merken
PLUS Görlitz

Warum ein Tierschädel bei den Kinderlieblingen liegt

Ein abgetrennter Kopf im Gehege der Zebramangusten sorgte jetzt für helle Aufregung bei den Zoo-Besuchern. Eine Panne? Keineswegs.

Tierpflegerin Kristin Kasper mit einer Yak-Kuh im Tierpark am Freitag in Görlitz.
Tierpflegerin Kristin Kasper mit einer Yak-Kuh im Tierpark am Freitag in Görlitz. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Die Anruferin ist ganz aufgeregt. So etwas habe sie ja noch nie erlebt, schildert die SZ-Leserin. Gleich am Eingang des Tierparks, dort, wo diese wuseligen Tierchen herumflitzen, hat sie etwas Schreckliches entdeckt. Und offensichtlich nicht nur sie. „Kinder haben geweint und waren völlig verstört“, schildert die Anruferin. Ihre Version: „Bei den Streifenhörnchen liegt ein abgetrennter Ochsenkopf.“ Wie könne denn das sein, fragt sich nun die Zoobesucherin. Die possierlichen Tierchen fressen doch gar keine Ochsen.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Tierpark-Kuratorin Catrin Hammer sorgt für Aufklärung. „Was die Besucher gesehen haben, war ein Yakschädel im Gehege der Zebramangusten“, schildert sie. Dieser Kopf war an dem Tag die Futterration der Mangustengruppe. Denn Zebramangusten sind eben nun mal Fleischfresser, ob niedlich oder nicht, es sind kleine Raubtiere.

Süß aber räuberisch: die Zebramangusten im Görlitzer Tierpark.
Süß aber räuberisch: die Zebramangusten im Görlitzer Tierpark. © Danilo Dittrich

„Fleischfresser fressen nun mal keine Karotten und so kann man bei unseren fleischfressenden Tierarten regelmäßig getötete Mäuse, Ratten, Kaninchen, Küken, Meerschweine, Ziegen oder Ferkel in den Gehegen sehen“, schildert Catrin Hammer. Dem Tierpark Görlitz sei es ganz wichtig dieses sensible Thema nicht zu tabuisieren. So kläre zum Beispiel am Gehege der Geier ein Schild darüber auf. Zudem wird auf der Internetseite des Zoos über das Thema informiert.

„Der offene Umgang zur Vermittlung natürlicher und naturnaher Lebenskreisläufe sehen wir als eine unserer Aufgaben“, so Catrin Hammer. Die Verfütterung von ganzen Körpern oder größeren Teilen eines Tieres sei „ernährungsphysiologisch und verhaltensbiologisch sehr wichtig für unsere gehaltenen Tiere“.

Wie kam aber nun gerade der Yak-Schädel ins Gehege der Zebramangusten? „Im Fall dieses Yaks war es folgendermaßen: die Kuh wurde getötet, da sie aufgrund einer Altersschwäche nicht mehr aufstehen konnte“, erläutert die Kuratorin „Alle Teile dieser Kuh wurden und werden zur Verfütterung an unsere Fleischfresser genutzt, auch der Schädel. Das ist nachhaltig“, betont sie.

Zudem wisse der Tierpark, dass er ein gutes „Futtermittel“ einsetze. „Denn wir wissen wie diese Kuh 18 Jahre bei uns gelebt hat, was sie gefressen hat und dass sie keine Medikamente verabreicht bekommen hat, die die Endkonsumenten schädigen könnten“, so Catrin Hammer.

Die Diskussion um Fleischfütterungen im Görlitzer Tierpark, sie ist nicht neu. Seit Jahren gibt es immer wieder mehr oder weniger erstaunte Besucher, wenn beispielsweise ein totes Schwein im Gehege der Gänsegeier liegt. Deshalb kommt immer wieder eine Debatte zu dem Thema auf.

„Für eine artgerechte Haltung brauchen Raubtiere tierische Nahrung. Wir erzeugen dieses Fleisch im Tierpark. Nur so ist es uns möglich, weitestgehend auf Produkte aus der nicht artgerechten industriellen Massentierhaltung zu verzichten“, heißt es vom Zoo. Den „Futtertieren“ werde ein artgerechtes Leben geboten. Zudem steht die Tierparkleitung in engem und regelmäßigem Kontakt mit den zuständigen Aufsichtsbehörden wie etwa der Unteren Naturschutzbehörde und dem Veterinäramt.

Den Zebramangusten jedenfalls scheint es im Görlitzer Tierpark gut zu gehen. Seit vergangenem Jahr haben sie eine neue Anlage bezogen - im Biergarten des Tierparks. Das Gehege ist 100 Quadratmeter groß und stilecht eingerichtet. Panoramascheiben sorgen für beste Einblicke ins Leben der Truppe und eben aufs Fressen.

Ein Jahr lang war an dem Gehege gearbeitet worden, die Zebramangusten setzten den Tierpark mit ihrem Vermehrungsdrang unter Druck. Angefangen hatte es dabei 2012 ganz entspannt. Zwei Mangustenbrüder kamen aus einem, an der Grenze beschlagnahmten Tiertransport in den Zoo. Der Tierpark schaffte wiederum zwei Weibchen an. Es begann ein fröhliches Paaren, eine Zebramangusten-Großfamilie entstand.

Die Tiere wurden schnell Publikumslieblinge. Gerade in dem neuen Gehege mit den großen Glasscheiben hocken Kinder davor und sehen die Zebramangusten Auge in Auge vor sich. Und vielleicht auch ein paar tote Küken. Die werden den Mangusten zum Abendbrot angeboten. Für Kinder ist das vielleicht nicht so verstörend wie ein abgetrennter Yak-Schädel. Aber gewöhnungsbedürftig mit Sicherheit auch.

© Bildstelle

Freikarte wartet als Gewinn

Auch an diese Spezial-Kolumne schließt sich eine Preisfrage an. Antworten bitte per E-Mail an [email protected], per Post an SZ Görlitz, PF 300151, 02806 Görlitz, Lokalredaktion, Kennwort „Zoo-Geschnatter“. Einsendeschluss ist der 25. September. Zu gewinnen gibt es eine Freikarte für einen Erwachsenen und eine Person mit ermäßigtem Eintritt. Bitte geben Sie ihre Telefonnummer an.

Mehr zum Thema Görlitz