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Mit Drohnen auf Mission Lebensrettung

Bevor die Felder gemäht werden, kommen auch Fernpiloten aus dem Großenhainer Land zum Einsatz. Technik, die begeistert - und absolute Präzession verlangt.

Im vergangenen Jahr kamen die Drohnenspezialisten des Arbeiter-Samariter-Bundes Dresden/Kamenz - unter ihnen Armin Benicke - auf der Wiese hinter dem Geflügelhof zum Einsatz.
Im vergangenen Jahr kamen die Drohnenspezialisten des Arbeiter-Samariter-Bundes Dresden/Kamenz - unter ihnen Armin Benicke - auf der Wiese hinter dem Geflügelhof zum Einsatz. © Archivfoto: Kristin Richter

Großenhain. Für dieses Jahr ist die Saison beendet. Denn all jene, die durch die Hilfe der Drohnenstaffel des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), Regionalverband Dresden e.V., einen schönen Sommer verbringen dürfen, haben inzwischen selbst flinke Füßchen. Rehkitze, zwischen Mai und Juni geboren, welche längst nicht mehr nur wartend auf ihre Mutter im hohen Gras oder Feld liegen, sondern unternehmungslustig die Umgebung erkunden. "Und weil das so ist, können wir von uns behaupten, dass unsere Arbeit erstmal getan ist", sagt Jeffrey Hänsel und lacht.

In seiner Eigenschaft als ehrenamtlicher Staffelleiter hat er gemeinsam mit seinen Mitstreitern in den vergangenen Monaten gut 310 Hektar mit sogenannten Drohnen abgeflogen und dabei 14 Rehkitze gefunden. Unterwegs zwischen Arnsdorf und Bautzen sorgt das Team dafür, dass auf den Feldern und Wiesen nicht beim Abmähen verletzt oder gar getötet wird, was doch eines besonderen Schutzes bedarf. So habe sich die Rettung von Rehkitzen oder jungen Wildschweinen durch die Sichtung von Drohnen bereits in weiten Teilen Deutschlands etabliert.

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Diese Drohne hat alles, was es technisch braucht: Mehrere Kameras - eine davon ist eine hochauflösende Wärmebildkamera - und Scheinwerfer.
Diese Drohne hat alles, was es technisch braucht: Mehrere Kameras - eine davon ist eine hochauflösende Wärmebildkamera - und Scheinwerfer. © ASB

Immerhin: Gerade durch die hochauflösenden Wärmebildkameras, die an den kleinen wendigen Flugobjekten befestigt sind, lassen sich die Tiere selbst in hoher Vegetation gut aufspüren. Ein entscheidender Moment, auf den Ehrenamtler wie Jeffrey Hänsel oder Armin Benicke warten. Der Großenhainer Unternehmer und begeisterter Hobbypilot, hat bereits 2013 begonnen, sich mit Drohnen zu beschäftigen und die eine oder andere selbst erworben. Wer allerdings meine, deren Steuerung sei gewissermaßen spielend zu bewältigen, der irre gewaltig. Denn abgesehen davon, dass ein hohes Maß an Ruhe und absoluter Konzentration vonnöten wären. Eine umfangreiche Ausbildung für die Steuerung und das Ablegen einer zertifizierten Befähigung als Fernpilot seien unerlässlich.

Ein gelber Punkt, nachdem die Ehrenamtler gesucht haben: In einem Feld entdeckten sie ein Rehkitz. Dargestellt wird es schließlich am Monitor als gelber Punkt.
Ein gelber Punkt, nachdem die Ehrenamtler gesucht haben: In einem Feld entdeckten sie ein Rehkitz. Dargestellt wird es schließlich am Monitor als gelber Punkt. © ASB Dresden

Voraussetzungen, die Armin Benicke erfüllt. Seit Jahren trainiert der 63-Jährige mehrmals die Woche und ist an manchem Samstag oder Sonntag mit seinem Team im Einsatz. Eine stetig wachsende Truppe, die aus allen Berufsgruppen stamme und sich über weitere Mitstreiter freuen würde. Vereint durch das Ziel "gemeinsam in die Lüfte zu gehen" und getreu dem ASB-Motto "Wir helfen hier und jetzt", sei man bestrebt, Unterstützung an den Stellen zu geben, an denen andere Möglichkeiten vielleicht schon ausgeschöpft sind. Denn während die Saison der Suche nach Rehkitzen und Co. vorbei ist, werde die Hilfe der Staffel freilich über das ganze Jahr gebraucht.

Durch eine spezielle App miteinander verbunden, würden die Mitglieder im Fall der Notfälle durch Polizei, Rettungsdienst oder Feuerwehr alarmiert, um mit der vorhandenen Technik tatkräftig unter die Arme greifen zu können. "Wir kommen inzwischen auf vielen verschiedenen Gebieten zum Einsatz! Von der Personensuche, über die Branderkundung oder eben Mithilfe in der Land- oder auch Forstwirtschaft gibt es mittlerweile zahlreiche Betätigungsfelder", erklärt Jeffrey Hänsel. Bei Waldbränden, Sturmschäden oder sogenannten Großschadensereignissen könne die Drohne zum Überblick der Lage verwendet werden.

Armin Benicke aus Großenhain ist Mitglied in der Drohnenstaffel Dresden/Kamenz. Von Mai bis Juni suchen die Mitglieder des Teams etwa Felder auf Rehkitze ab - und werden manchmal fündig.
Armin Benicke aus Großenhain ist Mitglied in der Drohnenstaffel Dresden/Kamenz. Von Mai bis Juni suchen die Mitglieder des Teams etwa Felder auf Rehkitze ab - und werden manchmal fündig. © Foto: privat

Im Einsatz ist unter anderem eine DJI Matrice 300 RTK, welche als Haupteinsatzdrohne genutzt wird, die selbstverständlich halte, was der zukunftsträchtige Name verspreche. Ausgestattet mit drei Kameras - eine davon ist eine hochauflösende Wärmebildkamera, die Temperaturunterschiede auf einem Monitor sichtbar werden lässt – könne darüber hinaus ein zusätzlicher Scheinwerfer angebracht werden.

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Technische Raffinessen, die absolute Präzessionsarbeit verlangen und regelmäßige Aus- und Weiterbildung, wie beispielsweise von Armin Benicke betrieben. Sein Rat: Wer ohnehin schon Interesse am Fliegen von Drohnen habe, sollte vielleicht nicht länger seine Nachbarn damit verärgern. Stattdessen lieber beim ASB vorbeischauen und sich selbst anschauen und ausprobieren, was irgendwann mal Leben retten könne - nicht nur das der knuffigen Rehkitze.

Wer sich für die ehrenamtliche Ausbildung zum Drohnenpilot interessiert, kann sich gern beim ASB-Regionalverband Dresden e. V. bei Ralf Rehwagen unter [email protected] melden.

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