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Kreis Görlitz: Görlitz und Zittau brauchen neue Schulen

Im Kreis Görlitz steigt die Schülerzahl viel weniger an als sachsenweit. Vor allem zwei Personengruppen sorgen aber für vollere Schulen.

Von Gabriela Lachnit
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Schüler der Neißegrundschule in Görlitz stehen mit Fahrrädern vor ihrer Schule.
Schüler der Neißegrundschule in Görlitz stehen mit Fahrrädern vor ihrer Schule. © Martin Schneider

Im Freistaat Sachsen werden die Klassenzimmer in den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen voller: Bis zum Schuljahr 2027/28 steigt die Schülerzahl um acht bis zehn beziehungsweise um elf bis 16 Prozent. Im Landkreis Görlitz ist es aber etwas anders.

Während in Dresden, Leipzig und Chemnitz sowie in den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sogar bis zum Schuljahr 2035/36 der Trend nach oben zeigt, sinkt er bis dahin in den anderen Kreisen. Die größten Verluste werden im Erzgebirgskreis erwartet.

Görlitz und Zittau brauchen neue Oberschulen

Insgesamt sind in den Schulen im Landkreis Görlitz für die derzeit lernenden Kinder und Jugendlichen ausreichend Kapazitäten an Räumen und Lehrern vorhanden. Auch zugezogene Schulkinder und Jahrgangswiederholer können aufgenommen werden. Anders als im Rest des Freistaates steigt die Schülerzahl im Kreis Görlitz nur leicht an, um etwa ein Prozent pro Jahr.

Allerdings gibt es teilweise große Unterschiede in den einzelnen Grundschulbezirken. Insbesondere die Oberschulstandorte Görlitz und Zittau stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Hier machen sich vor allem Zuzüge von Rückkehrerfamilien und Ausländern bemerkbar. Beiden Städten sind vom Kreis Neu- oder Anbauten an Schulen empfohlen worden. Görlitz plant eine neue Oberschule in der Rauschwalder Straße. Doch es geht schleppend voran. In Zittau soll die Parkschule erweitert werden.

Wie wichtig in beiden Städten die Erweiterung der Schulkapazitäten sind, unterstreicht die Tatsache, dass hier Fachkabinette umgenutzt werden müssen, um die steigende Anzahl von Klassen zu bewältigen. Insgesamt sind im Landkreis in den Schulen ausreichend Fachkabinette für den Unterricht vorhanden. An der Quantität, außer in Görlitz und Zittau, muss sich also nicht viel ändern, wie die Schülerzahlprognose für den Kreis zeigt.

Die Parkschule Zittau platzt aus allen Nähten. Hier ist ein Anbau geplant.
Die Parkschule Zittau platzt aus allen Nähten. Hier ist ein Anbau geplant. © Matthias Weber/photoweber.de

Schülerzahl im Kreis bleibt ziemlich konstant

Seit dem Schuljahr 2018/19 ist die Zahl der Schüler im Landkreis Görlitz ohne Berufsschulen ziemlich konstant, und zwar über alle Schularten. Waren es 2018/19 genau 23.245 Schüler, so waren es ein Schuljahr später nur 15 weniger. Einen kleinen Sprung gab es im Schuljahr 2020/21 mit 23.427 Schülern. Für das aktuelle Schuljahr erfasst die Statistik 23.456 Schüler. Laut Prognose steigt die Gesamtschülerzahl im Landkreis Görlitz bis 2029 minimal an: um ein Prozent und nicht etwa wie in anderen Landkreisen Sachsens um acht bis zehn Prozent. Danach sind die Schülerzahlen wieder rückläufig.

Anhand der Geburtenzahlen im Landkreis Görlitz ist vorauszusehen, wie viele Kinder sechs Jahre später in die Schule gehen. Doch tatsächlich sind es meistens mehr Erstklässler, als es die Geburtenzahl voraussagt. "Wir stellen regelmäßig eine Steigerung fest. Das liegt an Familien mit Kindern, die in den Landkreis zuziehen", erklärt Marlies Wiedmer-Hüchelheim, die scheidende Leiterin des Schul- und Sportamtes im Landratsamt Görlitz. Auch die Erhebung der Schülerzahl zum 30. Juni 2021 bestätigt diesen Trend.

Die Scultetus-Oberschule in Görlitz-Königshufen.
Die Scultetus-Oberschule in Görlitz-Königshufen. © André Schulze

Familien kehren zurück

Die Gründe für den Zuzug liegen häufig in der Rückkehr von Familien, die seinerzeit wegen der Arbeit weggezogen sind. Die gegenwärtigen Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Görlitz lassen immer mehr Familien in die Heimat zurückkehren. Aber auch der Zuzug von ausländischen Mitbürgern wirkt sich hier aus.

Seit dem Einschulungsjahr 2015 zeigen die Ersterfassungszahlen von Kindern im Alter von sechs Jahren eine signifikante Steigerung zur tatsächlichen Zahl der eingeschulten Kinder. Während es 2015 durch Zuzüge 86 Kinder mehr waren, als zunächst für den Schulanfang erfasst, waren es 2018 schon 183 mehr und 2020 sogar 234 mehr. 2021 wurden 247 Mädchen und Jungen mehr eingeschult, als ursprünglich zur Einschulung aufgeschrieben.

Das heißt, dass die Zahl der Erstklässler im Landkreis Görlitz seit 2010 bei stabil mehr als 2.000 liegt, in den letzten beiden Jahren sogar bei 2.200. Bis zum Jahr 2027 prognostiziert der Kreis anhand der aktuellen Geburtenzahlen die weitere Einschulung von mindestens 2.000 Kindern pro Schuljahr. Diese Annahme wiederum ist die Grundlage für die Prognose der Klassen an den weiterführenden Schulen bis 2031.

Hier in der Rauschwalder Straße soll eine neue Oberschule für Görlitz entstehen.
Hier in der Rauschwalder Straße soll eine neue Oberschule für Görlitz entstehen. © nikolaischmidt.de

Auslastung hängt vom Standort der Schule ab

Die durchschnittliche Klassenstärke wird im Landkreis Görlitz nicht als Indikator in der Planung verwendet, da sie übergreifend über Schularten, Schulbezirke und Schulträger nicht aussagekräftig genug ist. Dennoch ist es interessant, wie viele Schüler durchschnittlich in den Klassen lernen. In den Grundschulen sind es 20 Kinder, in den Oberschulen und in den Gymnasien jeweils 23. Damit liegt die Klassenstärke im Bereich der Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien unter dem Planungsrichtwert von 25 und noch deutlicher unter der Klassenobergrenze von 28.

Doch wie überall ist es so eine Sache mit dem Durchschnitt: In dicht besiedelten Städten ist die Nachfrage in einzelnen Schulen naturgemäß höher, als in den weniger dicht besiedelten ländlichen Räumen. Dadurch ergeben sich verschieden starke Auslastungen.

Eine Steigerung der Schülerzahlen in Größenordnungen erwartet der Landkreis Görlitz nicht. "Das vorhandene Schulnetz bietet mit Ausnahme der Oberschulstandorte Görlitz und Zittau noch Kapazitäten", erklärt Marlies Wiedmer-Hüchelheim. Selbst auf steigende Schülerzahlen könnte ohne Not in allen Schularten reagiert werden, falls sich innerhalb des Kohlestrukturwandels neue Industrie- und Handwerksbetriebe im Kreisnorden ansiedeln würden.