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Theaterstreit: Musiktheater in Görlitz hat wieder eine Chance

Bis Ende des Jahres sollen Vorschläge für das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz/Zittau vorliegen. Eine Schließung der Oper ist erst einmal vom Tisch.

Die Zukunft des Musiktheaters in Görlitz scheint vorerst gerettet.
Die Zukunft des Musiktheaters in Görlitz scheint vorerst gerettet. © Pawel Sosnowski

Es hängt irgendwie alles miteinander zusammen. Auf der einen Seite hat der Landkreis Görlitz im Etatentwurf von diesem Jahr ein Loch von 17 Millionen Euro, auf der anderen Seite muss er 15 Millionen Euro mehr an Sozialhilfe, Jugendhilfe oder Mieten für sozial Schwache ausgeben als ein durchschnittlicher sächsischer Landkreis. Der Ausblick für die nächsten Jahre sieht nicht besser aus. Die Lesart des Kreises ist klar: Unverschuldet fallen aufgrund der demografischen und sozialen Lage an der Neiße höhere Sozialausgaben als sonst im Freistaat an.

Noch hat die Landesregierung nicht erkennen lassen, ob sie durch zusätzliche Ausgleichszahlungen diesen Nachteil zumindest teilweise ausgleichen und so dem Kreis überhaupt zu einem gesetzmäßigen Haushalt verhelfen will. Angesichts dieser Lage sind alle höheren Ausgaben in den kommenden Jahren zunächst einmal Gift. So auch die jährlichen Tarifsteigerungen beim Gerhart-Hauptmann-Theater, die im Jahr 2026 etwa 1,6 Millionen Euro ausmachen werden. Und ob der Kulturpakt im Freistaat, mit dem sich das Land an einem Teil der zusätzlichen Ausgaben seit 2019 beteiligt, über 2022 fortgesetzt wird, ist ebenso offen.

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Woher kommt das Geld?

Diese schwierige finanzielle Lage vor Augen drängt der Görlitzer Landrat Bernd Lange schon seit geraumer Zeit auf Einsparungen beim Theater. Das Theater musste ein Gutachten bestellen, das der Kulturraum bezahlte und das auflisten sollte, wie das geschehen kann. Weil der erste Entwurf keine großen Einsparungen aufzeigte, musste das Münchner Beratungsunternehmen actori nacharbeiten und nun auch Strukturveränderungen mit nachhaltigen finanziellen Auswirkungen vorschlagen. Seit Dezember liegen sie vor.

Seit diese Vorschläge nun auch in der SZ standen, ist in der Theaterdebatte nichts mehr wie zuvor. Denn sie haben es in sich: Das Musiktheater-Ensemble in Görlitz abwickeln, die Neue Lausitzer Philharmonie mit dem Orchester des Sorbischen Nationalensembles mit Sitz in Görlitz vereinen und die Schauspielensembles von Bautzen und Zittau. Oper und Operetten-Produktionen würden nur noch eingekauft. All das steht in dem Gutachten - ohne dass es eine politische oder gesellschaftliche Mehrheit im Kreis Görlitz sowie in den Städten Görlitz und Zittau gäbe, die als Gesellschafter diesen Umstrukturierungen zwingend zustimmen müssten.

CDU folgte nicht ihrem Landrat

Selbst seine CDU folgte dem Görlitzer Landrat nicht. CDU-Kreisvorsitzender Florian Oest, der im Herbst das Direktmandat bei der Bundestagswahl an der Neiße von AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla zurückgewinnen will, forderte den Erhalt des Görlitzer Ensembles und statt weniger mehr Musiktheater-Angebote etwa im Sommer am Bärwalder See oder im Schlosspark Bad Muskau. Der Zittauer CDU-Landtagsabgeordneter Stephan Meyer, der im nächsten Jahr die Nachfolge Langes bei der Landratswahl antreten will, distanzierte sich ebenso: Das Gerhart-Hauptmann-Theater sei beim Strukturwandel eine tragende Säule und müsse erhalten und gefestigt werden. Die eingesetzte öffentliche Finanzierung aus Steuermitteln sollte als Umwegrendite für einen erfolgreichen Strukturwandel gesehen werden.

Das ist Balsam für die Theaterseelen an der Neiße, woher aber das Geld in der Zukunft kommen soll, sagt Meyer leider nicht. Und das wiederum ärgert Bernd Lange. Manches Argument von ihm, ist auch nicht von der Hand zu weisen: Seit 20 Jahren finanziert der Landkreis Görlitz allein das Kulturraum-Orchester Neue Lausitzer Philharmonie, ohne Bautzener Zuschüsse. Lange jedenfalls nimmt die Diskussion als undankbar wahr: Andere rühmen das Theater, er aber soll sich um das Geld kümmern.

Neuer Arbeitskreis soll Sparvorschläge entwerfen

So aber soll es nicht weitergehen. Wie er am Montag vor Journalisten in Görlitz erstmals ankündigte, soll nun der Kreistag in Görlitz einen Arbeitskreis mit Vertretern aller Beteiligten gründen, der bis Ende des Jahres Vorschläge ausarbeiten soll. Einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten zeigte Lange schon mal auf: Höhere Eintritte, mehr Austausch von Inszenierungen mit Bautzen, eine stärkere Zusammenarbeit der Häuser in Görlitz und Zittau sowie auch eine weitere finanzielle Beteiligung des Freistaates. Lange will das Gutachten weiter berücksichtigen. Andererseits rückte er selbst von dem umstrittenen Vorschlag ab, das Musiktheater in Görlitz aufzulösen. "Ich werde auch um Görlitz kämpfen", erklärte er.

Theater in Görlitz: Hohe Sanierungskosten drohen

Wobei es in Görlitz nicht nur um die laufenden Betriebskosten geht. In dem Theater stehen Sanierungen der Hinterbühne für rund 30 Millionen Euro an. Zwar ist der Zuschauersaal vor Jahren so schön wieder hergestellt worden, dass viele von einer "kleinen Semperoper" sprechen. Doch hinter dem Eisernen Vorhang herrscht zwar nicht das Mittelalter, aber der Zustand von vor 40, 50 Jahren an. Nun hoffen alle auf Gelder aus dem Kohleausstieg für das Theater. Sicher ist das nicht.

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