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Weltstars kommen zum Richtfest

Die international bekannten Künstler Rolando Villazón und Marta Argerich treten beim „Lausitz Festival“ auf.

Rolando Villazón ist auch dabei.
Rolando Villazón ist auch dabei. © dpa PA/Franz Neumayr

Eine Trompete aus der Musikschule in Weißwasser – manchmal reicht eine Kleinigkeit, um die Entstehung eines Kunstwerks zu retten. Am vergangenen Freitag gegen 22 Uhr erhielt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch einen Anruf. Am Apparat ein Team um den gebürtigen Berliner Künstler Aron Kitzig. Das war zu Dreharbeiten für eine Videoinstallation nach Weißwasser gekommen und brauchte dafür eine Trompete. Eine schon zugesagte, wurde nicht geliefert. Also suchten die Filmer Hilfe beim OB. Der konnte mit Unterstützung einer Musikschullehrerin ein Instrument auftreiben.

Die Trompete wird Teil der Installation und damit des „Lausitz Festivals“, das vom 25. September bis 16. Oktober zwischen Spreewald und Zittauer Gebirge insgesamt 48 Konzerte von Klassik bis Jazz, Theaterstücke und Ausstellungen, Installationen, eine Vortragsreihe zum Thema Landschaften in den Pückler-Parks und philosophische Gesprächsrunden bietet, eine davon schon am 13. September.

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Damit nimmt das Festival nach viel Kritik im Vorjahr einen zweiten Anlauf. Aus Brandenburg wurde 2019 moniert, dass die Kunst-Reihe nur auf sächsischem Territorium stattfand. Verärgert waren auch Kulturschaffende und Veranstalter bestehender Festivals der Region. Sie fühlten sich nicht informiert und übergangen. Es habe keine Vorbereitung in die Ober- und Niederlausitz hinein, so lautete der Vorwurf. Die Initiative, angestoßen von Bundestagsabgeordneten wie Rüdiger Kruse (CDU) aus Hamburg und Thomas Jurk (SPD) aus Görlitz, war quasi über das Territorium geworfen worden. Daniel Kühnel, künstlerischer Leiter des Festivals, räumte ein, dass es anfangs Missverständnisse gegeben habe, „die man auch selbst setzt“. Doch die Macher haben zugehört und vieles verändert.

Zusammenarbeit mit Sechsstädtebundfestival

Brandenburg ist dieses Jahr für 17 Veranstaltungen als Gastgeber dabei. Künstler und Ensembles aus der Region wie die Neue Lausitzer Philharmonie oder die sorbische Musikerin Carolina Eyck treten auf. Auch Kooperationen mit hiesigen Veranstaltungen gibt es – vor allem mit dem Sechsstädtebundfestival „Kommen und Gehen“ unter Leiter Hans Narva. Gemeinsam laden die Macher unter anderem ein in die Turmgaststätte auf den Löbauer Berg zu einem „Konzertabend auf Spuren Hölderlins“. Und im Interimsbeirat für das „Lausitz Festival“ sind Kulturverantwortliche von hier vertreten, darunter Judith Kubitz, die Intendantin des Sorbischen-Nationalensembles Bautzen sowie die Zittauer Schauspielintendantin Dorotty Szalma. Sie sieht das Festival „am Anfang einer außergewöhnlichen Geschichte über die Grenzen von Städten und Ländern hinweg“. Und sie ist selbst mit ihrer Bearbeitung des Stückes „Die Seuche“, das Bezug nimmt auf die Corona-Epidemie, Teil des Ganzen geworden.

Als „Richtfest“ bezeichnete Daniel Kühnel diese zweite Ausgabe des Festivals. Denn noch sei es auf dem Weg, sich zu entwickeln. Außerdem habe die Coronaepidemie mit ihren Unwägbarkeiten die Planung schwierig gemacht. Das Team um den 1973 in Jerusalem geboren Volljuristen und Intendanten der Symphoniker Hamburg habe lediglich sechs Wochen Zeit gehabt, um konkret zu planen. „Nun ist es aber doch etwas mehr geworden, als ein Richtfest“, sagte Kühnel bei der Auftaktpressekonferenz am Montag in Cottbus.

