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"Als ich geboren wurde, war Bergfest"

Otto Krause wird am 3. Juli 85 Jahre alt. Damals, 1936, wurden die Alpen gerade auf den Großenhainer Kupferberg verlegt.

Otto Krause mit einem Bierkrug seines Vaters vom Bergfest am Kupferberg Großenhain von 1936.
Otto Krause mit einem Bierkrug seines Vaters vom Bergfest am Kupferberg Großenhain von 1936. © Kristin Richter

Großenhain. Otto Krause aus dem Preuskerviertel hat einen Erinnerungskrug an das Bergfest auf dem Kupferberg vom 3. bis 7. Juli 1936. Es ist ein besonderes Stück für den Großenhainer, der am 3. Juli Geburtstag hat. Er wird nämlich 85 Jahre alt, ist genau an jenem Tag geboren, als das legendäre Fest auf dem Großenhainer "hohen Gebirge" seinen Anfang nahm.

"Ich wurde damals zu Hause auf der Martin-Scheumann-Straße geboren, und mein Vater hat auf dem Kupferberg auf meine Geburt angestoßen", erinnert sich Otto Krause. Als Schüler erfuhr er dann erstmalig davon, welches große Ereignis zu seiner Geburt gefeiert wurde. Es gab einen großen Umzug vom Hauptmarkt auf den Kupferberg. Viele Besucher waren in Dirndl bzw. Lederhosen gekleidet. Der absolute Hingucker war die Alpenkulisse, die auf dem Kupferberg als riesige Leinwand zwischen den Bäumen hervorlugte. Das Zugspitzmassiv und die Alpspitze waren zu sehen - das ist in etwa der Blick, den man von Garmisch-Partenkirchen aus hat. Malermeister Wilhelm Jähne gestaltete diese Bilder "Alpengrün" und "Alpenglühen".

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Das Alpenpanorama auf dem Kupferberg - gestaltet von Malermeister Wilhelm Jähne.
Das Alpenpanorama auf dem Kupferberg - gestaltet von Malermeister Wilhelm Jähne. © Großenhainer Chronik

Bergfestplaketten waren hergestellt worden. Auch die einzelnen Schankstätten hatten ihre Namen bekommen. Die Kupferberg-Wirtschaft führte den Namen "Zum Schroffen", die Bierzelte hießen "Das Mauthäusl", "Die Padinger Alpe", "Der Kugelbachbauer"; der Weinausschank "Zur Kuckucksau", das Kaffee "Nonner Oberland'l", der Likörstand "Die Gotzenalm". Diese Namen gab es tatsächlich im Gebiet um Bad Reichenhall als Bezeichnung von bekannten Gaststätten. Das eigens für das Fest gebraute Bier wurde auf den Namen "Kupferthaler" getauft. Der vereinnahmte Überschuss kam der Verschönerung der Parkanlagen auf dem Kupferberg zugute.

Eine Achterbahn und ein Karussell sollen laut Chronik aufgestellt gewesen sein. Ein Feuerwerk ging über dem Festplatz nieder. An Ständen gab es Würstchen, Lebkuchen und Enzian. Vor der Almhütte graste eine Kuh. Tausende Besucher hatte dieses Heimatfest.

Den Bierseidel, den sein Vater gekauft hatte, bekam Otto Krause zum 30. Geburtstag von seinem großen Bruder überreicht. Und der nun 85-jährige Jubilar wird ihn auch weitergeben: an seinen Sohn Lutz Krause, Inhaber des Großenhainer Skoda-Autohauses. "Ich habe den Krug immer in Ehren gehalten und so manchen Schluck daraus getrunken", sagt Otto Krause, der als Ingenieur-Pädagoge für die Textil- und Schuhherstellung tätig war. Bis zur Wende hat er noch auf der Martin-Scheumann-Straße gewohnt, ist oft auf dem Kupferberg spazieren gegangen. "Auch an Rodeln und Skispringen in meiner Kindheit kann ich mich dort noch erinnern", sagt Otto Krause.

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