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Rothenburger Klinik versorgt auch Corona-Patienten

30 Betten stehen im Martin-Ulbrich-Haus jetzt zur Verfügung. Die meisten sind schon belegt.

Orthopädisches Zentrum Rothenburg, hier der Haupteingang zur Orthopädie.
Orthopädisches Zentrum Rothenburg, hier der Haupteingang zur Orthopädie. © Riedel

Seit Wochen trommelte Landrat Bernd Lange in Dresden dafür, dass angesichts der fast erschöpften Bettenkapazitäten in den Krankenhäusern des Landkreises Görlitz nun auch Reha- oder Orthopädiekliniken Corona-Patienten behandeln sollten. Denn es war ja ein Unding: Während Patienten aus Görlitz und Zittau oder Ebersbach bis nach Mecklenburg-Vorpommern oder Leipzig ausgeflogen wurden, setzte beispielsweise auch das Martin-Ulbrich-Haus in Rothenburg noch fleißig neue Hüft- oder Kniegelenke ein.

Das war kein böser Wille der Rothenburger. Aber die Finanzierung des Hauses ist an seinen Zweck gebunden - und das sind orthopädische Operationen. Deswegen drängte Landrat Bernd Lange danach, dass der Freistaat die Finanzierung verändert und auch solche Häuser in die Corona-Pandemie einbezieht. Das ist zwar noch nicht immer klar, aber Rothenburg steht nun als Corona-Klinik bereit.

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Nach Kapazitäten gesucht

Dass es so lange dauerte, lag nicht nur an der Finanzierung oder am Willen der Rothenburger. Im Gegenteil. So habe das Orthopädische Zentrum bereits frühzeitig seine Hilfe angeboten. Allerdings mussten erst die Voraussetzungen geschaffen werden. Das war gar nicht so einfach.

Versorgungsvertrag wurde erweitert

So wurde zwischenzeitlich der Versorgungsvertrag für das Wohnpflegeheim für Schwerstkörperbehinderte am Orthopädischen Zentrum mit den Pflegekassen erweitert, so dass pflegebedürftige Menschen in Räumen der Fachklinik für Orthopädie betreut werden, die Covid-19-positiv sind und nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend nicht in das häusliche Umfeld oder in ihr Altenpflegeheim zurückkehren können. Dafür stehen vorerst bis Ende Januar 30 Plätze zur Verfügung, einige sind noch frei.

Das wiederum schafft etwas Entlastung in den anderen Kliniken. So hatte der Ärztliche Direktor des Städtischen Klinikums, Dr. Eric Hempel, jüngst vor dem Stadtrat gesagt, dass ein Teil der Corona-Patienten auf Station auch zu Hause weiter gepflegt werden könnte. Weil aber niemand da sei, müssten sie weiter in den Kliniken bleiben. Dafür bildet Rothenburg nun einen Puffer.

Wie dringend das ist, zeigen auch die Zahlen vom Dienstag. So standen für Corona-Patienten zur sofortigen Aufnahme noch vier Intensiv- und 42 Normalbetten zur Verfügung. 27 Intensivbetten und 192 Normalbetten waren belegt.

So einfach, wie das Ganze klingt, ist es aber nicht. Hier legt die deutsche Bürokratie den Helfern aus dem Fachkrankenhaus etliche Steine in den Weg. Verwaltungsleiterin Cornelia Seibt erläutert Beispiele: In der Kurzzeitpflege müssen die Menschen von ihrem Hausarzt betreut werden, das ist so festgelegt. "Wie soll das gehen, wenn beispielsweise eine ältere Dame aus Zittau zu uns verlegt wird? Ihr Zittauer Hausarzt wird sich kaum auf den Weg nach Rothenburg machen können" sagt Frau Seibt. Die Lösung: Der Kreis organisierte eine ärztliche Betreuung dieser Menschen mit Hausärzten aus der Region.

Ein weiteres Problem: Laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) ist es den Ärzten des Fachkrankenhauses untersagt, Pflegepersonen zu betreuen und ihnen Medikamentenrezepte auszustellen. Ärzte des Medizinischen Versorgungszentrums in Rothenburg verschreiben nun die Medikamente. Dies gilt vorerst auch bis Ende Januar.

Krankenhäuser geraten in wirtschaftliche Schieflage

Das dritte Problem: Die leidigen Finanzen. Im Frühjahr gab es für frei gehaltene Krankenhausbetten eine Freihaltepauschale. Bis heute gibt es eine solche finanzielle Zusage seitens der Regierung nicht. Mit der Allgemeinverfügung vom 17. Dezember wurden nun aber alle Krankenhäuser verpflichtet, an der Bewältigung der Corona-Pandemie mitzuwirken. Keine planbaren Operationen mehr. Das heißt für Rothenburg: Die meisten orthopädischen OPs finden gegenwärtig nicht statt. Die Klinik hat damit aber auch keine Einnahmen. Personalkosten und andere Kosten fallen aber trotzdem an. Sollte es keine auskömmliche Gegenfinanzierung geben, werden viele Krankenhäuser in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, vermutet Verwaltungsleiterin Cornelia Seibt.

Vieles hätte schon früher geregelt werden können

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