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Wintervorbereitung im Fledermaushaus

Beim Naturschutz ist es mit Verordnungen nicht getan, um manche Arten muss man sich richtig kümmern.

Auf die richtige Luftfeuchtigkeit kommt es an: Naturschützer Klaus Richter beim Ausheben der Kellergrube für die Wintergäste.
Auf die richtige Luftfeuchtigkeit kommt es an: Naturschützer Klaus Richter beim Ausheben der Kellergrube für die Wintergäste. © Manfred Müller

Landkreis. Unterm Dach haben sich es schon Braune Langohren und Mopsfledermäuse gemütlich gemacht. Auch Mücken- oder Zwergfledermäuse müssen sich irgendwo hinter der Bretterverschalung des Tiefenauer Fledermaushauses verstecken. Darauf deuten zumindest die winzigen Kotkügelchen hin, die auf den Fußboden heruntergerieselt sind. „Leider hat bisher noch keine Art hier eine Wochenstube eingerichtet“, sagt Fledermausexperte Steffen Pocha. Der Naturschützer kümmert sich seit Jahrzehnten um die Flattertiere zwischen Elbe und Röder. Denen gehe es von Jahr zu Jahr schlechter, erklärt Pocha. Eins ihrer Probleme sind fehlende Unterschlüpfe. Da werden aus Sicherheitsgründen alte Bäume gefällt, aber gerade in den Höhlungen dieser Veteranen halten sich etliche Fledermausarten bevorzugt auf. Es werden alte Häuser und Ställe abgerissen und durch moderne, gedämmte Gebäude ersetzt, in denen es für die Tiere keine Unterschlüpfe mehr gibt. Das Fledermaushaus am Floßkanal ist extra so hergerichtet worden, dass es den kleinen Handflüglern ideale Bedingungen bietet.

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Früher war das Gebäude eine Trafostation der LPG Kanalgebiet, die mit der angeschlossenen Pumpstation die Felder im Tiefenauer Raum bewässerte. Als der große Agrarbetrieb nach der Wende aufgelöst wurde, stand das Häuschen leer. Da in der Röderaue genügend Nahrung für Fledermäuse vorhanden ist, kamen die Naturschützer auf die Idee, ihnen zusätzliche Quartiere anzubieten. Über den regionalen Naturschutzverein „pro natura“ akquirierten sie Fördergelder, die es ermöglichten, im Jahr 2014 ein hölzernes Spitzdach auf den Flachbau zu setzen. Es wurde mit allerlei Spalten und Öffnungen versehen, durch die die Tiere ins Innere krabbeln können. „Wir haben nur unbehandeltes, sägeraues Holz verwendet“, erklärt Steffen Pocha. Ein Manko war bisher, dass die Fledermäuse den Bau nicht als Winterquartier annahmen. Etliche Arten suchen in der kalten Jahreszeit Höhlen oder Keller auf, wo sie Winterschlaf halten. Diese müssen kühl und feucht, aber frostfrei sein. Auch im Tiefenauer Fledermaushaus wurden solche Hangplätze geschaffen, aber in den vergangenen Jahren nicht angenommen. „Wir vermuten, dass die Luftfeuchtigkeit zu gering ist“, sagt Artenschützer Pocha. Deshalb vertieften die Naturschützer innerhalb des Gebäudes die Kellergrube. Trotz des unmittelbar benachbarten Floßkanals mussten Pocha und sein Mitstreiter Klaus Richter ziemlich tief graben, um bis zum Grundwasser vorzudringen. Eine ständig hervortretende Lache im Fledermaus-Keller soll nun für die optimale Luftfeuchtigkeit zum Überwintern sorgen.

Fledermausfreundliches Oberstübchen auf ehemaliger Trafostation: Das Fledermaushaus am Floßkanal bei Tiefenau.
Fledermausfreundliches Oberstübchen auf ehemaliger Trafostation: Das Fledermaushaus am Floßkanal bei Tiefenau. © Manfred Müller
Fledermausschützer Steffen Pocha bei der Quartierkontrolle: Anhand des Kotes lässt sich zumindest grob einschätzen, welche Arten hier hausen.
Fledermausschützer Steffen Pocha bei der Quartierkontrolle: Anhand des Kotes lässt sich zumindest grob einschätzen, welche Arten hier hausen. © Manfred Müller

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Es ist nicht nur der Quartiermangel, der den Fledermäusen in der Region zu schaffen macht. Auch die intensiv betriebene Landwirtschaft fordert ihre Opfer. Die in Deutschland lebenden Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten. Letztere haben, bevor sie in den Fledermausmagen gelangen, von den umliegenden Feldern verschiedene Pflanzenschutzmittel aufgenommen. Die Pestizide reichern sich im Körper an und können nicht wieder ausgeschieden werden. Noch schlimmer: Bei weiblichen Tieren gelangen sie in die Muttermilch und töten bei entsprechender Konzentration die Jungen. Auch moderne mechanische Produktionsmethoden sind oft nicht besonders fledermausfreundlich. Früher wurde mit klassischen Schwadmähern gearbeitet, die wenigstens die auf dem Boden sitzenden Insekten am Leben ließen. Heute gibt es Rotationsmähwerke, die auch noch den letzten Käfer häckseln. Nicht zuletzt sorgt die steigende Zahl von Windkraftanlagen für Verluste. Im deutschen Binnenland gibt es mittlerweile Zehntausende, und deren Rotorblätter werden immer größer. Sie erzeugen einen Unterdruck, dem jedes Jahr nach seriösen Schätzungen etwa eine Viertelmillion Tiere zum Opfer fallen. Auch der nahegelegene Streumener Windpark, so Pocha, mache da keine Ausnahme.

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