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Gasthof Waldfrieden öffnet wieder

Teresa Konczewska und ihr Sohn Tomasz wollen den Neuanfang in See-Zeche bei Niesky wagen. Nach Corona wollen sie öffnen. Ein neuer Name soll auch her.

Teresa Konczewska hat die ehemalige Gaststätte Waldfrieden auf der Zeche gekauft und will hier wieder eine Gaststätte und Ferienwohnungen aufbauen.
Unter anderem wird ein neuer Tresen errichtet.
Teresa Konczewska hat die ehemalige Gaststätte Waldfrieden auf der Zeche gekauft und will hier wieder eine Gaststätte und Ferienwohnungen aufbauen. Unter anderem wird ein neuer Tresen errichtet. © André Schulze

Scheinbar unberührt und idyllisch im winterlichen Weiß präsentiert sich der Gasthof Waldfrieden in diesen Tagen den Blicken der Vorüberkommenden. Doch dieser erste Eindruck täuscht. Ein Kleintransporter vor dem Gebäude und das geschäftige Treiben beim Entladen von Baumaterial zeugen davon, das diese Einkehrstätte zwischen Niesky und See wieder zum Leben erweckt wird. Teresa Konczewska und ihr Sohn Tomasz haben die Ärmel hochgekrempelt und sich voller Elan und Tatendrang in diese Aufgabe hineingekniet.

Denn sobald die Beschränkungen durch die Corona-Pandemie Geschichte sind, sollen sich die Türen zur Gaststätte sowie zu den Ferienwohnungen wieder für die Gäste öffnen. "Wir freuen uns schon jetzt auf diesen Moment und tun alles dafür, das sich jeder bei uns wohlfühlt", sagt Teresa Konczewska. Den Namen für die gastliche Stätte will sie weiterführen und durch den Zusatz Teresa ergänzen. Ihre Familie und viele Bekannte haben ihr dazu geraten. Gasthof Waldfrieden Teresa klinge gut und verweise auch darauf, wer den Mut aufbringt, sich der Aufgabe zu stellen, eine Gaststätte nach Corona wieder zu beleben. Mit diesem Schritt betritt die gelernte Altenpflegerin ein für sie neues Terrain, auf dem sie nur über sehr wenig Erfahrungen verfügt. Dennoch ist Teresa Konczewska zuversichtlich, dass sie alle Unwägbarkeiten und Klippen, mit denen die Gastronomie gespickt ist, erfolgreich meistert.

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An ihrer Seite weiß sie ihre Tochter Karolina Tkaczyk und ihren Sohn Tomasz. Beide sind für sie wertvolle Stützen. Karolina verfügt als ausgebildete Köchin über das nötige Rüstzeug, um den Gästen leckere Gerichte auf den Tisch zu stellen. Ihr Sohn erweist sich während des Umbaus als ein versierter Handwerker. Das ist auch notwendig, denn die Küche gilt es nicht nur aufzupolieren, sondern größtenteils neu einzurichten. Auch die marode Heizung bereitet derzeit noch so manches Kopfzerbrechen.

Zwischen See-Moholz und dem Nieskyer Norden liegt die kleine Ortschaft Zeche. Das Gasthaus Waldfrieden ist ein beliebtes Ausflugsziel gewesen. Seit Ende 2019 ist es zu.
Zwischen See-Moholz und dem Nieskyer Norden liegt die kleine Ortschaft Zeche. Das Gasthaus Waldfrieden ist ein beliebtes Ausflugsziel gewesen. Seit Ende 2019 ist es zu. © André Schulze

Bigosz und Piroggi dürfen nicht fehlen

Am Herd und an den Kochtöpfen übernimmt in der Zukunft Tochter Karolina das Heft des Handelns. Die Palette der angebotenen Speisen soll durch Vielfalt geprägt sein. Neben den klassischen Gerichten der deutschen Küche dürfen solche Spezialitäten, die den Gästen nicht nur in Polen schmecken, wie der Bigosz und die Piroggi, nicht fehlen. Das Platzangebot in den drei Sälen will Teresa von 250 auf 200 zurücknehmen. Ihr schwebt zum Beispiel die Einrichtung eines Bereiches für Jäger, aber auch für Vereine vor. Doch nicht nur sie sollen sich bei ihr wohlfühlen.

