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Faule Eier im Spitalteich

Einen unglaublichen Vorgang hat sich die Vereinigung der Erfassungs- und Aufkaufbetriebe (VEAB) im August 1950 in Großenhain geleistet.

Der Spitalteich unweit des Flugplatzes Großenhain. Jüngst geriet er durch Arbeiten während der Vogelbrutzeit in die Schlagzeilen. 1950 gab es hier einen ganz anderen Skandal.
Der Spitalteich unweit des Flugplatzes Großenhain. Jüngst geriet er durch Arbeiten während der Vogelbrutzeit in die Schlagzeilen. 1950 gab es hier einen ganz anderen Skandal. © Foto: Norbert Millauer

Großenhain. Der Spitalteich war jüngst Stadtgespräch, als es um Entschlammungsarbeiten in Zusammenhang mit dem Flugplatz während der Vogelschutzzeit ging. Der ein oder andere ältere Großenhainer wird dabei vielleicht 71 Jahre zurückgedacht haben, in den Sommer des Jahres 1950. Da leistete sich eine damalige Vereinigung der Erfassungs- und Aufkaufbetriebe (VEAB) einen Skandal am Spitalteich. Konkret die Kreiseierstelle. Die Großenhainer Chronik gibt Auskunft.

Es muss ein heißer August gewesen sein, denn die Kreiseierstelle der VEAB blieb auf Hunderten faulen Eiern sitzen - und ließ sie einfach in den Spitalteich schütten. Die Stelle hatte die Aufgabe, alle auf das Soll und auf freie Spitzen abgelieferten Eier zu durchleuchten und ordnungsgemäß zu verpacken. Um so der Bevölkerung genießbare Eier zur Verfügung zu stellen.

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Die bei der Durchleuchtung festgestellten schlechten Eier wurden zehn Tage aufbewahrt. Der Erzeuger, der diese abgeliefert hatte, wurde sofort benachrichtigt und musste dieselbe Anzahl nachliefern. Da er nach dem Gesetz zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung nur Qualitäts-Lebensmittel abliefern durfte.

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Da jedes Ei mit einer dem Erzeuger zugeteilten Nummer versehen war, hatte der Lieferant die Möglichkeit, sich zu überzeugen, dass er selbst die schlechten Eier abgeliefert hatte. Nach der vorgeschriebenen Frist von zehn Tagen mussten die faulen Eier nun von der VEAB vernichtet werden - aber wie? An verschiedenen stillen Örtchen wurden sie vergraben. Ein neuer Beifahrer - ein großer Sportangler, wie es in der Chronik heißt - wusste, dass faule Eier ein gutes Fischfutter sind. So brachte er sie in den Spitalteich. Die Chronik schreibt dazu abschließend: "Durch Verdrehung der Tatsachen wurde jedoch Missstimmung unter der Bevölkerung erzeugt." Wer weiß, was sich die Großenhainer damals dabei gedacht haben?!

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