merken
PLUS Großenhain

Empörung nach Aus für ASB-Beratung

Dass es nach Gröditz und Meißen nun auch in Großenhain keine Sozialberatung und keinen Arbeitslosentreff mehr gibt, ruft Kritik bei den Betroffenen hervor.

Auch die Beratung in der Meißner Neugasse (hier Petra Wegner, links) wurde schon geschlossen.
Auch die Beratung in der Meißner Neugasse (hier Petra Wegner, links) wurde schon geschlossen. ©  Archiv/Claudia Hübschmann

Großenhain. Jörg Techert aus Folbern macht seine Ablehnung deutlich kund. In einem Schreiben an Sächsische.de kritisiert der Großenhainer die Schließung der Sozialberatung im Alleegäßchen durch den ASB, früher Arbeitslosenverband. "Was haben sich die Verantwortlichen dabei gedacht", fragt Jörg Techert. "Gerade in diesen Zeiten!" Wo gäbe es noch so eine Beratungsstelle weit und breit, die unproblematisch und mit Sachverstand den Leuten hilft, beklagt der Sächsische.de-Leser. Er habe dort mehr als einmal Hilfe erhalten, die er sonst nirgendwo bekam. Jörg Techert: "Und ich bin da nicht der Einzige."

Dieser Tage aber hat der ASB das Aus seiner Großenhainer Ansprechstelle besiegelt. Beraterin Petra Wegner hätte auch als Rentnerin gern weitergemacht, schon weil sie sich ein großes Wissen aneignete und zu vielen Klienten ein Vertrauensverhältnis aufbauen konnte. Ob alle zu Thomas Eisenhauer in die Sozialberatung der Diakonie in Großenhain wechseln, ist offen.

Anzeige
Familienabenteuerland Sachsen
Familienabenteuerland Sachsen

Die schönsten Regionen Sachsens, die besten Ausflugsziele und kulinarischen Highlights. Hier gibt's Geheimtipps, die garantiert noch nicht Jeder kennt.

Auch Sächsische.de-Leser Jörg Techert ist da skeptisch. "Gerade jetzt, wo so viele Menschen in wirtschaftliche Probleme geraten, ist es doch besonders wichtig, dass Beratungsmöglichkeiten erhalten bleiben", findet der Folberner. Zumal, wie die ASB-Berater betonen, viele Menschen heute nur noch mit dem Handy hantieren und gar keinen Drucker zu Hause haben, um wichtige Anträge auszudrucken.

Das Aus drohte schon einmal

Schon Ende 2018 drohte das Aus des Großenhainer Arbeitslosentreffs im Alleegässchen und der Sozialberatung in Gröditz. Da ging Beraterin Wegner in den Ruhestand. Doch wurde dann eine Lösung auf 450-Euro-Basis gefunden. Aber zwischenzeitlich hat der ASB-Ortsverband Riesa auch die Gröditzer und Meißner Sozialberatung sowie die Seniorentreffs abgeschafft.

Ambivalent sieht Carsten Heine den Rückzug des ASB. "Natürlich macht mich das traurig. Es galt ja für die Beratungen immer noch unser Spruch: Weil wir gebraucht werden", so der frühere Großenhainer Stadtrat des Arbeitslosenverbandes (ALV). Als er von Großenhain wegging und die Beratung schon mal auf der Kippe stand, 2018, sagte Heine: "Es freut mich besonders, dass die Sozialberatung überlebt hat. Das ist wirklich wichtig für die Menschen." Heine verbindet jetzt aber damit auch Dank an den ASB. "Ohne ihn wäre 2009 nach dem Ende des ALV in Großenhain schon Schluss gewesen."

Anlaufstelle für Hilfesuchende

Zwölf Jahre, also seit 2009, hielt der ASB das Beratungsangebot im Alleegäßchen aufrecht. Beraterinnen wie Regina Fischer und eben Petra Wegner halfen bei Wohnungs- und Mietproblemen, der Arbeitssuche, als Anlaufstelle bei häuslicher Gewalt oder beim Umgang mit Behörden. Auch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen wurde hergestellt. Nicht zu vergessen die vielen Anträge für die Stiftung Lichtblick der Sächsischen Zeitung. Zahlreichen Menschen in Not aus Großenhain und Umgebung konnte unbürokratisch finanziell oder mit Sachspenden unter die Armee gegriffen werden.

Weiterführende Artikel

ASB beendet Sozialberatung in Großenhain

ASB beendet Sozialberatung in Großenhain

Zum Monatsende ist Schluss im Alleegäßchen: Beratung und Arbeitslosentreff werden vom ASB eingestellt. Petra Wegner ist enttäuscht.

Der Arbeitslosentreff half beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen, beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben, beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen - bis zum Schluss. Petra Wegner druckte oft Formulare für Menschen aus, die über keinen eigenen Drucker verfügen. "Schade, dass gerade jetzt in den Corona-Schwierigkeiten damit Schluss ist", so Carsten Heine stellvertretend für viele Nutzer der Einrichtung. Nun sei der Sachverstand weg. "Ob man auf den so ohne Weiteres verzichten musste, bleibt die Frage."

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain