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Lausitzer Hirsche kommen ins Fernsehen

Der Tierfilmer Axel Gebauer war ihnen auf der Spur. In einem Film berichtet er am Mittwoch über die Geheimnisse der Tiere.

Der Tierfilmer Dr. Axel Gebauer unterwegs während der Dreharbeiten in der Lausitz.
Der Tierfilmer Dr. Axel Gebauer unterwegs während der Dreharbeiten in der Lausitz. © Matthias Werner

Dem heimischen Rothirsch wird nachgesagt, er sei der König des Waldes. Doch der Oberlausitzer Tierfilmer Axel Gebauer hegt Zweifel daran. Er fand heraus, warum seine Zweifel berechtigt sind.

Darüber informiert der Tierfilmer in seinem neuesten Streifen und erzählt über "Das geheime Leben der Rothirsche". Der etwa 45-minütige Tierfilm ist am 21. Oktober, 18.30 Uhr, im Fernsehen bei arte zu sehen. Am 25. Januar läuft der Film zur besten Sendezeit 20.15 Uhr im ersten Programm der ARD.

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Ehemaliger Tierparkchef filmt König des Waldes

Axel Gebauer, den viele Menschen in der Oberlausitz noch aus seiner Zeit als Direktor des Görlitzer Tierparks kennen, war drei Jahre lang mit der Kamera in der Lausitz unterwegs und filmte vorwiegend Rothirsche. Zwar gibt es bereits mehrere Tierfilme über den Hirsch, aber in denen wird meistens über die Brunftzeit der Tiere berichtet. "Wir wollten wissen und zeigen, wie der Hirsch ansonsten übers Jahr lebt", erklärt Gebauer. Dabei gab es für ihn, der von Hause aus Biologe ist, auch neue Erfahrungen. 

Beispielsweise über Lieblingsplätze der Hirsche. "Sie sind nicht die Könige des Waldes, weil sie sich viel häufiger außerhalb des Waldes aufhalten", erklärt Gebauer. Der Hirsch mag das Offenland - kein Wunder also, dass er sich beispielsweise auf dem Truppenübungsplatz Nochten wohlfühlt. 

Hirschkühe und ihren Nachwuchs traf Axel Gebauer dort auf sandigen Plätzen an, zu denen sie sich offenbar hingezogen fühlen. Dem Tierfilmer drängte sich der Vergleich zu Müttern mit ihren Kindern auf, die sich auf Spielplätzen treffen. "Man darf das nicht vermenschlichen, aber so ähnlich lief das bei den Hirschen ab: Die Kälber hüpften und spielten miteinander, die Hirschkühe beschäftigten sich untereinander."

Und so ist ein Tierfilm entstanden, in dem Lausitzer Hirsche das und noch viel mehr aus ihrem geheimen Leben preisgeben. Axel Gebauer entdeckte es. Aber auch viele andere Lausitzer Tiere werden im Film gezeigt, darunter Wolf, Seeadler, Kranich und Otter.

Scheue Tiere vor dem Objektiv

Viele Szenen nahm Axel Gebauer mit Remote-Kameras auf. Das sind spezielle Geräte, die mit Sensoren versehen sind, auf Bewegung reagieren und dann aufnehmen. 

"Die Tiere bewegen sich ungezwungen und sind entspannt, wenn sie sich in Sicherheit wiegen", erklärt Gebauer. Den Menschen in der Nähe nehmen sie oft wahr. Nahe des "Hirschspielplatzes" habe er insgesamt 21 Mal versucht, selbst zu filmen. Aber die Tiere spürten seine Anwesenheit. "Nicht ein einziges Mal konnte ich mit meiner normalen Kamera dort filmen", erklärt er, obwohl er sich von Jägern viel abgeschaut hatte, um möglichst nahe an die Tiere heranzukommen.

Szenenfoto aus dem Film "Das geheime Leben der Rothirsche".
Szenenfoto aus dem Film "Das geheime Leben der Rothirsche". © Foto: Axel Gebauer

Viel Hilfe von Jägern

Ohne die Hilfe von Jägern aus der Lausitz wäre der Tierfilm über die Hirsche kaum möglich gewesen, sagt Axel Gebauer. Und er lobt die sehr gute Unterstützung, die er und sein Team unter anderem von der Kommandantur des Truppenübungsplatzes und vom Bundesforstbetrieb Lausitz erhielten. 

Zu seinem Team gehören zwei Görlitzer Freunde von Gebauer - Jan Noack und Matthias Werner sowie Lennart Piltz aus Spremberg. Sie unterstützten Gebauer beim Filmen draußen in der Natur. Geschnitten, besprochen und fertiggestellt wurde der Tierfilm bei Doc Lights, einer großen Produktionsgesellschaft für Naturfilme, die beim Norddeutschen Rundfunk angesiedelt ist. Gebauers Freund Henry M. Mix, der ihn seinerzeit zum Tierfilmen brachte, schrieb den Text zum Film.

Nicht jeder Naturfotograf ist auch ein Naturfreund

Mittlerweile sind die Dreharbeiten für einen weiteren Tierfilm gestartet. Hier sind insgesamt drei Jahre Drehzeit geplant. Erneut werden die Lausitz und die heimische Tierwelt im Mittelpunkt stehen. Axel Gebauer drehte zwar schon in vielen Teilen der Erde Tierfilme, darunter über den Roten Panda in Asien. Mittlerweile ist er aber meistens in heimischen Gefilden unterwegs. "In der Corona-Zeit ist das sogar günstig", sagt er. Seine Kollegen im Ausland hätten häufig Probleme, angesichts der Pandemie Einreisegenehmigungen und Dreherlaubnisse zu bekommen. 

Axel Gebauer legt Wert darauf zu betonen, dass er und sein Team grundsätzlich mit den entsprechenden Genehmigungen von Behörden drehen. Denn er machte schon ganz andere Erfahrungen und erzählt von sogenannten Naturfilmern, denen es weniger auf die abgelichteten Tiere als vielmehr auf Selbstdarstellung ankomme. 

Da gebe es Leute, die weite Wege auf sich nehmen und trotz Verbots mit dem Auto in den Wald fahren. Sogar in Kernzonen von Schutzgebieten dringen sie vor und lichten rücksichtslos Tiere ab. In sozialen Medien werden die Bilder verbreitet mit dem Hinweis, wie leicht man hier "zahme" Tiere fotografieren könne. Menschen, die die Tiere nur wegen ein paar spektakulären Bildern stören, seien keine wirklichen Naturfreunde, bedauert Gebauer. Wirkliche Geheimnisse aus der Tierwelt zu entdecken, bleibe so aber den tatsächlichen Tierfreunden vorbehalten.

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