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Freizeitsänger wagen sich an eine Oper

Auf der Parkbühne des Schlosses Seußlitz wird am Wochenende eine Händel-Oper gespielt. Mit Spargel und Trauben auf dem Kopf singen auch Laien mit.

Von Kathrin Krüger
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Ulrike Philipp, Andrea Stripling-Uschner, Christiane Arndt, Sylvia Szillat und Marion Langer (v.l.) als Chorsängerinnen in der Aufführung "Imeneo", die am Wochenende im Schlosspark Seußlitz zu hören ist.
Ulrike Philipp, Andrea Stripling-Uschner, Christiane Arndt, Sylvia Szillat und Marion Langer (v.l.) als Chorsängerinnen in der Aufführung "Imeneo", die am Wochenende im Schlosspark Seußlitz zu hören ist. © Anja-Christin Winkler

Seußlitz. Reinhard Schur aus Merschwitz hat ein Blumenbouquet auf dem Kopf. Andrea Stripling-Uschner aus Skassa darf die Weintrauben tragen. Aus dem leuchtend roten Haar von Ulrike Philipp aus Großenhain ragt Nieschützer Spargel empor. Natürlich nicht in echt. So wie auch die Sänger keine echten Schloss-Bewohner sind: sie spielen sie nur in "Mit Prunk, Punk und Prosecco". Doch immerhin gemeinsam mit professionellen Sängern und Musikern. Wann bekommt man im Leben schon mal eine solche Chance?

Neun Chorsänger aus der Region fanden sich für den Projektchor, der in den letzten Tagen eifrig für die Freilichtaufführung der Oper Imeneo der Werkbühne Flügelschlag aus Leipzig im Schlosspark probte. Die Oper spielt in der Barockzeit, daher hat sich Hutmacherin Franziska Eisermann aus Leipzig passenden Kopfschmuck einfallen lassen. Die Musik von Georg Friedrich Händel ist jedoch nicht ganz einfach zu singen. Doch auch diese Frauen haben sich darauf eingelassen: Christiane Arndt kommt aus Kleinzadel, Sylvia Szillat und Marita Köpke aus Neuseußlitz, Chorleiterin und Kantorin Anita König wohnt in Meißen, Marion Langer in Radebeul.

"Das ist doch mal was Schönes", antwortet Ulrike Philipp auf die Frage, warum sie das Angebot, hier mitzusingen, nicht ausschlagen konnte. Die Großenhainer Medizinerin macht in ihrer Freizeit schon immer Musik, gehört zum katholischen Kirchenchor und ist im Ensemble "Ars musica". Philipp spielt sogar historische Zupf-Instrumente, wie einen Chitarrone aus dem 17. Jahrhundert. Den hat sie den jungen Musikern der Oper - einem siebenköpfigen internationalen Kammerorchester - sogar zur Verfügung gestellt. Die Leidenschaft der Freizeit-Sopranistin für Alte Musik ist in der Region bekannt.

"Für mich ist das Genre Oper eine ganz neue Erfahrung", meint Erzieherin Andrea Stripling-Uschner aufgeregt. Sonst lässt sie ihre Stimme im Wantewitzer Kirchenchor erschallen. Die Skassaerin ist begeistert von der freundschaftlichen Atmosphäre, die sie mit den jungen Leipziger Profis des Projektes verbindet. "Wir kommen sehr gut miteinander aus", freut sie sich. Trotzdem musste sich die Erzieherin erst mal an das szenische Agieren auf einer Bühne gewöhnen. "Als mir da zum ersten Mal ein Sektglas als Requisite in die Hand gedrückt wurde, hab ich glatt vergessen weiterzusingen", schmunzelt Andrea Stripling-Uschner. Sonst stehe sie im Chor nur steif auf der Empore.

Bass Reinhard Schur findet auch, dass er sich anfangs ein "bissel dusslig" angestellt hat. Doch das sei von Probe zu Probe besser geworden. "Es ist halt anspruchsvolle Ensemblemusik", sagt er. Teamarbeit. Vertrauenssache. Auch von Regisseurin Anja-Christin Winkler in das Engagement der Laien. Seit 24. Juli laufen die intensiven, zeitaufwendigen Proben an der kleinen Parkbühne im hinteren Parkteil. Immer abends nach der Arbeit. In dieser Woche sogar täglich. Dazu noch drei Aufführungen. "Da muss man gut bei Stimme sein." Ziel des Projekts ist die Förderung von Kunst und Kultur im ländlichen Raum.

Zwei Stunden dauert die Oper mit Pause. Die Handlung ist schnell erzählt. Es geht um eine fiktive Künstlergruppe, die im Schloss wohnt und einen reichen Sponsor braucht. Doch der will die Freundin von einem der WG-Bewohner heiraten. Jener Imeneo bringt in der Händel-Fassung die junge Dame um den Verstand. Aber in der Neufassung der Leipziger geht der Zwiespalt gut aus.

Über 100 Zuschauer werden je Vorstellung erwartet. Natürlich haben die Laiensänger Familie und Freunde eingeladen. Um den Inhalt zu verstehen, werden die Rezitative auf Deutsch gesungen, alles andere auf Italienisch. Die Vorfreude und Aufgeregtheit sind bei allen Sängern groß. Denn zum "Salat" auf dem Kopf kommen natürlich noch tolle Kostüme.

31. Juli, 19 Uhr, und 1. August, 16 Uhr, im Schlosspark Seußlitz, hinterer Teil.

Eintritt zwischen 10 und 20 Euro. Karten an der Abendkasse.