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So erlebten Anwohner den Einsturz des Hauses in der Töpferstraße

Mit einem Knall brach Montagabend ein Teil des leerstehenden Gebäudes in der Bautzener Innenstadt weg. Am Tag danach ist das Ausmaß sichtbar.

Das Haus in der Töpferstraße brach zur Hälfte weg. © Lausitznews

Bautzen. Diesen Knall wird sie so schnell nicht vergessen. Elvira Reinert ist eben erst zu Bett gegangen, als es am späten Montagabend plötzlich laut scheppert. „Ich dachte erst an einen Verkehrsunfall“, sagt sie. Die Bautzenerin geht eilig zum Fenster, schaut auf die Straße hinaus. Im ersten Moment kann die Frau nur eine riesige Staubwolke sehen. Doch als sich der Nebel langsam verzieht, wird ihr klar, was da gerade geschehen ist. Das leerstehende alte Gebäude, das sich auf der anderen Straßenseite direkt gegenüber ihrem Wohnhaus befindet, ist eingestürzt.

Die Anwohnerin der Töpferstraße überlegt: Sollte man in einem solchen Fall nicht die Feuerwehr alarmieren? Doch noch bevor sie dieses Vorhaben mit ihrem Mann absprechen kann, stehen die roten Fahrzeuge schon vor dem Haus. Bautzens Stadtverwaltung wird am nächsten Tag mitteilen, dass in der Nacht insgesamt 40 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Polizei am maroden Haus im Einsatz waren, dass der starke Wind den Einsturz verursachte und dass dabei zum Glück niemand verletzt wurde.

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Holzbalken auf dem Gehweg

Noch am späten Abend klingelt es bei den Reinerts an der Tür. „Die Einsatzkräfte haben uns gebeten, unser Auto wegzufahren. Mein Mann hatte es an der Straße geparkt“, sagt die Anwohnerin. Ohne einen Schaden hat ihr Fahrzeug den Abend überstanden. Ein anderes Auto wurde jedoch unter dem herabfallenden Schutt begraben. Als das alte Gebäude zur Hälfte einstürzte, stand das Fahrzeug direkt am Rand des Grundstücks. Die Feuerwehr benötigte eine Seilwinde, um das stark beschädigte Auto zu befreien.

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Am Morgen danach wird das Ausmaß erst sichtbar. Die komplette rechte Außenwand des leerstehenden Hauses an der Töpferstraße ist abgebrochen. Steine in unterschiedlichen Größen, Fensterrahmen und sogar ganze Holzbalken liegen auf dem Gehweg, auf der Fahrbahn. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben den Bereich abgesperrt. Die Töpferstraße ist eine Sackgasse. Auch Fußgänger dürfen jenen Weg nicht betreten, der direkt am Gebäude vorbeiführt. Nach Angaben der Feuerwehr sind die übrigen Teile des Gebäudes einsturzgefährdet. „Eine Gefahr für Dritte besteht jedoch nicht“, teilt Harald Weber, Leiter des Bauverwaltungsamtes, mit dem Verweis auf die Absperrungen mit.

Noch ist unklar, wie lange die Sperrung an der Bautzener Töpferstraße bestehen bleiben muss. Wie die Stadtverwaltung am Dienstag mitteilt, werde sich das in den kommenden Tagen abzeichnen. Zunächst müssen jetzt statische Untersuchungen durchgeführt werden. Man stehe mit dem Verwalter des eingefallenen Gebäudes dazu bereits in Kontakt, heißt es aus dem Rathaus. Mit der Unterstützung der Stadt werde dieser nun alle Maßnahmen einleiten, die erforderlich sind.

Löcher dokumentiert

Das alte Haus an der Töpferstraße 29 steht bei der Stadt schon seit Jahren auf der Liste der Objekte, die besonders marode und damit auch gefährdet sind. Schon vor dem Einsturz dokumentierte die Bauaufsicht Löcher im Giebel. Im November teilte die Stadt dann mit, der Besitzer des Gebäudes habe nach der Aufforderung der Verwaltung zumindest die Schäden am Dach in Richtung Kirchgemeindehaus repariert.

Natürlich hat auch Elvira Reinert gesehen, dass sich das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, inzwischen in einem erbärmlichen Zustand befindet. Doch mit einem solchen Einsturz hätte die Bautzenerin niemals gerechnet. „Wenn ich mit meinem Hund spazieren gegangen bin, dann kam ich oft an diesem Haus vorbei“, sagt sie und hält kurz inne. „Der Einsturz hätte ja auch am Tag passieren können“, überlegt sie laut. Dann, so meint die Anwohnerin, wäre es wahrscheinlich noch viel schlimmer ausgegangen.


Das Haus an der Töpferstraße gehört zu einer ganzen Reihe von Gebäuden, die schon lange in schlechtem Zustand sind. Weitere "Bröckelkandidaten" in Bautzen hat die SZ hier zusammengestellt.

Das Haus in der Töpferstraße vor dem Einsturz (Archivfoto vom April 2018). © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder