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Fußgänger in Sohland leben gefährlich

An der fast acht Kilometer langen Dorfstraße fehlen Gehwege, die Straße ist schlecht. Darauf macht eine Privatinitiative erneut aufmerksam.

Christian Richter auf der Dorfstraße in Sohland am Rotstein. Ihn und andere Einwohner ärgert der Zustand der Dorfstraße, die fast acht Kilometer durch den Ort führt.
Christian Richter auf der Dorfstraße in Sohland am Rotstein. Ihn und andere Einwohner ärgert der Zustand der Dorfstraße, die fast acht Kilometer durch den Ort führt. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Kaum ein anderes Dorf im Landkreis Görlitz schlängelt sich dermaßen langgestreckt entlang einer Straße wie Sohland am Rotstein. Fast acht Kilometer lang führt die Kreisstraße 8409 durch den Ort. So lang die Straße ist, so unzufrieden sind viele Einwohner mit dem Zustand der Straße und der Sicherheit darauf und neben ihr.

Straße ist für Kinder brandgefährlich

Christian Richter brachte den Stein jetzt ins Rollen. Übers Internet und mithilfe von Plakaten an der Kreisstraße macht der 45-Jährige darauf aufmerksam, dass sich etwas ändern muss. Der Sohländer fordert eine sanierte Kreisstraße, Tempolimits, einen sicheren Fußweg und einen Radweg. "Natürlich ist mir klar, dass die Straße nicht mit einem Mal saniert werden kann", sagt er. Aber es könne eben auch nicht mehr 30 Jahre dauern, bis es eine Lösung gibt.

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Es gibt etliche Engstellen an der Straße. Beispielsweise unterhalb der Kirche, wo sich die Straße zwischen einem Wohnhaus auf der einen und einem Nebengebäude auf der anderen Seite hindurchzwängt.

Von der B 6 bis zur Tankstelle in Sohland a. R. ist die Straße saniert. Hier verweist ein Plakat darauf, dass Anwohner einen ähnlichen Zustand der Straße durchs ganze Dorf wünschen.
Von der B 6 bis zur Tankstelle in Sohland a. R. ist die Straße saniert. Hier verweist ein Plakat darauf, dass Anwohner einen ähnlichen Zustand der Straße durchs ganze Dorf wünschen. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Ein echtes Nadelöhr auf der Dorfstraße in Sohland unterhalb der Kirche.
Ein echtes Nadelöhr auf der Dorfstraße in Sohland unterhalb der Kirche. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Einen Gehweg findet man entlang der Dorfstraße nicht. Hier, an dieser unübersichtlichen Stelle, ist es für Fußgänger besonders gefährlich.
Einen Gehweg findet man entlang der Dorfstraße nicht. Hier, an dieser unübersichtlichen Stelle, ist es für Fußgänger besonders gefährlich. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Als noch zu DDR-Zeiten Brücken repariert wurden, erhielten die auch ein Stückchen Gehweg. Der endet aber mit dem Brückengeländer. Zum Gehwegbau ist es nie gekommen. Das ist bei allen Brücken im Dorf so.
Als noch zu DDR-Zeiten Brücken repariert wurden, erhielten die auch ein Stückchen Gehweg. Der endet aber mit dem Brückengeländer. Zum Gehwegbau ist es nie gekommen. Das ist bei allen Brücken im Dorf so. © Paul Glaser/glaserfotografie.de
Die schönste Bushaltestelle in Sohland a.R. am Abzweig nach Reichenbach. An anderen Haltestellen im Dorf müssen die Fahrgäste aufpassen, dass sie beim Aussteigen nicht in eine Pfütze hopsen, wenn der Busfahrer nicht ein Stückchen weiter anhält.
Die schönste Bushaltestelle in Sohland a.R. am Abzweig nach Reichenbach. An anderen Haltestellen im Dorf müssen die Fahrgäste aufpassen, dass sie beim Aussteigen nicht in eine Pfütze hopsen, wenn der Busfahrer nicht ein Stückchen weiter anhält. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Solche Engstellen wünscht sich Christian Richter besser ausgeschildert. "Hier müsste es ein Tempolimit 30 km/h geben", sagt er. Es ist der fehlende Gehweg, der die Gemüter bei Einwohnern mit Kindern erhitzt. Das bestätigt ein Kommentar, den Richter zu seiner Initiative bekam. Jacqueline M.: "Ich wohne im Mitteldorf und habe drei Kinder. Alle mussten ohne Gehwege in die Schule kommen. Oft mit nassen Sachen, die durch Regenwasser gefüllte Schlaglöcher verursacht wurden. In der dunklen Jahreszeit ist es für Kinder gefährlich, zur Bushaltestelle zu gelangen. Ein Radweg fehlt. Es gibt erhebliche Bodenwellen die Dorfstraße entlang." Richard B. schätzt ein: Die Dorfstraße ist brandgefährlich für Kinder, die in der Dämmerung zur Schule laufen.

