merken
PLUS Großenhain

Flut 2010: Dr. Büttner unterliegt vor Gericht

Der Arzt verklagt vorm Oberlandesgericht die Stadt Großenhain wegen Amtspflichtverletzung. Er kommt damit nicht durch. Zum wiederholten Mal.

In der Nacht des 28. September 2010 ist das Ärztehaus an der Großenhainer Weberallee überflutet.
In der Nacht des 28. September 2010 ist das Ärztehaus an der Großenhainer Weberallee überflutet. © Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Großenhain. Es ist das dritte Gerichtsverfahren zum Hochwasser 2010 in Großenhain. Udo Neusser beklagte bereits als Geschädigter von Schmid-Montagen den Landkreis und verlor. Dr. Hubertus Büttner, der seine Praxis bis dato im Ärztehaus an der Weberallee hatte, zog vor zwei Jahren gegen den Freistaat vor Gericht und klagte nun in einem Berufungsverfahren am Oberlandesgericht Dresden gegen die Stadt Großenhain. Doch auch dieser Prozess ging wieder zugunsten der Behörden aus. Das lässt für Hochwassergeschädigte eine wichtige Schlussfolgerung zu.

Chirurg Dr. Hubertus Büttner in seiner damaligen Praxis mit Lasergerät. Die Technik ist damals im Hochwasser zu Schaden gekommen.
Chirurg Dr. Hubertus Büttner in seiner damaligen Praxis mit Lasergerät. Die Technik ist damals im Hochwasser zu Schaden gekommen. © Brühl/Archiv

Fast 300.000 Euro beträgt der Schaden, den die Büttners vor zehn Jahren zu beklagen hatten, weil wertvolle Medizintechnik in den Fluten versank. Versichern konnten die Mediziner die Technik nach Auskunft des Chirurgen nicht, da das Ärztehaus seit 2005 in einem förmlich festgesetzten Überschwemmungsgebiet liegt. Die Versicherung hätte deshalb eine Haftung abgelehnt. Nun wollen sie Schadenersatz von der Stadt Großenhain, weil die, so Büttners Rechtsvertreter Andreas Thom, ihre Pflicht der Bürgerinformation verletzt habe.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Konkret geht es um die Aussage des damaligen stellvertretenden Kreisbrandmeisters Bernd Franke auf dem Parkplatz des Ärztehauses, dass das Hochwasser vorüber sei. Das war am Abend des 28. September 2010. Franke bezog sich als Leiter des Großenhainer Krisenstabes auf den sinkenden Pegel in Großdittmannsdorf. Der Großraschützer Pegel war zu der Zeit noch im Steigen begriffen. Und hinter Großdittmannsdorf brachten Zuflüsse weitere Wassermassen in die Große Röder.

Dass diese Beruhigung der Anlieger durch Bernd Franke fatal war, zeigte sich nur wenige Stunden später: Das Ärztehaus wurde vom Röderneugraben her überschwemmt. In der Nacht versuchte die Feuerwehr noch, Wasser abzupumpen. Aber auch die Fahrzeuge der Diakonie, die ebenfalls zum Ärztehaus gehören, standen in der Flut. Auch diese Mitarbeiter hatten auf die Aussage des Krisenstabs vertraut.

Auch die Diakonie hatte sich mit ihren Fahrzeugen auf die Entwarnung der Stadt verlassen. Das war aus Sicht des Gerichtes fahrlässig.
Auch die Diakonie hatte sich mit ihren Fahrzeugen auf die Entwarnung der Stadt verlassen. Das war aus Sicht des Gerichtes fahrlässig. © Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Hubertus Büttner und seine Frau Angelika werfen der Stadt zudem vor, mit keiner Sandsackbarriere Vorsorge getroffen zu haben, wie das 2002 der Fall war. "Auch damals kam das Hochwasser aus dem Röderneugraben, aber die Stadt hatte rechtzeitig einen ein Meter hohen Wall aufgerichtet, der uns schützte", so Dr. Büttner vor dem Oberlandesgericht. Auch Pumpen seien eingesetzt worden. Warum wurde das nicht auch 2010 rechtzeitig so gemacht? Die SZ berichtete damals, dass ein Fax der Landestalsperrenverwaltung zum vorsorglichen Ablassen des Stausees Radeburg in die Röder in den Verwaltungen Großenhain und Ebersbach angeblich nicht angekommen ist. Zudem seien Warnungen von Deichläufern im Rathaus an jenem Dienstag nicht ernst genug genommen worden.

Jeder muss selber vorsorgen

Doch den Senat des Dresdner Gerichts überzeugt diese Argumentation nicht. Der Vorsitzende Richter Riechert und seine zwei Beisitzer sehen den Vorwurf der Amtspflichtverletzung nicht als berechtigt an. Vielmehr wird argumentiert, dass schon seit dem Vormittag des 28. September Katastrophenalarm herrschte und die Warnstufe vier ausgerufen war. Dies und die Tatsache, dass es bereits 2002 eine Flut gegeben hatte und 2005 das förmliche Überschwemmungsgebiet festgesetzt wurde, hätten ausgereicht, dass jeder selbst Vorsorge treffen musste.

Weiterführende Artikel

Als Großenhain unter Wasser stand

Als Großenhain unter Wasser stand

Am 28. September 2010 brach die Flut über die Stadt herein. Das Umland traf es schon früher. Der Streit, ob rechtzeitig gewarnt wurde, dauert bis heute an.

Tatsächlich fuhr Angelika Büttner an jenem Abend in die geschlossene Arztpraxis und hat mit einer Mitarbeiterin leichte Technik in ein Obergeschoss geräumt. Ihr Mann Hubertus war auf einer Weiterbildung. Büttners Vorwurf lautet, dass mit einer halben Stunde mehr Zeit mehrere Helfer auch die schwere Medizintechnik hätten in Sicherheit bringen können. Das bezweifelt Richter Riechert. Auch der Versuch von Verteidiger Thom, die Funktionsfähigkeit einer solchen medizinischen Einrichtung im Katastrophenfall besonders zu betrachten und sie auch durch die Kommune besonders zu schützen, greift nicht. Der Zivilsenat sieht ein Mitverschulden der Kläger und zudem nach zehn Jahren eine Verjährung des Schadenersatzanspruchs.

Für Angelika und Hubertus Büttner, die mittlerweile in Pension sind, ist diese Entscheidung "höchst unbefriedigend".

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Großenhain