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Der Hoheit das Krönchen aufgesetzt

Sachsens Erntehoheiten wurden gerade für zwei Jahre neu bestimmt. Ihren Schmuck erhielten sie von Landfrau Ellen Rutsch in Kalkreuth.

In Kalkreuth treffen sich Ernteprinzessin Sandra Zschommler (links) und Erntekönigin Wibke Frotscher bei Ellen Rutsch zur Anprobe von Kranz und Krone.
In Kalkreuth treffen sich Ernteprinzessin Sandra Zschommler (links) und Erntekönigin Wibke Frotscher bei Ellen Rutsch zur Anprobe von Kranz und Krone. © Kristin Richter

Kalkreuth. Weizen muss rein. Er ist das Grundgetreide der königlichen Krone und des Kränzchens für die Prinzessin. "Doch ich musste jede Ähre kürzen", beschreibt Landfrau Ellen Rutsch ihre Mühe für die herrschaftlichen Häupter. So ein Kopfputz darf ja weder zu groß, noch zu schwer sein, um den Trägerinnen noch aufrechten Gang zu erlauben. 

Um den Weizen herum hat Ellen Rutsch Edelweiß, Buchs und Strohblumen geflochten. "Im Buchs war der Zünsler, auch damit hatte ich meine liebe Not", so die Landfrau. Doch der 61-jährigen Kalkreutherin wurde schon zum sechsten Mal die Ehre zuteil, Sachsens Erntehoheiten mit Kopfputz auszustatten. Dafür ist ihr jede Anstrengung recht. Für zwei Jahre wurden Königin und Prinzessin gerade im Rittergut Limbach bestimmt - so lange muss der Schmuck nun mindestens halten. 

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Wiebke Frotscher aus Plauen ist die neue Erntekönigin im Freistaat. Die ledige 33-Jährige hat gerade ihr Landwirtschaftsstudium abgeschlossen und war vor zwei Jahren schon mal Sachsens Ernteprinzessin. "Ich will mit Fachlichkeit und Sachlichkeit gute Botschaften zum Verbraucher bringen", sagt die neue Erntekönigin. Durch Corona hatte sie diesmal nur eine Mitbewerberin. Die gelernte Tierarzthelferin war durch ein Praktikum zu Ackerbau und Viehzucht gekommen und fand Gefallen an der Landwirtschaft. Auf ihre Repräsentationsaufgabe auf Landes- und Bundesebene freut sie sich. 

Bewusster Konsum und Wertschätzung

Aus Erfahrung kann sie der neuen Ernteprinzessin Sandra Zschommler aus Großschirma manchen Tipp geben. Zum Beispiel, wie man mit Klettverschluss die Schärpe so festmacht, dass sie nicht verrutschen kann. Oder wie das Prinzessinnen-Kränzchen fest ins Haar gesteckt wird. Die beiden neuen Hoheiten bewundern die Geduld und Fingerfertigkeit, mit der Landfrau Ellen Rutsch ihren Schmuck gewunden hat. Stolz probieren sie ihre neuen bäuerlichen Insignien.

Sandra Zschommler ist in einem solchen Familienbetrieb aufgewachsen und arbeitet dort. Ihr Vater ist im Vorstand des sächsischen Landesbauernverband, der die beiden Frauen ins Amt ernannt hat. "Ich hatte mich vor Jahren schon mal beworben, diesmal hat es nun geklappt", freut sich die ledige 29-Jährige. Die Großschirmaerin absolvierte ein teamorientiertes Persönlichkeitstraining und lernte dort, wie man gut in der Öffentlichkeit auftritt. "In der Landwirtschaft gibt es in meiner Heimatregion wenig Ehrenamtler", sagt Zschommler. Sich dafür einzusetzen sei auch eine politische Aktion. "Ich stehe für bewussten Konsum und Wertschätzung der Arbeit in der Landwirtschaft", so die Ernteprinzessin. Die beiden Frauen wissen, dass jetzt viele solche Termine auf sie zukommen: mal allein, mal gemeinsam. Mal Pflichttermine, mal nach Wunsch.

Ganz sicher werden sie Ende September zum 27. sächsischen Erntekronen-Wettbewerb in der Dresdner Kreuzkirche dabei sein. Die Gewinnerkrone geht an den sächsischen Landesbauernverband. Auch Landfrau Ellen Rutsch wird mitmachen. Am 11. Oktober bekommt Bundespräsident Steinmeier aus den Händen von Sandra I. und Wibke I. dann eine handgefertigte Erntekrone in Schmochtitz bei Bautzen. Wibke Frotscher und Sandra Zschommler freuen sich schon auf diese besondere Begegnung. Unterstützt werden die sächsischen Erntehoheiten übrigens von der Deutschen Kreditbank AG und dem Saatbauverband Sachsen-Thüringen e. V. 

Bereits zum 19. Mal erhalten die Sachsen neue Erntehoheiten. Die Idee entstand 1996 beim Landesbauerverband e. V. (SLB). Traditionell wurden diese auf dem „Tag der Sachsen“ vom Landtagspräsidenten und dem Präsident des SLB gekrönt. Seit 2018 bildet die Krönung der Erntehoheiten den Auftakt zum Sächsischen Landeserntedankfest. Zur Kandidatur gehören eine große Portion Charme und Esprit, gepaart mit viel landwirtschaftlichem Wissen. Eine Jury entscheidet anschließend über die Titelvergabe. 

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Die ehrenamtliche Tätigkeit umfasst zwei Jahre und ist mit einem Preisgeld sowie einer Aufwandsentschädigung verbunden. Da in diesem Jahr Corona-bedingt viele Großveranstaltungen, so auch das landesweite Erntedankfest, abgesagt werden mussten, fand die Krönung der Erntehoheiten in einem kleinen Festakt innerhalb des erweiterten Verbandsrates des SLB statt.

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