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Kleiner Laden beißt sich durch

Seit vier Jahren gibt es den Unverpackt-Laden in der Görlitzer Jakobstraße. Das Konzept bewährt sich, doch Corona macht etwas zu schaffen.

Susanne May führt seit vier Jahren den Unverpackt-Laden "Emmas Tante" in der Görlitzer Jakobstraße.
Susanne May führt seit vier Jahren den Unverpackt-Laden "Emmas Tante" in der Görlitzer Jakobstraße. © Nikolai Schmidt

Manche Görlitzer suchen gerade jetzt bewusst Susanne Mays Unverpackt-Laden in der unteren Jakobstraße auf. "So ein wichtiges Geschäft muss man doch unterstützen, damit es in der Krise nicht untergeht", sagt eine ältere Dame. Sie kauft gern in dem kleinen Laden ein, weil dabei keine Plasteverpackungen anfallen. Aber auch, weil der Anteil veganer Produkte zunimmt. Dass es dafür eine wachsende Klientel in Görlitz gibt, berichtete jüngst auch Nancy Scholz vom vegan-vegetarischen Café Herzstück in der SZ-Serie "Junge Macher"

Hygienisch einwandfrei

Susanne May erlebt es in letzter Zeit aber auch, dass Leute nur ins Schaufenster sehen, aber dann vorbeigehen und sagen: "Gerade jetzt möchte ich aber auf hygienische Verpackungen nicht verzichten." Dabei sei es seit Beginn der Coronapandemie sogar noch sauberer in ihrem Geschäft als vorher schon, sagt Susanne May. Mit den Lebensmitteln komme sie ohnehin nie in Berührung. Produkte wie Mehl, Haferflocken, Müsli, Cashewnüsse, Kichererbsen schütte sie immer direkt aus den Säcken in Gläser oder andere Behälter.

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"Neu ist allerdings, dass jeder Löffel zum Abfüllen sofort im Geschirrspüler landet, sobald ihn jemand benutzt hat", sagt die 40-jährige Görlitzerin. "Kein Kunde berührt etwas, das vorher ein anderer in der Hand hatte." Auch alle Oberflächen desinfiziere sie mehrmals täglich, Mundschutz sei sowieso Pflicht, und eine Scheibe am Verkaufstresen schütze zusätzlich. Maximal drei Kunden aus zwei Haushalten lasse sie eintreten.  

Laufkundschaft fehlt

Grundsätzlich habe sich ihr Laden seit der Gründung im November vor genau vier Jahren gut etabliert, sagt Susanne May. Die gelernte Uhrmacherin entschloss sich damals, ihren Beruf dafür aufzugeben. Den hatte sie eine Weile in Pforzheim ausgeübt. Nach der Geburt ihres ersten Kindes – später kamen noch zwei dazu – war sie 2007 in ihre Heimatstadt zurückgekehrt und hatte bis 2015 von Görlitz aus weiter für ihren Pforzheimer Arbeitgeber gearbeitet. "Aber allein in meiner Werkstatt, ohne Kontakt zu Kollegen erfüllte mich das irgendwann nicht mehr." 

Als sie 2016 ihr Geschäft eröffnete, traf sie nicht nur einen Nerv vieler, die Plastikmüll einsparen wollen, um zum Umwelt- und Klimaschutz beizutragen. Susanne May war auch die Erste, die östlich von Dresden einen Unverpackt-Laden eröffnete, in dem es sowohl Lebensmittel als auch Kosmetik und viele Dinge gibt, die dabei helfen, ohne Wegwerfverpackungen auszukommen. Selbst deutschlandweit gehörte sie zu den Vorreiterinnen in der Unverpackt-Szene. 

Spürte Susanne May während des ersten Lockdowns, dass viele Familien mehr Zeit für bewusstes Einkaufen hatten, öfter zu Hause kochten und zu ihr kamen, sieht es jetzt, bei geöffneten Schulen und Kitas, anders aus. "Und die Laufkundschaft fehlt", sagt Susanne May, "es sind vor allem meine Stammkunden, die mich jetzt tragen."

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