Als Großmutter mit fünf Enkelkindern weiß sie genau, das die Jüngeren spielen und sich die Zeit vertreiben wollen, während die Erwachsenen in angenehmer Atmosphäre auf das Essen warten. Das große Grundstück, das sich an den Gasthof anschließt, bietet dafür die Möglichkeit. Auf dem Spielplatz und vielleicht später sogar mit einem kleinen Streichelzoo, vergeht dann auch für sie die Zeit wie im Flug. Ein Bungalow mit zwei Zimmern sowie eine Ferienwohnung mit drei Gemächern im Obergeschoss des Hauses sind wie geschaffen für Übernachtungen und einen Urlaub mitten im Grünen fernab von jedem hektischen Treiben.

In drei weiteren Zimmern schafft sich Teresa Konczewska für sich selbst einen neuen Lebensmittelpunkt. Den verlagert sie von Alzey in Rheinland Pfalz hierher an den östlichen Rand Deutschlands. Der Wunsch, ihren beiden Kindern zukünftig näher zu sein, bildet einen der treibenden Gründe für ihren Entschluss. Ihr Sohn Tomasz lebt in Sosnowiec und ihre Tochter fand mit ihrer Familie in Zgorzelec ein neues Zuhause. Statt wie früher 970 Kilometer von Alzey nach Sosnowiec zurücklegen zu müssen, sind es "nur" noch 351 Kilometer, die Teresa von ihrem Sohn mit dessen Familie trennen. Der zweite wichtige Beweggrund etwas für sie ganz Neues zu beginnen, rief der Wunsch hervor, sich beruflich zu verändern und sich der Herausforderung zu stellen. Als sie 1962 das Licht der Welt in Lublin in Ostpolen erblickte, wurde ihr nicht an der Wiege gesungen, dass sie dereinst einmal eine Gaststätte übernehmen und führen sollte. Ihre Kindheit und Jugend verbringt Teresa in der Heimat, rund 100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Vor 20 Jahren kam sie nach Deutschland

Die ersten Schritte in das Berufsleben unternimmt sie durch eine Ausbildung in einer Schule für Berufe in der Landwirtschaft. Vor 20 Jahren übersiedelt die Familie nach Deutschland. An ihre erste Anstellung als Haushalthilfe erinnert sie sich manchmal mit einem kleinen Schmunzeln. "Das Wörterbuch lag immer griffbereit in der Nähe und wenn ich zum Beispiel Möhren aus dem Keller holen sollte, habe ich nachgeschlagen und die Karottki dann nach oben gebracht", schildert sie die ersten Schritte auf dem Weg zur neuen Sprache. Inzwischen spricht sie perfekt Deutsch. Die Kommunikation mit anderen Menschen, unerlässlich in ihrem inzwischen erlernten Beruf als Altenpflegerin, erweist sich dabei als Notwendigkeit und ständiger Antrieb. Nach einem sechsjährigen Aufenthalt in Basel und Zürich in der Schweiz, kehrt sie nach Deutschland zurück und findet in Alzey ein neues Zuhause.

Die folgenden Jahre prägt ihr berufliches Engagement als Altenpflegerin im Altenheim der Mission Leben, einem Träger der katholischen Kirche. Sie sagt: "Es ist eine schöne, aber doch zugleich auch schwierige Aufgabe, in diesem Beruf tätig zu sein." Nach einigen Recherchen im Internet ist sie schließlich auf den Waldfrieden in See-Zeche gestoßen. Übrigens spürte Leni, ihr kleiner Hund zuerst, dass hier der richtige Platz zum Leben ist, als sie durch die kleine Siedlung gefahren sind, erzählt Teresa Konczewska. Mit lautem Bellen zeigt er an, dass sie angekommen sind. Dafür, dass dies auch so in der Zukunft bleibt, werfen sie und ihre Kinder alle Kräfte in die Waagschale.

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