzbank-Filiale. Pendeln, dass gehört für ihn zu seinem Arbeitsalltag, wie für so viele, die täglich in die Kreisstadt kommen oder sie verlassen. Wie fühlt es sich an, in Zeiten der Pandemie?

"Eigentlich gar nicht so viel anders als zuvor", sagt Torsten Fröde. Er reist jeden Tag aus der Nähe von Bautzen nach Görlitz. Kontrollen in Pandemie-Zeiten - bisher Fehlanzeige. "Auch in der kritischen Phase, als die 15-Kilometer-Regelung galt, wurde ich nicht nach den Unterlagen, der Bescheinigung gefragt", sagt Torsten Fröde.

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Eine knappe Stunde für eine Fahrt zum Arbeitsplatz

Vielleicht liegt es ja auch am Arbeitsweg. Der Marktbereichsleiter der Commerzbank nutzt die Autobahn nach Görlitz, da er ganz in der Nähe wohnt. "Ich brauche so 45 bis 50 Minuten für den Arbeitsweg, einfache Strecke", schildert er. Auch die B 6 wäre für ihn eine Variante, die kostet aber mehr Zeit. "Da bin ich dann schon bei einer Stunde Fahrtzeit", so Torsten Fröde.

Auch in Zeiten von Lockdown und Homeoffice bleibt die Zahl der Pendler im Kreis Görlitz auf einem hohen Level, resümiert die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau). Im vergangenen Jahr verließen demnach rund 18.200 Menschen auf dem Weg zur Arbeit die Görlitzer Kreisgrenzen. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

„Aufgrund der hohen Mieten können sich viele Beschäftigte das Wohnen dort, wo sie arbeiten, nicht leisten. Ein Umzug ist für sie nicht zu stemmen. Als Alternative bleibt oft nur stundenlange Fahrerei mit dem Auto oder der Bahn“, so Bezirksvorsitzender Peter Schubert. In der Baubranche seien weite Anfahrtswege besonders verbreitet. Es dürfe aber nicht sein, dass Bauarbeiter, die in den Metropolen Wohnungen bauten, sich diese selbst nicht mehr leisten könnten, sagt die Gewerkschaft.

Zahl der Auspendler aus dem Kreis ist leicht gesunken

Demnach sank die Zahl der sogenannten Auspendler im Kreis Görlitz geringfügig um ein halbes Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu den wesentlichen Ursachen für die anhaltend großen Pendelströme zählt nach Einschätzung der IG Bau Ostsachsen der teure Wohnraum in Städten, in denen in den letzten Jahren besonders viele Arbeitsplätze entstanden. Die Gewerkschaft fordert deshalb mehr Anstrengungen bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. Aber damit wird letztendlich der Wegzug aus der ländlichen Region befördert. Allein die Stadt Görlitz zählt pro Tag etwa 30.000 Pendler, die ein- oder ausfahren. Dabei liegt die Zahl derjenigen, die nach Görlitz kommen mit rund 10.000 deutlich über der Zahl jener, die die Stadt verlassen (etwa 6.500). Alle anderen gelten als so genannte Binnenpendler. Laut dem Internetportal Pendleratlas liegt die Zahl der Tagesbevölkerung in Görlitz damit bei über 60.000. Die Stadt hat eigentlich eine Einwohnerzahl von etwa 55.000.

„Weniger Pendelei bedeutet für die Betroffenen mehr Zeit für die Familie, Freunde und Hobbys. Gleichzeitig kann ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen im Verkehrssektor eingespart werden“, so Peter Schubert. Nach Angaben der Arbeitsagentur verließen im vergangenen Jahr bundesweit vier von zehn sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf dem Weg zur Arbeit die Grenzen ihrer Stadt oder ihres Landkreises. Damit erreichte die Zahl der Fern-Pendler trotz Pandemie einen Höchststand von 13 Millionen.

Commerzbank-Chef hat kein Problem mit dem Pendeln

Der Görlitzer Commerzbank-Fillialleiter hat mit dem Pendeln kein Problem, auch nicht in Zeiten von Corona. "Auf der Autobahn fährt es sich von Bautzen nach Görlitz doch ganz gut", findet er. Und eben schneller.

Mit der Pendelei hat der Bankchef jedenfalls schon ziemlich viel Erfahrung. Am 1. Juli 2010 wurde er der neue Direktor der Commerzbank in Görlitz. Der damals 36-Jährige, der bis dahin in Löbau die Filiale der bis dahin die durch die Commerzbank übernommenen Dresdner Bank geleitet hatte, tauschte seinen Stuhl mit Sylvio Prauß. Er leitete damals die Commerzbank in Görlitz, war bis dahin fünf Jahre Chef.

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