Eine Schule gibt es in Sohland nicht mehr, Schüler fahren mit dem Bus nach Reichenbach. Bis zur Bushaltestelle laufen sie - an der Haltestelle Mittelsohland ist bei Regenwetter bei Ein- und Ausstieg zunächst sogar eine große Pfütze zu überwinden.

Keine Flächen für den Gehwegebau

Für die Kreisstraße steht der Landkreis Görlitz in der Verantwortung. Aber um die große Pfütze an der Haltestelle will sich die Bürgermeisterin trotzdem kümmern.

Aktuell reichte der Landkreis den Neubau von zwei Brücken und einen Bauabschnitt zur Fahrbahnerneuerung zur Förderung beim Freistaat Sachsen ein. Mit Verweis auf die geänderten Fördermodalitäten im kommunalen Straßen- und Brückenbau wurden aber alle drei Zuwendungsanträge zurückgewiesen, informiert Kreissprecherin Franziska Glaubitz in Abstimmung mit dem Hoch- und Tiefbauamt des Kreises. Ausschließlich mit Eigenmitteln könne der Kreis die Vorhaben aber nicht finanzieren. Der Kreis müsse Prioritäten setzen, es gebe "leider eine Vielzahl weiterer Problemstraßen im Kreis", erklärt die Sprecherin.

Auch die Bürgermeisterin wünscht sich einen Gehweg in Sohland. Aber dem Kreis gehören viele Flächen dafür nicht. Grundstückseigentümer wollen keine Flächen abgeben, weil sie befürchten, den Winterdienst dort machen zu müssen und für Schäden haftbar zu sein, erklärt Frau Dittrich. Manche könnten aus Altersgründen nicht selbst Schnee schieben. Den Winterdienst für Gehsteige an eine Firma zu vergeben, kann sich Reichenbach aber nicht leisten. Zudem sehe das die Satzung der Stadt nicht vor.

Man muss ja nicht so schnell fahren

Auch mit einem Tempolimit in Sohland kann sich Frau Dittrich nicht anfreunden. Sie folgt damit der Argumentation des Landkreises, der darauf verwies, dass Fahrzeugführer nach der Straßenverkehrsordnung verantwortungsvoll am Straßenverkehr teilnehmen und die Fahrgeschwindigkeit den örtlichen Gegebenheiten anpassen müssen. "Dann kann man eben keine zugelassenen 50 km/h fahren", sagt die Bürgermeisterin.

Die Zuständigkeit für Geschwindigkeitsregulierungen liege zudem bei der Straßenverkehrsbehörde, erklärt Franziska Glaubitz. "Ein offizieller Antrag der Kommune für eine Geschwindigkeitsbeschränkung in Sohland liegt aktuell nicht vor", sagt sie. Neue, weitere Verkehrsschilder in Sohland lehnt die Bürgermeisterin ab. Vor Jahren habe sich Reichenbach einer Kampagne angeschlossen und den Schilderwald reduziert. Im Übrigen koste so ein Verkehrsschild um die 250 Euro.

Der Anbau eines einseitigen Gehweges ist bei den Abschnitten, die einen grundhaften Ausbau erfahren sollen, generell mit vorgesehen, erklärt die Kreissprecherin weiter. Genau dies sei ein Grund, warum die Planungen ins Stocken gerieten. Anlieger hatten sich mehrheitlich gegen den Neubau eines Gehweges entschieden - vornehmlich aus genannten Gründen. Auch jetzt werde dieser Sachverhalt ständig diskutiert. "Der Bau eines innerörtlichen Radweges dagegen wird an Kreisstraßen generell nicht angestrebt", erklärt die Sprecherin.

Diese Aussagen machen wenig Hoffnung, dass sich an der Straßen- und Gehwegesituation in Sohland bald etwas verbessert, auch wenn die Bürgermeisterin sagt, die Vorhaben stünden weiter auf der Landkreisliste. Wann Fördermittel dafür bereitstehen, das können weder sie noch der Landkreis sagen.

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