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Arzt sucht Dorf und Schönfeld einen Dorfdoc

Siegfried Lenk ist 77 und will als Schönfelder Hausarzt endlich aufhören. Er hat aber keinen Praxisnachfolger. Da käme eine zufällige Anzeige gerade recht.

Landarzt Dr. Siegfried Lenk mit Schwester Kerstin Steinborn in seiner Praxis im Ärztehaus Schönfeld. Der Mediziner ist schon 77 und will aufhören.
Landarzt Dr. Siegfried Lenk mit Schwester Kerstin Steinborn in seiner Praxis im Ärztehaus Schönfeld. Der Mediziner ist schon 77 und will aufhören. © Norbert Millauer

Schönfeld. Bürgermeister Weigel hat die Mediziner zusammengetrommelt. Mit Dr. Siegfried Lenk aus Schönfeld und Dierk Bade aus Lampertswalde will er überlegen, wie der drohende Hausarzt-Mangel abgewendet werden kann. Seit dem Freitod von Landarzt Ralf Lenk in Schönfeld im vorigen Herbst stehe die ärztliche Versorgung auf der Kippe, so der Gemeindechef. Derzeit funktioniere es nur, weil Vater Siegfried Lenk mit seinen 77 Jahren in die Bresche gesprungen ist.

Vorher gab es vier regionale Hausarztstellen im Bereich zwischen Großenhain und Königsbrück. Dazu zählen auch Allgemeinmediziner Dierk Bade in Lampertswalde und Birgit Remde im Schönfelder Ärztehaus. Sie vertreten die unbesetzte Stelle von Dr. Ralf Lenk mit. Problematisch ist nicht nur das Absichern der Sprechstunde. Kritisch sind vor allem die nachmittäglichen und abendlichen Hausbesuche. In zwölf Orten sei er dabei unterwegs, sagt der Senior-Hausarzt Siegfried Lenk. Dann habe er einen Zwölf-Stunden-Tag.

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Lenk will seine Zulassung als niedergelassener Vertragsarzt abgeben und die Praxis an einen Nachfolger übertragen. Doch woher soll er den nehmen? "Ein junger Mediziner, der mal da war, hat abgelehnt. Es wäre ihm zu viel Arbeit", sagt Lenk. Dabei steht das schöne Eigenheim seines verstorbenen Sohnes für einen potenziellen Nachfolger zur Verfügung. Die kassenärztliche Vereinigung (KV) weiß, dass Hausärzte ohne zusätzliche Ausschreibung eines Arztsitzes willkommen sind, sich in dieser Region niederzulassen. "Der Planungsbereich Großenhain hat keine Zulassungsbeschränkungen und ist außerdem von drohender Unterversorgung betroffen", sagt Sprecherin Katharina Bachmann-Bux.

Doch junge Ärzte bleiben lieber in der Großstadt. "Viele junge Medizinstudenten bzw. Absolventen sehen eine Praxis in einer ländlichen Gemeinde als nicht attraktiv an", so Bachmann-Bux. Aber auch Dierk Bade geht auf die 60 zu und nimmt keine neuen Patienten als Hausarzt mehr an. "Ich mache zusätzlich nur noch Notversorgung für etwa 200 Patienten im Quartal." Das sei nicht zufriedenstellend, sagt er.

Hausarzt Dierk Bade ist in Lampertswalde niedergelassen. Er sagt, er kann auch nicht mehr arbeiten, denn er hat schon vor Jahren Patienten aus der Ortrander Region aufnehmen müssen.
Hausarzt Dierk Bade ist in Lampertswalde niedergelassen. Er sagt, er kann auch nicht mehr arbeiten, denn er hat schon vor Jahren Patienten aus der Ortrander Region aufnehmen müssen. © Brühl/Archiv

So kommt es, dass im Vertretungsfall Patienten bis Großenhain, Ebersbach oder Kalkreuth fahren müssen. Schönfelds Bürgermeister Weigel und auch die Ärzte wollen den Notstand, wenn noch ein Arzt ausfiele, unbedingt vermeiden. Sie suchen nach Wegen, wie man Ärzte mit Lockangeboten aufs Land holen kann. Da kommt ihnen ein Tipp eines Bürgers gerade recht. Dieser Kraußnitzer hatte eine Anzeige gelesen, in der ein Arzt aus Dresden ein Dorf in Deutschland sucht, um sich niederzulassen. Wichtig sei für ihn ein großes Wohngrundstück mit viel Platz für eine Großfamilie.

Hans-Joachim Weigel ist begeistert. "Da hätten wir das Inspektorhaus anzubieten, das gerade ausgeschrieben wird", sagt der Gemeindechef. Oder sogar das kommunale Alte Schloss? Weigel will sich jedenfalls rasch mit diesem Mediziner, der als Landarzt arbeiten will, in Verbindung setzen. Sollten Fördermittel für die Sanierung eines Vier-Seithofes nötig werden, könnte er beim Dresdner Heidebogen vermitteln. Zusätzlich will Weigel junge Ärzte der Region fragen, die bisher angestellt sind und sich vielleicht beruflich verändern wollen.

So sah die Versorgung mit Hausärzten 2018 im Landkreis Meißen aus. Die Region um Großenhain war da zwar fast zu 100 Prozent abgedeckt, aber das stimmt jetzt nicht mehr.
So sah die Versorgung mit Hausärzten 2018 im Landkreis Meißen aus. Die Region um Großenhain war da zwar fast zu 100 Prozent abgedeckt, aber das stimmt jetzt nicht mehr. © Quelle: Kassenärztliche Bundesvereinigung

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"Wir haben in der Region eine fantastische Infrastruktur", meint auch Dierk Bade. Siegfried Lenk will einem potenziellen Nachfolger natürlich noch eine Zeit lang helfen, sich einzuarbeiten. Glücklich ist er darüber, dass für den Zahnarzt Badelt, der nach Dresden ging, ein Nachfolger im Ärztehaus gefunden werden konnte: "Ab April praktiziert Dr. Otto bei uns", erzählt Lenk. Ersatz für seine Frau, die Kinderärztin war, kann er allerdings nicht vorweisen. Dafür müssen Eltern bis Großenhain oder sogar Radeburg.

Die Anzeigetafel im Ärztehaus Schönfeld ist nicht vollständig. Hier praktiziert auch noch Allgemeinärztin Birgit Remde. Ab April gibt es wieder einen Zahnarzt: Dr. Otto.
Die Anzeigetafel im Ärztehaus Schönfeld ist nicht vollständig. Hier praktiziert auch noch Allgemeinärztin Birgit Remde. Ab April gibt es wieder einen Zahnarzt: Dr. Otto. © Norbert Millauer

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