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Testzentrum im Görliwoodbus

Testen ist an immer mehr Orten in Görlitz und im Kreis möglich. Das ist auch nötig. Denn jeder soll sich möglichst häufig testen lassen.

Das Corona-Testcenter im roten Görliwood-Bus auf dem Rastplatz an der Autobahn: Hier werden vor allem Pendler getestet.
Das Corona-Testcenter im roten Görliwood-Bus auf dem Rastplatz an der Autobahn: Hier werden vor allem Pendler getestet. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Pavel hat den Test gerade hinter sich. Der Mann, Mitte 40, aus der Nähe von Breslau hält ein Blatt Papier in der Hand. "Negativ" dieses Wort ist darauf ganz wichtig. Pavel darf nach Deutschland einreisen und mit seinem Laster weiterfahren. Ob ihn jemand kontrolliert, eine andere Frage. "Ja", sinniert er, "früher war alles einfacher." Kein Test, einfach durchfahren. Corona hat Europa ausgebremst. Nun steht Pavel hier vor einem roten Doppeldeckerbus auf dem Rastplatz in Ludwigsdorf.

Womit früher Touristen in Görlitz durch die Stadt geschaukelt wurden, damit werden jetzt Grenzpendler getestet. Der Görliwoodbus des Görlitzer Unternehmers Stefan Menzel steht auf dem Rastplatz in Ludwigsdorf, ganz in der Nähe des Standortes der Bundespolizei.

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20 Euro kostet ein Test bei der Einreise

Der Andrang am Donnerstagvormittag ist groß, Grenzpendler wollen sich testen lassen. Polen bezahlen 20 Euro für den Check. Younes Polenz ist hier der Standortleiter. "Das Geschäft in Ludwigsdorf läuft sehr gut", sagt er. Manchmal vielleicht fast zu gut. Über Ostern kam das Testzentrum ans Limit. Bis zu 600 Personen pro Tag wurden getestet.

Stefan Menzel, eigentlich bekannt für seine Görlitzer Stadtrundfahrten und Boats and Friends auf der Neiße, ist mit seinem neuen Geschäft ein großer Tester in und um Görlitz. Gerade hat er ein Zentrum in Weißwasser an der Bautzener Straße eröffnet, ab kommenden Dienstag soll es ein weiteres geben, in Königshufen.

Ministerium: Mehrere kostenlose Tests pro Woche möglich

Während polnische Staatsbürger für den Coronatest zahlen müssen, ist er für Deutsche kostenlos." Prinzipiell hat jede Bürgerin und jeder Bürger Anspruch auf mindestens einen Schnelltest pro Woche, Beginn am Tag einer Testung", heißt es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Das haben viele so verstanden, dass nur einmal pro Woche kostenlos getestet werden kann. Aber dem ist nicht so.

Auf SZ-Nachfrage bestätigen sowohl das Berliner Ministerium als auch das Sozialministerium in Dresden, dass das "mindestens" auch so gemeint ist: Prinzipiell kann sich jeder Deutsche mehrmals in der Woche kostenlos testen lassen. Alle zwei Tage und damit dreimal die Woche wird mittlerweile sogar geraten, zudem ist ein tagesaktueller Test für viele Dinge des täglichen Lebens wie etwa Einkaufen oder Friseur nötig.

Das "mindestens" war in die Bundestestverordnung gekommen, weil anfangs fraglich war, wie schnell ein dichtes Testnetz aufgebaut werden kann und zum anderen Erfahrungen mit kostenlosen Tests in Dänemark oder Österreich gezeigt hatten, dass nur ein Bruchteil der Bevölkerung mehrmals in der Woche von diesem Angebot Gebrauch macht.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wiederum warb erst jüngst bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Görlitz für mehrfache Tests pro Woche. Nur: Ist das denn überhaupt machbar?

Carsten Stubbe ist der Chef der Linden-Apotheke in Görlitz. Er lässt in Rauschwalde, Weinhübel und neuerdings auch im Hotel "Zum Goldenen Strauss" im Görlitzer Zentrum testen.

"Wenn man sich zwei- bis dreimal pro Woche testen lässt, ist man auf der sicheren Seite", sagt er. Die Nachfrage nach den Gratis-Tests sei jedenfalls sehr hoch. "Das betrifft alle Bereiche, Privatpersonen, Firmen, Institutionen", so Carsten Stubbe.

Ist es denn möglich, dass man sich sieben Tage pro Woche gratis testen lassen kann? "Theoretisch schon", sagt Carsten Stubbe. Denn, wer, wann und wo getestet wird, werde nicht protokolliert. Zwar gebe es eine Software, die vom Freistaat zur Verfügung gestellt wird. Aber die Daten werden nur zur Abrechnung gespeichert. Zum Test muss die Versicherungskarte vorgelegt werden.

Apotheke baut Testkapazitäten aus

In den Apotheken Carsten Stubbes waren die Kapazitäten innerhalb weniger Tage an die Grenzen gekommen. "Deshalb sind wir auch auf den "Strauss" ausgewichen", schildert er. Die Nachfrage sei hier sehr hoch - wohl auch, wegen der zentralen Lage in der Nähe des Marienplatzes.

Wie wichtig Tests sind, kennt Carsten Stubbe aus eigener Erfahrung. In seiner Belegschaft gab es schon einige Coronafälle. "Wir hätten schon viel eher mit den Tests anfangen müssen", sagt er mit Blick auf ganz Deutschland. Dann wären auch eher wieder Lockerungen möglich, so der Apothekenchef.

Während sich deutsche Staatsangehörige also mehrfach pro Woche kostenlos testen lassen können, müssen die Nachbarn zahlen. "Meist gibt es das Geld für den Test vom Arbeitgeber zurück", weiß Younes Polenz. In "seinem" Görliwoodbus kann man ganz unterschiedlich bezahlen, mit EC-Karte, mit Zloty, mit Euro. "

Pavel macht sich derweil zurück auf den Weg zu seinem Laster, das "negative" Zertifikat in der Hand. "Ich muss jetzt wirklich los", sagt er in den kalten Aprilwind. Er muss nach Frankreich.

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