merken
PLUS Großenhain

Keine Chance für berufsbegleitende Erzieherausbildung?

Eine junge Frau aus Zabeltitz will die Lücke der fehlenden Erzieher schließen helfen. Beate Josko coacht sie dabei. Und muss bei der Politik Desinteresse feststellen.

Gründerberaterin Beate Josko aus Großenhain nimmt sich immer vor der Bundestagswahl ein Thema vor. Diesmal ist es die Erzieherausbildung.
Gründerberaterin Beate Josko aus Großenhain nimmt sich immer vor der Bundestagswahl ein Thema vor. Diesmal ist es die Erzieherausbildung. © Kristin Richter

Großenhain. Jedes Mal vor der Bundestagswahl sucht sich Coach Beate Josko von First Stepp in Großenhain ein Thema, das sie mit Lokalpolitikern bearbeiten will. Dieses Jahr waren es die fehlenden Erzieher in Kitas. In Sachsens Kindertagesstätten mangelt es noch immer an Personal. Die Bertelsmann-Stiftung listete im Ländermonitoring im August 3.000 fehlende Erzieher auf. Stellenausschreibungen einiger Kitas in der Region unterstreichen diese Lücke. Gerade betreut Beate Josko eine junge Mutter, die berufsbegleitend auf Erzieherin umschulen will. Doch das ist alles andere als einfach.

Die junge Frau, die namentlich nicht genannt werden will, hat sich für eine duale Ausbildung in der Kita Lampertswalde entschieden. Sie war Kinderkrankenschwester, konnte aber durch ihre eigenen zwei Kinder keine vier Schichten mehr gehen. Deshalb begann sie in der Kita als Assistenzkraft mit der Maßgabe, sich zu qualifizieren.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Doch eine berufsbegleitende Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin zu finden, stellte sich als kompliziert heraus. Zwar gibt es das auch an Fachschulen in öffentlicher Trägerschaft. Doch dieses Jahr nicht in Dresden, wie eine Nachfrage der SZ ergab, sondern nur in Pirna. Das Großenhainer BSZ bietet nur eine Vollzeitschule an, was mit zwei Kindern ohne Bafög finanziell schwer händelbar ist. Weil Pirna für die Zabeltitzerin zu weit war, erkundigte sie sich an Schulen in freier Trägerschaft.

"Doch da begann das Dilemma", wie Beate Josko mit viel Unverständnis berichtet. In Meißen, Riesa und auch Dresden bewarb sich die Frau. Unter anderem bei der Euro-Akademie sowie der DPFA. Erst wäre ihr überall Hoffnung gemacht worden, die Bewerbungsunterlagen wurden entgegengenommen. "Doch dann hieß es, dass kein Geld da sei, um eine Erzieherklasse aufzumachen", so Beate Josko. Die Assistentin der Freien berufsbildenden Schule Dresden in der Espenstraße bestätigt das. "Dresden hat die Mittel für die freien Träger im Vorjahr gekürzt", sagt sie. Sie kenne zwei Schulen, die deshalb ihre Bewerber abweisen mussten. Ihre Schule konnte nur eine Erzieherklasse mit 19 Schülern beginnen. Im Vorjahr seien es drei Klassen gewesen. So habe es laut der Assistentin auch nur ein Drittel der sonstigen Bewerber dieses Jahr gegeben.

Die knapp 40-Jährige hatte laut Beate Josko zwischenzeitlich Existenzängste. Letztlich fand sie im vierten Anlauf - und auf den letzten Drücker - endlich einen Platz bei der Akademie für berufliche Bildung in Dresden. Diese und weitere Adressen hatte ihr ein Referent des Landesamtes für Schule und Bildung (Lasub) vermittelt. Den hatte Beate Josko genauso angeschrieben wie die örtlichen Parteien und das Kultusministerium. Dort antwortete ihr Mitarbeiterin Peggy Rachula: "Die staatliche Finanzhilfe ist so bemessen, dass eine Klassenbildung, auch für die berufsbegleitende Erzieherausbildung, grundsätzlich möglich ist."

Weiterführende Artikel

Zuschüsse werden sich mehr als verdoppeln

Zuschüsse werden sich mehr als verdoppeln

Die CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge sieht bei der berufsbegleitenden Erzieherausbildung eine ausreichende Finanzierung.

Warum scheitern so viele Freie Schulen?

Warum scheitern so viele Freie Schulen?

Der Weg zur Gründung einer Schule ist lang und schwer. Weniger als die Hälfte derer, die es versuchen, schaffen es. Das Geld ist ausnahmsweise mal nicht der Hauptgrund.

Mehr Geld für Dresdens Freie Schulen

Mehr Geld für Dresdens Freie Schulen

Die Schulen freier Träger werden immer beliebter. Nun bekommen sie auch mehr Geld für ihre Bauprojekte. Der Stadtrat sprach ihnen jetzt 20 Millionen Euro zu.

Lehrer-Verbeamtung setzt
freie Schulen unter Druck

Lehrer-Verbeamtung setzt freie Schulen unter Druck

Rund 20 Prozent weniger Gehalt zahlen nicht staatliche Schulen. Auch deshalb bekommen sie jetzt vom Freistaat mehr Geld.

Das bezweifelt Beate Josko. Und sie konfrontierte damit auch die örtliche AfD, CDU und die Linkspartei. "CDU-Mann Sebastian Fischer wollte immerhin einen Termin mit Landtagspräsident Rösler vermitteln", so Josko. Daniela Kuge (MdL) von der CDU antwortete nicht. Auch bei der AfD wurde Josko abgewimmelt. "Die Politiker nehmen das Thema nicht ernst, ich hätte nicht gedacht, dass ich vor einer Wahl so wenig Resonanz kriege", beklagt die Gründerberaterin. Einzig von der Linkspartei seine akzeptable Reaktion gekommen, so Josko. Kreisgeschäftsführer Daniel Borowitzki schrieb: "Das Beispiel der Situation der jungen Frau zeigt, dass die Finanzierung von Ausbildungsplätzen von Erzieher/innen bei weitem nicht ausreicht." Die Linke kritisiere das auf Bundesebene bereits seit Langem. "Hier müssen sowohl der Bund als auch der Freistaat handeln und für eine ausreichende Finanzierung sorgen", so die Linkspartei.

Mehr zum Thema Großenhain