merken
PLUS Pirna

Wie Heidenau um die Kitagebühren feilscht

Eltern zahlen seit Jahren immer mehr für die Betreuung ihrer Kinder. Ein erster Versuch der Senkung scheiterte jetzt. Doch es gibt noch eine Chance.

Die Kitagebühren steigen seit Jahren. Automatisch. Das will Heidenau nun ändern.
Die Kitagebühren steigen seit Jahren. Automatisch. Das will Heidenau nun ändern. © SAE Sächsische Zeitung

Die Kitagebühren kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Und das fast unbemerkt. Vor Jahren beschloss der Heidenauer Stadtrat feste Prozentsätze der Betriebskosten als Grundlage für die von den Eltern zu zahlenden Gebühren. Steigen die Betriebskosten, steigen die Gebühren. Die werden zwar jährlich von der Stadt veröffentlicht, doch darüber diskutiert wird im Stadtrat nicht mehr. Manche Eltern erschrecken erst beim neuen Bescheid.

Mehr Nachrichten aus Heidenau lesen Sie hier. https://www.saechsische.de/heidenau.

Anzeige
Die Stadt der Zukunft
Die Stadt der Zukunft

Angela Mensing-de Jong denkt berufsbedingt schon immer an das, was kommt. Für unsere Städte hat sie gleich mehrere Ideen.

Der Elf-Stunden-Krippenplatz für ein erstes Kind verheirateter Eltern ohne Ermäßigung kostet so aktuell 354,78 Euro im Monat. Zu viel für die beiden FDP-Stadträte in Heidenau, zumal im Januar die nächste Steigerung kommt. Die FDP beantragte deshalb jetzt die Senkung der Prozentsätze um jeweils zwei Prozent.

Der Freistaat gibt eine Spanne vor, wie viel von den Betriebskosten mindestens und höchstens die Eltern zahlen müssen. Das sind zwischen 15 und 23 Prozent bei einem Krippenplatz und 15 bis 30 Prozent für einen Kindergartenplatz. Für Kinder im letzten Kindergartenjahr und Hortkinder gibt es keine Untergrenze, es kann auf die Beitragserhebung verzichtet werden. Die Höchstgrenze liegt bei 30 Prozent der Personal- und Sachkosten.

Heidenau an der sächsischen Obergrenze

Heidenau liegt mit 23 Prozent in der Krippe und 30 im Kindergarten und Hort an der Obergrenze. Für den Hort der Stötzner-Schule zur Lernförderung für Kinder der ersten bis zur sechsten Klasse gelten 25 Prozent.

Die Senkung um zwei Prozent würde für Eltern nicht den Geldbeutel füllen, wäre aber ein Zeichen. Für die Eltern, deren Kitagebühren das Jugendamt des Kreises bezahlt, würde sich hingegen nichts ändern. In diesem Fall würde das Landratsamt entlastet, sagt Bürgermeister Jürgen Opitz (CDU). Aktuell übernimmt der Kreis für etwa ein Fünftel der 1.445 Kinder in Heidenauer Kitas die Gebühren.

Beispielrechnungen

  • Die Elternbeiträge ab Januar 2022 betragen für ein Krippenkind mit elf Stunden Betreuung 376,41 Euro im Monat. Bei zwei Prozent Ermäßigung des Elternbeitrages wären es 343,68 Euro. Differenz: 32,73 €
  • Für ein Kindergartenkind mit elf Betreuungsstunden sind es künftig 204,57 Euro im Monat. Hier wurden die zwei Prozent 13,63 Euro weniger im Monat ausmachen. Am Ende wären noch 190,94 Euro zu zahlen.
  • Bei einem Hortkind mit sieben Betreuungsstunden sind ab Januar 105,45 Euro im Monat zu zahlen. Hier würden Eltern bei zwei Prozent weniger 7,03 Euro im Monat sparen und 98,42 Euro zahlen.

Der Stadt würden durch die Senkung rund 188.000 Euro fehlen. Die FDP machte keinen Vorschlag, wie das Defizit ausgeglichen werden soll. Das war ein Grund für die Kritik im Stadtrat. Zufrieden mit der aktuellen Situation sind viele aber auch nicht.

Lieber auf Straßensanierung in Heidenau verzichten?

Bernhard Borchers (parteilos) schlägt zur Finanzierung vor, mal auf die Sanierung einer Straße zu verzichten. Die bezahlt die Stadt seit der Abschaffung der Straßenausbaubeiträge selbst, weshalb es langsamer vorangeht. Steffen Thiele (SPD) ist in der Frage der Kitagebühren zwiegespalten.

Einerseits wünschen er und seine Partei sich kostenfreie Kitas, andererseits aber müsste dafür das Land aufkommen. Die AfD will den Automatismus in der Steigerung abschaffen und bekommt dabei sogar von den Linken Unterstützung. Reno König (CDU) will abwarten. Vielleicht ändert sich ja nach der Wahl etwas in Sachen Kitagebühren. Man sollte deshalb in einem halben Jahr noch einmal darüber reden.

Kompromiss zum Kita-Gebühren-Vorschlag

Am Ende schaffte Heidenau einen Kompromiss. Die FDP zog ihren Antrag zurück, um sich mit den anderen Fraktionen zu einem neuen Antrag zu verständigen. Damit sind die Kitagebühren zwar aktuell noch nicht gesenkt, es könnte aber zu einem Stopp der automatischen jährlichen Steigerung kommen. Vorausgesetzt, man findet das Geld dafür in den Stadtfinanzen.

Mehr zum Thema Pirna