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Stadträte streiten um Ersatzneubau

Die Preis-Steigerung bei Baustoffen lässt Lücken in Auftragslosen für die neue Kita. Nun ringt man bei der Chladeniusstraße um das beste Herangehen.

Auf der Baustelle der neuen Kita Chladeniusstraße wird derzeit der Boden eingeebnet und für die Grundplatte vorbereitet.
Auf der Baustelle der neuen Kita Chladeniusstraße wird derzeit der Boden eingeebnet und für die Grundplatte vorbereitet. © Kristin Richter

Großenhain. Kurz bevor Baubürgermeister Tilo Hönicke am Mittwoch in den Stadtrat ging, erhielt er eine Info von Jörg Dietrich, dem Chef der Dresdner Handwerkskammer. Darin wird von großen Problemen für Sachsens Baubranche berichtet. Die Preisentwicklung bei Baustoffen verzeichnet eine bis zu 100-prozentige Steigerung. Das Ganze schlägt sich, so Tilo Hönicke vor den Stadträten, auch beim Kita-Ersatzneubau in der Chladeniusstraße nieder.

Einer vorgelegten Information zum Stand des Bauvorhabens ist das bereits zu entnehmen. Derzeit wird das Baufeld durch die Firma Bothur freigemacht. Die Angebotseröffnung am 3. Mai zu Zimmererarbeiten, Fenstern und Türen oder Tischlerarbeiter ergab teils erheblich höhere Auftragssummen. "Noch sind wir knapp unter den vorgesehenen Kosten", schränkt Hönicke ein. Das auch nur, weil die Bauhauptleistung durch die Baugesellschaft Großenhain oder der Einbau von Innentüren um einiges günstiger zu haben waren.

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Doch in Zukunft könnte der Bau wieder teurer werden als geplant, so wie schon andere Objekte. 28 Baulose, die erst 2022 oder 2023 umgesetzt werden sollen, sind noch gar nicht ausgeschrieben worden. Die aktuell sehr gute Auftragslage - heißt es in der Stadtratsinfo - habe dazu geführt, dass bisher im Schnitt zehn Unternehmen beteiligt wurden, um wenigstens zwei Angebote zu erhalten.

Was die Firmen aber zum Teil zurückhält, sich an Ausschreibungen zu beteiligen, ist eben der Mangel an Baustoffen. "Ich hätte mir das nicht träumen lassen, dass es mal diese Preisentwicklung gibt", sagt Tilo Hönicke offen. Vor allem Stadtrat Jürgen Winkler (GfG) fragt, ob die Verteuerung nicht doch abzusehen war. "Einsparungswünsche hatten wir ja schon früher." Michael Preibisch (CDU) sieht das ähnlich. "Wir müssen den Rahmen von vier Mio. Euro halten, auch wenn wir es vielleicht nicht schaffen", sagt er. Man müsse gegebenenfalls kürzen. Oberbürgermeister Mißbach versichert, dass das getan werde.

Trotzdem erstmal gut arbeiten

Für Sebastian Bieler (WiG) ist diese Prüfung Zeitverschwendung. Lieferzeiten betrügen jetzt 28 bis 34 Wochen. "Es ist also in einem halben Jahr noch nicht erledigt", sagt Bieler. Auch AfD-Stadtrat Frank Johne meint: "Es kann sich hinziehen." Was also ist zu tun? Sven Mißbach rechnet im schlimmsten Fall sogar mit einem Baustopp oder einer Verschiebung von Leistungen. Was noch nicht begonnen wurde, sei schlecht zu kalkulieren. Im Sommer will die Verwaltung alle ausstehenden Lose überprüfen und den Markt beobachten. "Wir können trotzdem erstmal gut arbeiten", versucht Bürgermeister Hönicke die Diskussion zu beruhigen.

Doch Herrmann Braunger von der CDU lässt nicht locker: "Ich will die Gesamtentwicklung abschätzen können. Wir haben noch große offene Posten", mahnt er. Zur nächsten Ratssitzung am 16. Juni will die Verwaltung eine neue Liste vorlegen und weitere Vergaben vorbereiten. Damit sollen auch weitere Kritiker wie Falk Terrey (SDP) oder eben Jürgen Winkler besänftigt werden. Ersterer warnt davor, einen Rohbau lange halbfertig stehen zu lassen. Letzterer will lieber "Vorschalthürden" einbauen.

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Tilo Hönicke weiß schon, dass jetzt erstmal der Hochbau kommt und er sich von Sitzung zu Sitzung an die Situation rantasten muss. "Mir tun mehr die Firmen leid, die Arbeit brauchen, aber kein Material kriegen." Eventuell könne man ja zum Schluss an den Außenanlagen sparen. Schon hat die Stadt zwei Baulose aufgehoben: die Pflanzung von Großbäumen und einen unterirdischen Pufferspeicher für die Regenwasser-Versickerung. Fertig sein soll die neue Kita mit Abriss des Altbaus Ende 2022. Das wird wohl nicht zu halten sein, so Tilo Hönicke.

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