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Wer achtet auf Corona-Hygiene in Heimen?

In allen Görlitzer Pflegeheimen sind die Regeln erheblich verschärft worden. Doch es gibt Skeptiker, die deren Einhaltung anzweifeln. Kontrollen gibt es keine.

Seit August 2000 befindet sich im Görlitzer Ständehaus das Alten- und Pflegeheim "Am Stadtpark".
Seit August 2000 befindet sich im Görlitzer Ständehaus das Alten- und Pflegeheim "Am Stadtpark". © Archivfoto: Nikolai Schmidt

In sozialen Netzwerken werden seit Pandemiebeginn immer wieder krude Behauptungen aufgestellt. Eine davon: In manchen Görlitzer Alten- und Pflegeheimen ginge es drunter und drüber. Covid-19-Infektionen würden unter den Teppich gekehrt. Was ist dran?

Ein Leser wandte sich an die SZ und behauptete, eines dieser Altenheime sei das Seniorenzentrum "Am Stadtpark" in Görlitz. Dort seien 95 von 100 Insassen positiv getestet worden, aber nichts passiere.

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Bergit Kahl, die Inhaberin des Seniorenzentrums, reagiert betroffen: "Wie erschreckend ist es, dass ich mich in dieser Zeit mit derartigen Anschuldigungen auseinandersetzen muss". Über den SZ-Leser kann sie sich nur wundern, wenn dieser von "Insassen im Pflegeheim" schreibt. "Wir sind ein Seniorenzentrum, kein Gefängnis", betont Bergit Kahl.

"Ich bitte darum, diesen haltlosen Anschuldigungen keinerlei Bedeutung zuzumessen. Alle direkt betroffenen Pflegekräfte leisten gerade übermenschlich Großes", erklärt Bergit Kahl weiter. Alle Heime arbeiten mit dem Gesundheitsamt zusammen, um den Bewohnern zu helfen, "nur dafür sind wir da, dafür kämpfen wir seit neun Monaten, seit dem ersten bestätigten Fall umso intensiver". Leider werde das von ignoranten Menschen gerade nicht anerkannt. Die Auswirkungen von Covid-19 würden heruntergespielt, wenn nicht sogar geleugnet.

Täglich im Kontakt mit dem Gesundheitsamt

Tatsache ist: Am 19. November trat im Seniorenzentrum "Am Stadtpark" - das ist das ehemalige sogenannte Ständehaus - der erste nachgewiesene positive Covid-19-Befund bei einer Bewohnerin auf, der am gleichen Tag dem Gesundheitsamt Görlitz gemeldet wurde. "Seit diesem Tag stehen wir täglich im Kontakt zum Gesundheitsamt", informiert Frau Kahl. Unter den Teppich gekehrt werde hier gar nichts.

Fünf Tage später verhängte das Gesundheitsamt Quarantäne für die stationäre Pflegeeinrichtung. Das bedeutete eine weitere Verschärfung der Schutz- und Hygienemaßnahmen. Besuche bei Bewohnern zum Beispiel waren nicht mehr möglich.

Landkreissprecherin Julia Bjar bestätigt, dass der Landkreis zum Corona-Ausbruchsgeschehen täglich mit dem Seniorenzentrum "Am Stadtpark" in Kontakt steht. "Die Pflegeeinrichtung steht bereits seit Anfang der Pandemie, also seit März, in engem Austausch mit dem Landkreis", ergänzt die Sprecherin. Von den Anschuldigungen sei dem Landkreis nichts bekannt. Allerdings sind die Infektionszahlen in der Tat sehr hoch. Nach Angaben des Landratsamtes waren im Seniorenzentrum mit Stand vom gestrigen Freitag insgesamt 101 Bewohner und Mitarbeiter mit Covid-19 infiziert. 22 Bewohner starben bislang. Wie viele Bewohner genau infiziert waren und sind, kann der Landkreis nicht sagen. Bergit Kahl möchte es nicht sagen. Die Quarantäne für das Seniorenzentrum wurde jedenfalls bis zum 28. Dezember verlängert.

Der Innenhof des Seniorenzentrums "Am Stadtpark" in Görlitz. In der Mitte des Hofes gibt es einen Brunnen. Eine Hebevorrichtung ermöglicht es Rollstuhlfahrern, in den Hof zu gelangen.
Der Innenhof des Seniorenzentrums "Am Stadtpark" in Görlitz. In der Mitte des Hofes gibt es einen Brunnen. Eine Hebevorrichtung ermöglicht es Rollstuhlfahrern, in den Hof zu gelangen. © Archivfoto: Nikolai Schmidt

Hygienekonzept in Eigenverantwortung umgesetzt

Für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen in Alten- und Pflegeheimen ist das Gesundheitsamt des Landkreises Görlitz zuständig. Nach der ersten Welle der Pandemie wurden über den Sommer mit den Heimen die Hygienekonzepte überarbeitet. Alle Einrichtungen der Seniorenbetreuung im Landkreis Görlitz erstellten ein zusätzliches, umfangreiches Hygienekonzept und setzen dieses um. "Es ist nicht davon auszugehen, dass jetzt beispielsweise wöchentlich Kontrollen durch das Gesundheitsamt stattfinden", sagt Kreissprecherin Franziska Glaubitz. Hier setzt das Landratsamt auf die Eigenverantwortung der Einrichtungen. Da sich das Gesundheitsamt derzeit mit den Heimen im täglichen Austausch befindet, könne auf Probleme schnell reagiert werden. Werde es nötig, Verstöße beispielsweise gegen Quarantänebestimmungen anzuzeigen, ist das Ordnungsamt der jeweiligen Kommune dafür zuständig.

Altenheime sind nicht mehr Treiber der Infektionszahlen

Gegenwärtig sind im Landkreis 25 Pflegeeinrichtungen von Corona-Fällen betroffen und unter Quarantäne gestellt worden. Dazu zählen fünf Einrichtungen der Behindertenhilfe in Herrnhut, Görlitz, Reichenbach und Weißwasser sowie 20 Einrichtungen der Altenhilfe in Bernstadt, Herrnhut, Görlitz, Ebersbach-Neugersdorf, Löbau, Mittelherwigsdorf, Jonsdorf, Olbersdorf, Ostritz, Reichenbach und Zittau.

Bei weiteren fünf Einrichtungen in Zittau, Großschönau, Görlitz und Löbau bestehen Verdachtsfälle. Und es gibt auch Einrichtungen, in denen niemand mit Covid-19 infiziert ist, sagt Frau Bjar.

Waren zu Beginn der zweiten Welle der Corona-Pandemie in diesem Herbst im Kreis Görlitz noch die Altenpflegeeinrichtungen die Treiber der Infektionszahlen, ist das heute nicht mehr so. Anfangs lebte fast die Hälfte der mit dem Covid-19-Virus Infizierten in einer Senioreneinrichtung. Die Tendenz der von Infektionen betroffenen Personen in den Pflegeeinrichtungen im Vergleich zur Gesamt-Infizierten-Zahl ist jetzt aber sinkend. Etwa 20 Prozent der aktuell Infizierten stehen im Zusammenhang mit Pflegeeinrichtungen im Landkreis.

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