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Gold auch in Corona-Zeiten sicher?

Die Corona-Krise hat den Goldpreis auf ein neues Rekordhoch getrieben. Sollten aktuelle Preiskorrekturen clever zum Einstieg genutzt werden?

© Joachim Kirchner

Es geht nicht um Rendite, sondern in erster Linie um Sicherheit - so werden die Regeln für ein Investment in physisches Gold beschrieben. Doch auch der Goldpreis selbst hält einiges an Gewinnpotenzial bereit, wie die letzten Wochen gezeigt haben: Mit fast 2.070 US-Dollar für die Feinunze markierte das Edelmetall am 6. August 2020 einen historischen Höchststand. Aktuell ist es wieder etwas günstiger zu haben - lohnt sich der Einstieg?

Gold im Wechselspiel der Krisen - ein historischer Abriss

Zur Beantwortung dieser Frage lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit und die historische Goldpreis-Entwicklung. Der Preis für die Feinunze, also 31,1 Gramm, kletterte in den 1970er Jahren auf rund 850 US-Dollar, weil viele Anleger in den Industrieländern Furcht vor hoher Inflation hatten. In der Folge regulierte die FED die Edelmetallbörsen, gleichzeitig sollte die Geldmenge begrenzt werden. Die Situation beruhigte sich, der Goldpreis gab wieder nach.

Mit dem Finanzcrash rückte Gold ab 2008 wieder in den Fokus der Anleger: Die Schuldenkrise in der EU und die in Schieflage geratenen Banken sorgten dafür, dass der Preis für die Feinunze Gold auf über 1.800 US-Dollar explodierte. Mit einem Satz beendete Mario Draghi, der damalige Chef der EZB, im Jahr 2012 diese Entwicklung. Er verkündete, alles zu tun, was notwendig sein, um die Gemeinschaftswährung Euro zu retten. Der Goldpreis sackte gründlich ab, im Oktober 2018 markierte er ein Tief von 1.180 US-Dollar je Feinunze.

Seit dem Sommer 2019 kehrt sich die Entwicklung wieder um, mit 1.500 US-Dollar erreichte der Goldpreis im August 2019 einen Sechs-Jahres-Höchststand. Doch das war erst der Anfang: Mit der Corona-Krise und den dramatischen Folgen wird Gold wieder verstärkt nachgefragt. Die historische Marke von 2.000 US-Dollar je Feinunze konnte zwar nicht gehalten werden, aber die Ursachen für den Preisanstieg sind nach wie vor gültig.

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Gold-Investment: eine Frage des Glaubens oder der Sicherheit?

Oft wird dem Edelmetall ein psychologischer Aspekt zugeschrieben - und das hat durchaus einiges für sich: Gold ist Sicherheit, kaum ein Sachwert kann trotz teilweise erheblicher Preisschwankungen eine derartige Wertstabilität vorweisen. Wurde einst vor allem bei einer befürchteten oder eingetretenen Inflation auf das Edelmetall zurückgegriffen, sind es aktuell eher drohende Crashs - in erster Linie auf dem Aktienmarkt. Viele Unternehmen mussten Kurzarbeit anmelden, können wegen fehlender Zulieferungen nur eingeschränkt produzieren und geraten zunehmend unter Druck. Ganze Branchen, wie zum Beispiel die Reise-, Tourismus- und die Unterhaltungsbranchen, sind von einer Pleitewelle bedroht. Die Auswirkung auf die Aktienkurse wird über kurz oder lang deutlich werden.

Während institutionelle Anleger bevorzugt auf Cash-Reserven setzen, um schnell und flexibel auf die Entwicklungen reagieren und entsprechend investieren zu können, haben viele private Anleger nicht diese Chance. Das wiederum macht Gold so interessant: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Goldpreis nämlich genau entgegengesetzt zum Aktienmarkt entwickelt. Auch wenn ein Gold-Investment keine klassischen Renditen oder Dividenden abwirft, genießt es das Vertrauen der Anleger. Zumindest eine Beimischung, die in der aktuellen Krise durchaus ausgebaut werden kann, empfiehlt sich daher in jedem Fall.

Kleine Münzen oder große Barren - was ist optimal für ein Gold-Investment?

Das hängt natürlich von den Summen ab, die in Gold investiert werden sollen: Goldbarren mit einem Gewicht von einem Kilogramm sind im Vergleich zu kleineren Stückelungen deutlich günstiger, allerdings kosten auch sie rund ein Prozent mehr als der aktuelle Goldpreis. Dieser Aufschlag erhöht sich beim 1-Gramm-Barren jedoch auf über 20 Prozent. Auf der anderen Seite lassen sich kleine Goldbarren und vor allem Münzen sehr viel unkomplizierter sicher lagern - für größere Barren empfiehlt sich ein kostenpflichtiges Bankschließfach oder die Investition in einen Tresor. Für private Anleger empfehlen sich vor allem Goldbarren mit einem Gewicht von 50 Gramm, bei Münzen hingegen eine Feinunze. Hier sollten Anleger jedoch auf Standardmünzen zurückgreifen, denn Sammler- oder Gedenkmünzen sind im Vergleich oft zu teuer.

Grundsätzlich hängen die Preise für dieses Anlagegold ab vom Gewicht und dem Feingoldgehalt sowie der Prägung. Beim Kauf sollten Anleger den aktuellen Goldpreis immer Blick behalten. Seriöse Händler werden bei entsprechender Qualität, also einem Feingoldgehalt von 999,9 und dem Prägestempel eines renommierten Unternehmens wie Heraeus, Umicore, Valcambi oder Perth Mint, diesen Goldpreis um nicht mehr als zehn Prozent überschreiten.

Einsteigen oder nicht? Das ist hier die Frage!

Für sicherheitsliebende Anleger dürfte die Antwort feststehen: Im Gold wird vor allem in Krisenzeiten seinen Wert wenigstens halten - vor allem auf lange Sicht. Doch auch für die Verbraucher, die auf einen steigenden Goldpreis setzen und hier Gewinne realisieren wollen, stehen die Chancen nicht schlecht: Nach dem historischen Hoch am 6. August 2020 korrigierte der Goldpreis auf rund 1.920 US-Dollar für die Feinunze. Angesichts des Umfeldes, also steigender Corona-Infektionszahlen, zunehmender Existenzprobleme zahlreicher Unternehmen und eines nach wie vor fehlenden Impfstoffes, ist eine weitere Preissteigerung durchaus wahrscheinlich.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteurin M.-L. Richter.

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