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Neuer Sammler von Alttexilien

In Görlitz und Niesky werden Altkleidercontainer ausgetauscht. Ein neuer Anbieter hegt vor allem zwei Erwartungen.

Auf der Alex-Horstmann-Straße in Görlitz wird bald ein anderer Kleidercontainer stehen. Der neue Anbieter wünscht sich, dass es dort aber nicht so aussieht wie hier in diesem Sommer.
Auf der Alex-Horstmann-Straße in Görlitz wird bald ein anderer Kleidercontainer stehen. Der neue Anbieter wünscht sich, dass es dort aber nicht so aussieht wie hier in diesem Sommer. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

In Görlitz räumt das Unternehmen Veolia in diesen Tagen und zu Jahresbeginn 2021 seine Altkleidercontainer von den üblichen Standplätzen weg. Doch die bisherigen Plätze werden nicht lange verwaist bleiben. Ein neuer Anbieter springt in diese Lücke.

Genau 37 Container für Altkleidung stellt die Profittex GmbH demnächst in Görlitz und Umland auf. Mehr als zehn Kleidercontainer sind für Niesky geplant, zehn für Herrnhut und weitere im Landkreis Görlitz.

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Profittex verdient noch immer mit Altkleidern

Das Unternehmen Profittex mit Hauptsitz in Bochum füllt hier Lücken, die andere Sammler von Altkleidung - gewerbliche wie auch gemeinnützige - hinterlassen. Viele hatten in diesem Sommer ihre Kleidercontainer abtransportiert oder verschlossen. Denn der Absatz von Altkleidern war weltweit wegen der Corona-Pandemie erheblich ins Stocken geraten. Die Sammler wurden die Sachen nicht mehr los, und wenn, dann zu einem Preis, der die Kosten gerade so deckte oder sogar ins Minus führte. Absatz- und Verwertungsschwäche bei Altkleidern war auch der Grund, warum Veolia den Vertrag mit der Stadt Görlitz kündigte, wie eine Rathaussprecherin bestätigt. Aus dem gleichen Grund zog beispielsweise das DRK in Görlitz und Niesky seine Container ein - bis auf wenige Ausnahmen.

Profittex ist nicht gemeinnützig, sondern gewerblich und verdient mit der Sammlung von Alttextilien - auch jetzt in der Altkleider-Krise. Das liege an der Firmenstrategie und den guten Beziehungen, die das Unternehmen zu Abnehmern in Osteuropa und Afrika habe, sagt Günter Neubert. Er ist Bezirksleiter bei Profittex.

Das Görlitzer DRK zog seine Altkleidercontainer bis auf wenige Ausnahmen ein. Sie warten auf DRK-Gelände offenbar auf bessere Verwertungszeiten für Alttextilien.
Das Görlitzer DRK zog seine Altkleidercontainer bis auf wenige Ausnahmen ein. Sie warten auf DRK-Gelände offenbar auf bessere Verwertungszeiten für Alttextilien. © André Schulze

Neuer Sammler übernimmt Containerstandplätze

Regelmäßig schaut er vor Ort, wo Containerplätze frei werden. Vor fünf Jahren etwa nahm er den Landkreis Görlitz unter die Lupe, erstellte eine Karte mit möglichen Stellplätzen und fragte bei den Bürgermeistern an. Damals waren die meisten Standplätze vergeben. Mit der weltweiten Altkleiderkrise sah das Unternehmen seine Chance und war im Landkreis erfolgreich, weil sich etliche Sammler zurückzogen.

Anfang Januar werden die von Veolia beräumten Plätze mit Containern von Profittex ausgestattet. "Das wird nicht gleich am 1. Januar der Fall sein", erklärt Günter Neubert. Denn zunächst müsse Veolia sein Behälter entfernen, denn Profittex nutzt exakt den gleichen Standplatz. Vier Touren plant Neubert für die Aufstellung der Container - zehn passen auf einen Transporter.

Einmal in der Woche sollen künftig die Altkleider aus den Profittex-Behältern entnommen werden. Sie gelangen zunächst in die Zweigstelle in Delitzsch. Von dort aus gehen die Altkleider zu einer großen Sortieranlage in Polen. Dieses Unternehmen ist für Profittex sozusagen das Mutterunternehmen, wie Neubert erklärt. Und: "Eine eigene Sortierung hat immer Vorteile", sagt er.

Die gesammelten Altkleider werden in drei Kategorien sortiert: A-Ware, B-Ware und C-Ware. Die A-Ware ist für den Verkauf unter anderem in Second-Hand-Läden vorgesehen. B-Ware geht nach Osteuropa und nach Afrika. C-Ware, umgangssprachlich Lumpen, wird geschreddert und unter anderem zu Putzlappen und Malervlies verarbeitet.

Der Altkleidercontainer von Humana auf dem Netto-Parkplatz in Görlitz war kaum gesperrt, schon wurden Sachen daneben geworfen.
Der Altkleidercontainer von Humana auf dem Netto-Parkplatz in Görlitz war kaum gesperrt, schon wurden Sachen daneben geworfen. © André Schulze

Zwei Erwartungen an Menschen im Landkreis

Günter Neubert hegt große Erwartungen an die Altkleidersammlung im Landkreis Görlitz. Zum Einen hofft er auf rege Kleiderspenden. Er weiß, dass viele Menschen, die coronabedingt jetzt oft zu Hause sind, die Zeit nutzen, um im Kleiderschrank aufzuräumen. Aber sie hatten Probleme, die Sachen loszuwerden, weil Container abgebaut oder gesperrt waren. Nicht selten wurden Altkleider deshalb neben die Container oder auf freigewordene Plätze geworfen. In Niesky führte das sogar dazu, dass ein Altkleidercontainer umgesetzt wurde. Der vom Langen Haag am Sowjetdenkmal steht jetzt in der Konrad-Wachsmann-Straße. Das Nieskyer Rathaus erhofft sich nun mehr Ordnung am Containerplatz, weil der neue Stellplatz nicht so abgelegen ist.

Wie jeder Altkleidersammler ärgert sich auch Profittex über Menschen, die die Container mit Mülltonnen verwechseln. Von Grasschnitt, Hausmüll bis zu gelben Säcken reiche die Palette der Fehlbefüllung. Etwa 30 Tonnen solcher Müll komme im Quartal in der Zweigstelle Delitzsch zusammen, berichtet Neubert.

Hier setzt die zweite Erwartung des Bezirksleiters an: Er hofft, dass die Menschen im Kreis Görlitz nur das in die Profittex-Container werfen, was hineingehört, nämlich Alttextilien. Die Rathäuser Görlitz und Niesky rufen darüber hinaus dazu auf, nichts neben die Container zu stellen und auch nichts abzulegen, falls im Moment wegen des Anbieterwechsels kein Container dasteht.

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