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Kieswerk-Chef widerspricht Naturschützern

Nach einem SZ-Interview mit Thomas Gruschka beziehen die Kritiker von Würschnitz-West erneut massiv Stellung gegen das Projekt. Nicht kommentarlos.

Thomas Gruschka, studierter Bergmann, übernahm im Jahr 2010 die Geschäftsführung des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla. Er widerspricht den Kritikern des Projektes Würschnitz-West.
Thomas Gruschka, studierter Bergmann, übernahm im Jahr 2010 die Geschäftsführung des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla. Er widerspricht den Kritikern des Projektes Würschnitz-West. © Kristin Richter

Ottendorf-Okrilla/Würschnitz. Inzwischen haben sich alle aus der Deckung gewagt. Nachdem vor gut einer Woche in der Sächsischen Zeitung ein ausführliches Gespräch mit dem Geschäftsführer des Kieswerkes Ottendorf-Okrilla, Thomas Gruschka, zum überaus umstrittenen Vorhaben Würschnitz-West erschienen ist, schlagen die Emotionen hoch. Kritiker unterstellen falsche Aussagen und beschönigende Angaben oder werfen dem studierten Bergmann eine Verharmlosung des Projektes vor, welches laut Naturschützer zum großräumigsten Kiesabbau in einem waldbestockten Gebiet innerhalb Deutschlands zähle.

Mit einer umfangreichen Stellungnahme äußerte sich beispielsweise die Fachgruppe Ornithologie Großdittmannsdorf. Seit Ende der 1990er Jahren setzen sich deren Mitstreiter nach eigenem Bekunden für ein rechtssicheres und demokratisches bergrechtliches Verfahren ein, das die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschen in der Region um Würschnitz schützen soll. Die SZ-Redaktion wandte sich mit einem Teil des vielschichtigen Positionspapiers nun noch einmal an Kieswerkchef Thomas Gruschka.  

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Laut den Umweltschützern würde entgegen bisheriger Aussagen in den nächsten Tagen mit dem Bau einer Anlage im Wald begonnen. Ist dem so? 

Nein, es wird aktuell noch keine Bandanlage gebaut. Gegenwärtig erfolgen durch den Staatsbetrieb Sachsenforst, dem auch das Gelände vor Ort gehört,  Vorbereitungsmaßnahmen für die spätere Errichtung der Bandanlage. Diese ist notwendig für das bereits vor Jahren genehmigte Abbauareal Würschnitz. Dort werden künftig maximal zwei Radlader im Einsatz sein, die Kies abbauen.

Die Verarbeitungsstätte wird jedoch am bisherigen Standort in Laußnitz verbleiben. Ansonsten wäre der Eingriff in die Natur um ein Vielfaches höher. Um Lkw-Verkehr wegen des Lärms zu minimieren und zugleich CO2 einzusparen, soll der abgebaute Kies nicht durch Lkw vom Abbau- zur Verarbeitungsstätte gebracht werden, sondern mithilfe eines Förderbandes. 

Die hierfür notwendige Waldumwandlung wurde bereits im März 2020 vom Staatsbetrieb Sachsenforst genehmigt. Beteiligt am Verfahren waren zudem das Sächsische Oberbergamt und die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Bautzen. Die Errichtung der Bandanlage selbst wird erst im nächsten Jahr, also 2021, nach Maßgabe der hierfür geltenden rechtlichen und behördlichen Vorgaben erfolgen.

Ein vom Kieswerk versuchtes Roden von Bäumen, in denen gefährdete Kleineulen gebrütet haben sollen, und das Abbaggern eines der wertvollsten Reptilienbiotope der Laußnitzer Heide in der Hauptvermehrungszeit, wären im April 2020 von den Behörden laut Naturschützern beinah unbemerkt geblieben. Das Kieswerk habe wissentlich gegen die Genehmigungsauflagen verstoßen und zur Rodung einen Harvester in den Wald kommen lassen. Entspricht das der Wahrheit?

Die Behauptung trifft nicht zu. Das Gelände selbst gehört dem Staatsbetrieb Sachsenforst, wir als Unternehmen haben hier überhaupt keine Berechtigung, Rodungen oder dergleichen durchzuführen. Und dies tun wir auch nicht. Auch haben wir gegen keinerlei Genehmigungsauflagen verstoßen.

