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Eine Million Euro für die warme Stube

Der Biogaspark Großenhain will die Energieeffizienz seiner jetzt vereinten Biogasanlagen am Flugplatz steigern. Einstige Kritiker sind verstummt.

Der Geschäftsführer der Biogasanlage am Flugplatz zeigt die Veränderungen, die gerade umgesetzt werden.
Der Geschäftsführer der Biogasanlage am Flugplatz zeigt die Veränderungen, die gerade umgesetzt werden. © Norbert Millauer

Großenhain. Seit 2007 gibt es die Biogasanlagen der Firma iES am Fliegerhorst. Groß war damals der Widerstand von Anwohnern und Freizeit-Betrieben im Gewerbegebiet Flugplatz. Man befürchtete erhebliche Geruchsbelästigungen. Wortführerin des Protestes war Jutta Kilian, Mutter des Geschäftsführers von Kilian Air, einer Fluggesellschaft nebenan. 

Die Kilian Air ist nicht mehr, jedenfalls nicht in Großenhain. Die beiden jetzt vereinigten Biogasanlagen aber haben überdauert. Sie sind ans Netz der Wärmeversorgung Danpower angeschlossen und versorgen Industriebetriebe und Haushalte. Eigene Futterflächen hat die iES, was für innovative Energiesysteme steht, nicht. Sie ist darauf angewiesen, Zulieferungen von den Landwirten vor Ort zu beziehen.

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Das Unternehmen, das zur iES-Gruppe aus Bayern gehört, versucht daher, die Biogasproduktion weiter zu optimieren und die Energieeffizienz der Anlagen zu erhöhen. Ist es die anhaltende Trockenheit, die die Silomais-Produktion beeinträchtigt? 2017 gab es noch eine "Jahrhunderternte“, die laut Geschäftsführer Ingolf Horstmann ein „krasses Überangebot“ geschaffen habe. So gelang es dem Biogasanlagenbetreiber, Lagerbestände bis ins voriges Jahr aufzubauen.

Im Wesentlichen sind es gesetzliche Vorgaben, die eine Investition von rund einer Million Euro nötig machen. Der Biogaspark muss seine Anschlussförderung nach dem Auslaufen des derzeitigen Erneuerbare Energie Gesetzes (EEG) sichern. "Damit wir nach 2026 noch mindestens zehn Jahre weitermachen können", erläutert Horstmann. Das Klimaschutzpaket der Bundesregierung verlangt, dass auch "Reststoffe" wie Gras und Ganzpflanzensilage in die Anlagen kommen. Weil die Rinderproduktion rückläufig ist, sind Grünlandstandorte dafür frei geworden. 

So müssen nun die Einsatzmengen verändert, die Dosiertechnik angepasst und eine Zerkleinerungsstufe eingerichtet werden. Ingolf Horstmann erklärt vor Ort, was das genau bedeutet. "Bisher wurden jährlich 11,7 Tonnen pro Jahr und Anlage vergoren, künftig werden es nur noch 11,5 Tonnen sein", so der Diplom-Kaufmann. Macht eine Einsparung von jährlich rund 400 Tonnen. Man komme raus aus der Konkurrenz zu den Futterproduzenten. Vergast werde zu einem Großteil auch Mist, der nun neben den markanten runden Behältern lagert. Er kommt aus den Rinderställen von Quersa, Cunnersdorf oder auch Skäßchen. 

Deshalb wird die Zufuhr von Flüssig- auf Schneckendosierung umgestellt. "Bisher haben wir in die Gärbehälter gepumpt, jetzt transportieren wir Feststoffe", so der Geschäftsführer. Eingebaut werden auch zusätzliche Rührwerke in Fermenter und Gärrestlager. Eine Hammermühle wird als Zerkleinerungsstufe eingesetzt und außerdem eine Trocknungseinheit. Am 20. November soll der TÜV die Neuerungen abnehmen, ein neuer Steuerungscontainer wird gerade einsatzbereit gemacht. 

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Interessant ist, dass das fast 1,5 Hektar große Gelände auch einen Havariewall bekommen muss. Das ist laut Ingolf Horstmann eine Betonmauer entlang des jetzigen Zaunes. Sie soll im Fall einer Havarie das Auslaufen der Behälter aus dem Grundstück verhindern. Diese Sicherheitsmauer werde bis Ende 2022 abschnittsweise errichtet. Die Landesdirektion Sachsen hat die Vorhaben genehmigt. 

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