Synagogen-Konzert soll live übertragen werden

170 Künstler werden auftreten. Darunter sind weltbekannte Stars wie der mexikanisch-französische Operntenor Rolando Villazón – am 14. Oktober in Bad Muskau zu Gast. Auch die argentinisch-schweizerische Pianistin Marta Argerich gehört zu den ganz großen Namen im Klassikbereich. Mit ihr hatte Kühnel schon vor zwei Jahren Kontakt aufgenommen. Sie wird am 10. Oktober in der Dorfkirche Cunewalde, am 11. Oktober an noch nicht bekanntem Ort und am 13. Oktober in der Görlitzer Synagoge zu erleben sein. Das Synagogen-Konzert für Klavier und Violoncello soll live im Internet übertragen werden. „Weil es so ein besonderer Ort ist, auch architektonisch“, so Daniel Kühnel. Aber auch wegen der Beschränkungen durch die Corona-Schutzmaßnahmen. Die Veranstaltungen werden darum im Schnitt nur ein Drittel der eigentlich möglichen Besucher haben können. Vielleicht werde es noch weitere Übertragungen im Web geben.

Mit Blick auf die knappen Plätze spiele den Veranstaltern von der Görlitzer Kulturservicegesellschaft in die Hände, dass der Kartenvorverkauf erst am 9. September, um 9 Uhr, beginne, sagte der künstlerische Leiter. Zwischen 5 und 55 Euro soll der Eintritt je nach Veranstaltung kosten. Noch sind die Preise auf der Webseite des „Lausitz Festivals“ nicht zu sehen. Kostendeckend ist das, allzumal bei epidemie-bedingt weniger Publikum, nicht.

Doch darum müssen sich die Macher dieses Jahr nicht sorgen. Sowohl der Auftakt 2019 nur in Sachsen, als auch die Fortsetzung in diesem Jahr in Sachsen und Brandenburg finanziert der Bund mit 3,2 Millionen Euro. „Damit kommen wir aus. Das klingt frech, denn eigentlich hat die Kultur nie genügend Geld“, so Kühnel. Für die Zukunft wolle man sich aber um Sponsoren bemühen. Die Hauptfinanzierung könnte durchaus weiter aus dem Bundeshaushalt kommen. Darüber will zumindest Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer diskutieren. Andernfalls werde man Mittel aus den Strukturwandel-Hilfen nutzen. „Am Geld wird es nicht scheitern“, versprach Kretschmer, der wie sein Amtskollege, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke zur Konferenz gekommen war.

Für das Festival gibt es kein Motto

Schon vorm eigentlichen Start beginnt in Lübben im Spreewald eine philosophische Gesprächsreihe im Rahmen des Festivals. Philosoph Lars Dreiucker, der aus Lübben stammt, trifft im ersten Dialog auf den Kölner Philosophen und Germanisten Christoph Menke – das Thema der Reihe lautet „Anderswo her“. Das bezieht sich auf Aussagen des 1969 verstorbenen Philosophen Karl Jaspers. Dieser fragte, woher der Mensch komme, der in dieser etwa fünf Milliarden Jahre alten Welt aufgetaucht sei. Seine Antwort: „Wir kommen anderswo her! Woher, das ist aber nicht in der Verschleierung der Welt zu erfahren ...“

„Anderswo her“ ist denn auch der einzige Titel, der sich durchs Programm zieht. Es ist aber nicht das Motto für das gesamte Festival. Dafür gibt es keine Überschrift. Das Ganze werde auch nicht programmatisch festgeschrieben“. Denn es gehe nicht darum, wie es gewesen sein soll, sondern „wie es werden soll“, meint Festivalleiter Kühnel.

Die Vergangenheit der Region kommt trotzdem zum Tragen. Zum Beispiel bei der Eröffnung am 25. September in Weißwasser. Das ehemalige Glaswerk Telux ist dann Ort des Geschehens. Dort wird die Klang-Bild-Performance des eingangs erwähnten Künstlers Aron Kitzig präsentiert. Dabei kommen auch ehemalige Glaswerker zu Wort. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch ist froh, den Auftakt in seiner Stadt zu haben. „Denn der Strukturwandel passiert bei uns, im Norden der Oberlausitz und in Südbrandenburg.“

Der Vorverkauf für das „Lausitz Festival“ beginnt am 9. September, 9 Uhr, im Internet. Außerdem gibt es Karten an einigen Stellen vor Ort, zum Beispiel im Theater Zittau oder für die Dorfkirche Cunewalde in der „Blauen Kugel“ sowie an allen bekannten Vorverkaufsstellen. www.lausitz-festival.eu Tel.: 03581 672420

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