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Wenn das dringende Bedürfnis übermächtig wird

In Görlitz ist das Wildpinkeln an einigen Stellen ein Problem, eine öffentliche Toilette zu finden aber nicht - wenn man weiß, wo sie sind.

Toiletten in der Apothekergasse
in Görlitz sind ganzjährig geöffnet.
Toiletten in der Apothekergasse in Görlitz sind ganzjährig geöffnet. © Nikolai Schmidt

Liegengebliebener Hundekot im Görlitzer Stadtgebiet sorgt immer wieder für Ärger und Diskussionen. In sozialen Netzwerken dreht sich die Diskussion zum Thema aber auch um Zweibeiner und ihre dringenden Bedürfnisse.

Sylvia Eich schreibt zum Beispiel bei Facebook-SZ: "Warum werden nicht auch die Zweibeiner erwähnt, die regelmäßig ihre Geschäfte zum Beispiel in den Büschen beim Kaisertrutz machen?"

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Die Büsche am Kaisertrutz sind immer wieder Anziehungspunkt für Wildpinkler.
Die Büsche am Kaisertrutz sind immer wieder Anziehungspunkt für Wildpinkler. ©  SZ-Archiv

50 Euro für einmal Wildpinkeln

Wildpinkeln - ist das in Görlitz wirklich ein Problem? Die Büsche am Kaisertrutz sind tatsächlich häufig verunreinigt, wurde festgestellt. Schlimm ist es rund um die Frauenkirche. Die architektonische Gestaltung dieser Innenstadtkirche bietet außenherum einige Nischen, die vor allem Männer des Öfteren zum Urinieren missbrauchen. Üble Flecken an der Wand und ein unangenehmer Geruch sind die Folge.

Doch jemanden beim Wildpinkeln auf frischer Tat zu erwischen, kommt selten vor. Im vergangenen Jahr wurden in der Stadt Görlitz 28 Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen solcher Verstöße geführt, informiert Stadtsprecherin Sylvia Otto auf SZ-Nachfrage. Die Höhe der Bußgelder sei aber vom Einzelfall abhängig. In der Regel zahlen Wildpinkler 50 Euro.

Das Toilettenhäuschen am Stadtpark ist nicht beheizbar und deshalb immer vom 1. November bis 31. März geschlossen.
Das Toilettenhäuschen am Stadtpark ist nicht beheizbar und deshalb immer vom 1. November bis 31. März geschlossen. © Archivbild: Pawel Sosnowski

Öffentliche Toiletten in der Innenstadt

Das Verrichten der Notdurft auf öffentlichen Flächen ist eher während größerer Events, insbesondere beim Altstadtfest, ein Problem, erklärt die Stadtsprecherin. "Auch darüber hinaus wird es vorkommen, aber eine solche ‚Tat‘ dauert nur wenige Sekunden und der Täter achtet üblicherweise darauf, ungesehen zu bleiben", sagt Frau Otto.

Dabei gibt es im Görlitzer Innenstadtgebiet mehrere öffentliche stille Örtchen, die sowohl von der Stadt als auch von Privaten betrieben werden. Städtische Einrichtungen, die ganzjährig zur Verfügung stehen, sind die Toilette in der Apothekergasse und am Busbahnhof in der Bahnhofstraße. Jeweils vom 1. April bis Ende Oktober sind die Anlagen am Stadtpark, in der Brückenstraße, am Nikolaigraben und am Berzdorfer See zu nutzen. Die Schließung über den Winter hängt in erster Linie mit fehlender Heizung zusammen.


Toilette am Nordoststrand am Berzdorfer See.
Toilette am Nordoststrand am Berzdorfer See. © Archivbild: Pawel Sosnowski

Städtische WC meist kostenfrei, private mit Gebühr

Zu den jüngsten öffentlichen Toiletten gehört die in der Straßburgpassage. Sie wird auch von den Inhabern der Passage betrieben. Wie Tobias Heid vom Management der Passage auf Nachfrage informiert, wird die Anlage gut genutzt. Sie ist zu den Öffnungszeiten der Geschäfte ebenfalls offen, also in der Regel von 7 bis 18.30 Uhr. Sonntags ist sie aber geschlossen. Die pandemiebedingte Schließzeit gilt zwar für Geschäfte in der Straßburgpassage, aber nicht für die Toilette, sie ist zugänglich. Hier, wie bei den meisten anderen privat geführten Toiletten, wird eine Gebühr verlangt, meist sind es 50 Cent.