Für Vorhaben des Rohstoffabbaus werden Anhörungen der Träger öffentlicher Belange, Naturschutzvereinigungen und Bürger geführt. Was sagen Sie zu dem Vorwurf, dass die daraus abgeleiteten Maßnahmen im 2019 vom sächsischen Oberbergamt geführten Planfeststellungsverfahren jedoch weitgehend ignoriert worden seien?

Der Vorwurf trifft nicht zu. Die landläufig verbreitete Auffassung, dass eine raumordnerische Beurteilung rechtsverbindlich sei, ist falsch. Deshalb können wir dagegen auch nicht klagen. Die Beurteilung muss lediglich im Rahmen des Zulassungsverfahrens durch das Sächsische Oberbergamt im Sinne einer gutachterlichen Äußerung berücksichtigt werden. Dies erfolgt auch so. Und wir haben keine Möglichkeit, juristisch gegen diese raumordnerische Beurteilung vorzugehen. 

Unabhängig davon ist ein Großteil der in der raumordnerischen Beurteilung enthaltenen Maßnahmen rechtswidrig. Denn die Landesdirektion hat im Raumordnungsverfahren vielfach Maßgaben zu fachrechtlichen Aspekten, etwa des Berg-, Naturschutz-, Bodenschutz-, Wasser- und Immissionsschutzrechts getroffen. 

Die Landesdirektion als Raumordnungsbehörde kann und darf jedoch im Raumordnungsverfahren – wie der Name schon sagt – lediglich raumordnungsrechtliche Aspekte prüfen und diesbezügliche Maßgaben treffen. Die Prüfung der einschlägigen Fachthemen obliegt der Genehmigungsbehörde. Hier dem Sächsischen Oberbergamt.

Das Kiesfeld Würschnitz sei 2017 ohne ausreichende Prüfung der artenschutzrechtlichen Belange erweitert worden. Nur durch Zufall habe der Nabu davon erfahren und rettete in kürzester Zeit die Zaun- und Waldeidechsen, Blindschleichen, Kreuzottern und Ringelnattern. Einen Ausgleich oder Ersatz für den zerstörten Lebensraum gebe es nicht. Die Waldrodung erfolgte, obwohl langfristig als Maßnahme bekannt, zudem in der Hauptaktivitätsphase der Tiere, was eindeutig dem bundesdeutschen Naturschutzrecht widerspreche. Trifft das zu?

Diese Behauptung ist nicht korrekt. Die Grundlage unserer Planungen für eine Erweiterung bildet der sogenannte Hauptbetriebsplan. Den aktuell gültigen Hauptbetrieb haben wir bereits im September 2016 beim Sächsischen Oberbergamt Freiberg zur Genehmigung eingereicht. Teil des Verfahrens war ein sogenannter Artenschutzbeitrag mit umfangreichen Auflagen der Unteren Naturschutzbehörde. Der Nabu ist im April 2017 auf uns zugekommen und hat uns zudem dankenswerterweise auf den Bestand von Kreuzottern aufmerksam gemacht. In konstruktivem Miteinander haben Nabu und wir an einem Strang gezogen. So haben wir die Kreuzottern und andere Reptilien umsiedeln lassen. 

Der Forderung des Nabu, die Auswirkungen aller laufenden und geplanten Kiesabbauvorhaben auf die im Abbaugebiet und seiner Umgebung betroffenen Belange des Natur- und Umweltschutzes zu prüfen, werde seit 2001 nicht nachgekommen. Ist dem so beziehungsweise welche Gründe gibt es dafür?

Im Rahmen der durchzuführenden Zulassungsverfahren wurde in der Vergangenheit für die bereits aufgeschlossenen Tagebaue und wird gegenwärtig für das zukünftige Abbaufeld Würschnitz-West eine umfassende Prüfung der Belange des Natur- und Umweltschutzes durchgeführt. Hierbei wird den rechtlichen Vorgaben vollständig entsprochen. 

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Für die vom Nabu aufgeworfene Forderung, dass generell und pauschal alle laufenden und geplanten Abbauvorhaben mit ihren Auswirkungen in jeglicher Hinsicht zusammen zu betrachten seien, gibt es keine rechtliche Grundlage und auch kein rechtliches Erfordernis. Soweit eine "Gesamtbetrachtung" von Abbauvorhaben etwa aus Gründen des Naturschutzes oder Gewässerschutzes erforderlich ist, erfolgt dies selbstverständlich. 

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