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Brautwiesenbogen endet vorerst abrupt

Ein großer Radweg sollte Görlitz vom Bahnhof fast bis Rauschwalde queren. Daraus wird jetzt so schnell nichts.

Erst am Sonntag fand in Görlitz der autofreie Tag statt, hier ein Foto aus den Vorjahren.
Erst am Sonntag fand in Görlitz der autofreie Tag statt, hier ein Foto aus den Vorjahren. ©  SZ-Archiv/Pawel Sosnowski

Die Waldorfschule steht kurz vor ihrer Einweihung im früheren Güterbahnhof, die Stadt gestaltet das umliegende Areal zum Brautwiesenpark, die neue Oberschule wird unmittelbar am Schlachthofgelände gebaut, das neue medizinische Labor in der früheren 9. Oberschule von Görlitz ist schon fertig, und die neue Feuerwache für die Innenstadt und Königshufen entsteht an der Cottbuser Straße. All diese Einzelvorhaben waren in der Idee des Brautwiesenbogens mit enthalten, den die Stadt Mitte 2015 das erste Mal präsentierte und der mit neun Millionen Euro Förderung durch die EU das größte Infrastrukturprogramm der Stadt für die sozial gefährdete Gründerzeitstadt West darstellt.

Den Namen aber erhielt das Großprojekt, das allein von der EU mit sechs Millionen Euro gefördert wird, von dem bogenhaften Verlauf eines Radweges, der vom Brautwiesenpark über den Brautwiesentunnel bis zum früheren Kohlehandel an die Reichenbacher Straße führen sollte. Es war ein besonderes Prestigeobjekt, weil damit auch die Radfahrer eine attraktive, kurze und sichere Verbindung vom Bahnhofsareal bis an den Stadtteil Rauschwalde erhalten würden.

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Deutsche Bahn will das Gelände nicht verkaufen

Doch nun ist klar. So schnell kommt dieser Radweg nicht. Die Deutsche Bahn AG will die Flächen hinter der Brautwiesenstraße entgegen ersten Hoffnungen der Stadt gegenwärtig nicht verkaufen. Das bestätigte jetzt Bürgermeister Michael Wieler vor Journalisten. Das Bahn-Unternehmen halte die Flächen für erforderlich, um nötiges Baumaterial während der Elektrifizierung der Strecke Görlitz-Dresden lagern zu können. Mit der Elektrifizierung der Strecke wird aber frühestens 2030 gerechnet. Bleibt also mindestens so lange die Idee des Radweges eine Zukunftsvision? Wieler kann das nicht ausschließen, hofft aber auf Bewegung bei der Bahn zu einem früheren Termin. Die Stadt jedenfalls hält an ihren Plänen fest.

Der Radweg hinter der Brautwiesenstraße sollte zugleich ergänzt werden durch eine Radverbindung am nördlichen Ende des Brautwiesenbogens. Auch das wird etwas schwieriger als gedacht. Die Stadt will gern einen Radweg über die Conrad-Schiedt-Straße in das Schlachthofgelände führen. 

Die derzeitige Wunschtrasse lautet: Von der Conrad-Schiedt-Straße biegt der künftige Radweg kurz vorm Werk 1 nach links ins frühere Schuhfabrik-Gelände ab, um beim alten ungenutzten Trafo-Häuschen die Hilgerstraße zu überqueren. Bei der Hausnummer 8 auf der Hilgerstraße könnte der Weg in das Schlachthofgelände führen, dort auf den künftigen Radweg von der Zeppelinstraße zum Leipziger Platz treffen. Der Radweg würde dann am Grünbereich des Schlachthofgeländes entlang zur Cottbuser Straße führen, die Bundesstraße überqueren und dann auf der alten Trasse der Gleise des Werk 3 in Richtung Siebenbörner und Helenenbad geführt. 

Aber auch das wird nicht so schnell gehen, Grundstücksfragen sind noch offen und das größte Problem ist nicht gelöst: die Überquerung der Cottbuser Straße, eine Bundesstraße.

Ponte bleibt vorerst im Kanal

Eine andere Hoffnung ist derzeit ebenso noch nicht spruchreif. Uwe Berndt, der für die Stadtsanierung im Görlitzer Rathaus verantwortliche Mitarbeiter, hatte gehofft, die Ponte, die im Siebenbörner-Areal entspringt und gegenwärtig unterirdisch in  Kanälen fließt, wieder ans Tageslicht zu holen. Ähnliches hat mit großem Erfolg Leipzig mit der Pleiße und Elster getan oder die Lutherstadt Wittenberg mit ihrem Stadtkanal. Eine solche Freilegung könnte auch das Stadtklima günstig beeinflussen und gerade in heißen Sommern für Abkühlung sorgen. 

Aber: Die Öffnung sei fachlich nicht möglich, heißt es im Kleingedruckten einer Stadtratsvorlage. Wieler will das nicht ganz so endgültig stehen lassen, erklärt vielmehr, mit den vorhandenen Geldern sei es nicht möglich. Aber ab 2021 beginnt eine neue Förderperiode im EU-Programm. Vielleicht stehen dann mehr Mittel für dieses Projekt zur Verfügung.

Die größte Einzelförderung im Bauvorhaben "Brautwiesenbogen" erhält die Waldorfschule. 8,4 Millionen Euro erwartete der Trägerverein vor zwei Jahren an Kosten für den Ausbau des Güterbahnhofs zu einem Schulgebäude. Tatsächlich dürften es fast neun Millionen Euro werden. Die Differenz soll durch höhere Fördermittel geschlossen werden. Insgesamt könnten nach einer Aufstellung der Stadt sechs Millionen Euro Fördergelder in die Waldorfschule fließen - zwei Drittel der Gelder für den Brautwiesenbogen.

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