Das zahlt der Nutzer auch bei den städtischen öffentlichen WC's am Busbahnhof und am Berzdorfer See. Die anderen sind kostenfrei zu nutzen. Die meisten der öffentlichen Toiletten sind barrierefrei zugänglich, außer die auf dem Wilhelmsplatz.

Weitere öffentliche private WC's gibt es im Untergeschoss des City-Centers, am Imbiss auf dem Wilhelmsplatz und im Bahnhofsgebäude. Gleich drei gibt es am Demianiplatz: an der Ecke zur Brunnenstraße, an der Haltestelle und am Kiosk beim Theater. Auf die öffentliche Toilette auf der Landeskrone sollte man dagegen nicht bauen. Sie wird nach Querelen der Pächter mit der Stadt seit Langem nicht mehr aufgeschlossen.

Beschilderung mangelhaft

Obwohl es zumindest in der Görlitzer Innenstadt einige öffentliche Toiletten gibt, fällt es Görlitzern und Gästen schwer, diese Örtlichkeiten ausfindig zu machen. Die Beschilderung an den jeweiligen Toiletten ist zwar da, aber wie notdürftige Menschen dorthin gelangen, ist so gut wie nicht ausgeschildert. Keine Wegweiser weit und breit, der zur nächstgelegenen Toilette verweist. Wer hier Insiderwissen hat, ist klar im Vorteil.

Im Görlitzer Stadtzentrum gibt es mehrere öffentliche Toiletten.
Im Görlitzer Stadtzentrum gibt es mehrere öffentliche Toiletten. © SZ Grafik

Sauberkeit lässt mitunter zu wünschen übrig

Stadträtin Yvonne Reich von den Bürgern für Görlitz brachte unlängst im Stadtrat vor, dass die öffentliche Toilette in der Apothekergasse in punkto Sauberkeit zu wünschen übrig lasse. Dieses Problem sei an die Stadträtin von Görlitzer Bürgern herangetragen worden.

"Aktuell liegen uns keine Beschwerden vor", sagt Stadtsprecherin Sylvia Otto auf SZ-Nachfrage, auch nicht für die Toilette in der Apothekergasse. Sie ist das ganze Jahr über geöffnet. Allein die Reinigung dieser Einrichtung kostete im Jahr 2018 reichlich 2.712 Euro. Ein Jahr später waren es sogar 4.375 Euro und im Vorjahr 2.469 Euro.

Die städtischen Toilettenanlagen werden täglich zweimal gereinigt: morgens und am Nachmittag. Die Einteilung der Reihenfolge und genauen Uhrzeit erfolgt durch die Reinigungsfirma so, wie die Verfügbarkeit des Personals gegeben ist, erklärt die Sprecherin. Bei Veranstaltungen wie Via Thea, Tippelmarkt oder Altstadtfest werde die Reinigungsintensität erhöht. Allerdings könne es passieren, dass ein Nutzer die Toilette in beklagenswertem Zustand vorfindet, weil kurz nach der Reinigung ein anderer Nutzer vor ihm grobe Verschmutzungen hinterließ. "Das ist natürlich nicht schön", sagt die Sprecherin, "gereinigt wird dann erst bei der nächsten Reinigungsrunde." Finanziell sei das Rathaus nicht in der Lage, die städtischen Toiletten halb- oder stündlich reinigen zu lassen.

Im Frühjahr werden alle städtischen Toilettenanlagen grundgereinigt. Das macht derzeit die Firma Hago. Die Dienstleistungsverträge für die Reinigung sind befristet, meistens laufen sie über fünf Jahre und werden regelmäßig neu ausgeschrieben.

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