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Junge Handball-Görls mischen Deutschland auf

Die Sachsenauswahl gewinnt den Deutschlandcup des Jahrgangs 2007 – mit fünf Mädchen des Görlitzer HC, die aus Görlitz, Neugersdorf und Hoyerswerda kommen.

Von Frank Thümmler
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„Deutsche Meisterinnen“ – wenn auch nur inoffiziell: Nele Adam, Jette Eckart, Leonie Paul, Leonie Baran, Mathilde Thun und Hedi Sikora ballen nach der Siegerehrung ihre Fäuste.
„Deutsche Meisterinnen“ – wenn auch nur inoffiziell: Nele Adam, Jette Eckart, Leonie Paul, Leonie Baran, Mathilde Thun und Hedi Sikora ballen nach der Siegerehrung ihre Fäuste. © privat

Görlitz. Welch ein Riesenerfolg für den weiblichen Handball-Nachwuchs aus Sachsen. Das Team des Jahrgangs 2007 gewann am vergangenen Wochenende erstmals seit über 20 Jahren den Deutschlandcup – ein Turnier der Landesauswahl-Mannschaften Deutschlands. Das Besondere aus Görlitzer Sicht: Gleich fünf Görls des Görlitzer HC standen bei diesem Finalturnier in der siegreichen Sachsenauswahl, ein sechstes Mädchen auf Reserve im erweiterten Kader. Neben ihnen waren bis auf eine Ausnahme ausschließlich Mädchen der Leipziger Sportschule in der erfolgreichen Sachsenauswahl.

„Das ist ein Riesenerfolg für unseren Nachwuchs. Er zeigt, wie nah dran wir dabei sind, den Mädchen hier in Görlitz eine Handballausbildung zu bieten, die der einer Sportschule zumindest nahe kommt“, sagt HC-Vizepräsidentin Jeanette Adam, deren Tochter Nele zur Sachsenauswahl gehört und die bei diesem Turnier in der Nähe von Stuttgart als Bestandteil der „Grünen Wand“ dabei war. Viele Eltern bildeten in grünen sächsischen Farben die lautstärkste Fangruppe der gesamten Veranstaltung.

Drei Siege bereits in der Vorrunde

Den Sprung in die Landesauswahl geschafft hatten vom Görlitzer HC neben Nele Adam auch Hedi Sikora (vorher TBSV Neugersdorf), Mathilde Thun, Jette Eckhardt und Torhüterin Leonie Paul (vorher SC Hoyerswerda). Leonie Baran stand im erweiterten Kader und war als Ersatz im Falle eines Ausfalls mit zum Finalturnier gefahren.

Sachsens Landesauswahl, betreut von Landestrainer Jacob Dietrich und Auswahltrainer Hubert Probst, sorgte dann mit ihrer Spielweise und ihrem Auftreten für Furore. In der wohl am stärksten besetzten Vorrundengruppe sicherten sich die Sachsen-Mädels mit drei Siegen gegen die Landesverbände Saar (29:10), Niedersachsen (17:11)und Schleswig-Holstein (26:19) den Gruppensieg. Die knappe Niederlage im letzten Spiel gegen Mecklenburg-Vorpommern (18:19) konnte das nicht mehr verhindern.

Im Viertelfinale gegen die körperlich ebenfalls starken Spielerinnen aus Hessen (26:19) und im Halbfinale gegen den Bayrischen Handballverband (25:16) waren die Siege nie in Gefahr – vor allem auch wegen einer überragenden Deckung mit zwei starken Torhüterinnen. Im Finale wartete dann die Mannschaft vom Niederrhein. „Von Spiel zu Spiel wurde den Mädchen immer mehr bewusst, dass sie diesen Deutschlandcup gewinnen könnten. Die Hauptaufgabe für die Trainer bestand nach den zwei so klaren Siegen im Viertel- und Halbfinale darin, nicht zu viel Euphorie aufkommen zu lassen und das Finale mit voller Konzentration anzugehen“.

Beeindruckende Leistung im Finale

Was folgte, war eine beeindruckende Leistung der Sachsen-Mädels. Im Finale gelang ein klarer 21:14-Sieg. Die Mädchen krönten damit ihren überzeugenden Auftritt bei diesen inoffiziellen Deutschen Meisterschaft der Landesverbände.

Mit 10:9 ging es in die Kabine. Mit dem Wiederanpfiff zur zweiten Hälfte drückten die sächsischen Mädels dem Spiel dann ihren Stempel auf und zogen über die Stationen 15:10 in der 36. und 19:11 in der 45. Spielminute unaufhaltsam davon. Damit war fünf Minuten vor Spielende die Entscheidung gefallen. Hedi Sikora mit einem verwandelten Siebenmeter 15 Sekunden vor Abpfiff sorgte für den Endstand.

Der Schlusspfiff ging fast im verdienten Jubel auf der Bank und den Freudengesängen der „Grünen Wand“ unter. Für die Mädchen dieser Auswahl war es auch ein Abschluss: Die Zeiten der Landesauswahl sind passé.

Jetzt warten die Schularbeiten

Viel Zeit zum Feiern blieb insbesondere für die Görls nicht: Zu Hause angekommen wartet ein Berg Arbeit auf sie – Schularbeit. „Die meisten von uns gehen auf ein Gymnasium. Wir haben für die vielen Lehrgänge mit der Auswahl ziemlich viel in der Schule gefehlt und müssen das nun Aufholen, zum Beispiel Arbeiten und Tests nachschreiben“, sagt Mathilde Thun, die wie ihre Mitspielerinnen schon viele Jahre dem Handball hinterherjagt und viermal pro Woche (plus eventuell eine Fitnesseinheit) trainiert.

Gut organisiert zu sein, ist für die jungen Handballerinnen unabdingbar – die schulischen Leistungen sollen schließlich nicht leiden. „Die allermeisten Lehrer haben die Mädchen, die durch ihre vielen Auswahllehrgänge ja besonders gefordert waren, sehr unterstützt“, sagt Jeanette Adam. Man dürfe nicht vergessen, dass an den Sportschulen das Abitur um ein Jahr gestreckt werde, eben um solche sportlichen Zusatzmaßnahmen zu ermöglichen. Die Görlitzerinnen „erledigen“ das parallel.

Nah dran am Görlitzer Aushängeschild

Auch darauf achten die Trainer beim Görlitzer HC, genauso wie früher bei Koweg Görlitz. „Dass wir so weit gekommen sind und jetzt diesen Erfolg feiern konnten, haben wir insbesondere unserer langjährigen Trainerin Frau Täschner zu verdanken“, sagt Mathilde Thun. Jetzt ist Dirk Puschmann ihr Trainer bei den B-Juniorinnen, wo die Görls neben der Sachsenliga auch in der Oberliga spielen, dort Tabellenzweiter sind und am Sonntag schon wieder nach Marienberg fahren.

Dass Puschmann auch Trainer der Oberliga-Frauen ist, führt den Mädchen vor Augen, wie nah sie dran sind am Aushängeschild des Görlitzer HC. „Wir trainieren schon einmal pro Woche bei den Frauen mit und wollen natürlich auch einmal den Sprung in diese Mannschaft schaffen“, sagt Mathilde Thun. Da kommt etwas auf die großen Görls zu.