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Sachsen

Konsequenzen nach Hitler-Imitation?

In Augustusburg ist ein Motorradgespann mit Hitler-Imitator vorgefahren. Einen Polizisten amüsierte das. Seine Vorgesetzten finden das gar nicht lustig.

Screenshot: Twitter.com / Motorradtreffen auf Schloss Augustusburg in Sachsen am Wochenende 11./12.01.2020.
Screenshot: Twitter.com / Motorradtreffen auf Schloss Augustusburg in Sachsen am Wochenende 11./12.01.2020. © twitter

Ausgustusburg. Ein Hitler-Imitator, der am Wochenende das Motorradtreffen auf Schloss Augustusburg besucht hat, sorgt für Diskussionen. Auch bei der Polizei - und über sie. Ein Video zeigt, wie der Mann mit imitiertem Hitler-Bart und Seitenscheitel in einem Motorradgespann vorgefahren wird. Es ist der Beiwagen einer in Armee-Tarnfarben lackierten Maschine. Sein Fahrer trägt einen Helm, der von der Wehrmacht, aber auch dem Bundesgrenzschutz stammen könnte. Dazu einen Mantel, der an die Ledermäntel der Gestapo im Dritten Reich erinnert.

Auf dem Video ist zu sehen, wie das Gespann neben einem Wagen der Polizei einparkt. Statt einzuschreiten, nimmt der Polizist am Steuer des Polizeiautos die Szenerie mit seinem Handy auf und lächelt das Gespann amüsiert an.

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Der Vorfall beschäftigt jetzt Kollegen und Vorgesetzte des Polizisten. Das Verhalten sei "nicht zu akzeptieren", heißt es von der Polizei Sachsen auf Twitter. "Ein Einschreiten und Unterbinden in der Szenerie wäre einzig richtig gewesen." Die Polizei reagierte damit auf das Twitter-Posting mit dem Video. 

Auf Anfrage von sächsische.de teilte die Polizeidirektion Chemnitz mit, dass es noch am heutigen Montag ein "kritisches Gespräch" zwischen der Direktionsleitung und dem Polizisten geben werde. "Zugleich werden bereits dienstrechtliche Konsequenzen geprüft." Auf Twitter und in anderen sozialen Netzwerken fragen viele User nach dem Vergehen des Beamten. Von der Polizei heißt es: "Die Szenerie in Augustusburg mit dem verkleideten Herren im Beiwagen des Wehrmachtmotorrades stellt durchaus eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dar. Wir hätten deshalb vom Kollegen erwartet, dass er dies ohne Wenn und Aber unterbunden hätte. Dahingehend gibt es keine zwei Meinungen."

Hinsichtlich des Hitler-Imitators prüfe das Dezernat Staatsschutz der Chemnitzer Kriminalpolizei derzeit die strafrechtliche Relevanz seines Auftritts. Denkbar, so eine Sprecherin der Polizeidirektion, wäre der Tatbestand des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen oder auch eine Volksverhetzung. Der Prüfvorgang werde zeitnah an die Staatsanwaltschaft Chemnitz zur abschließenden juristischen Bewertung übergeben.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) verurteilte die Aktion. Der Auftritt als Massenmörder sei mehr als geschmacklos, schrieb der Regierungschef auf Twitter. Er sei sich mit dem Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) darüber einig, dass sie sich das 50. Bikertreffen im kommenden Jahr wünschen. "Zuvor muss klar sein: So ein Verhalten ist nicht akzeptabel & wird sich nicht wiederholen", schrieb Kretschmer. 

Der Veranstalter des Biker-Wintertreffens im Schloss Augustusburg hat den Auftritt des  Mannes verurteilt. So etwas sei absolut intolerabel, sagte Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der Augustusburg-Scharfenstein-Lichtenwalde Schlossbetriebe gGmbH, am Montag. Nach ihren Angaben ist der Mann den Mitarbeitern nicht aufgefallen. Es sei nicht mehr nachvollziehbar, wie er am Samstag am Sicherheitspersonal vorbeigekommen sei. "Wäre der Mann aufgefallen, hätten die Schlossbetriebe von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und den Mann nachdrücklich und unmissverständlich gebeten, das Gelände zu verlassen", betonte die Geschäftsführerin. Sie kündigte an, dass für das 2021 geplante 50. Wintertreffen Vorkehrungen getroffen werden, um eine Wiederholung eines solchen oder ähnlicher Vorfälle auszuschließen.

Zu dem Motorradtreffen kamen der Freien Presse zufolge 1.800 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer, etwa 10.000 Menschen besuchten das Treffen außerdem. Der Mann im Hitler-Outfit war offenbar nicht zum ersten Mal bei einem Bikertreffen aufgetaucht. Ein Journalist postete ein Foto vom Motorrad-Camp in Krumbach in Mittelsachsen im Sommer 2019, auf dem offenbar derselbe Mann als Hitler verkleidet zu sehen war. (mit dpa)

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Anmerkung der Redaktion: In der Ursprungsversion dieses Artikels war ein Screenshot eines Posts aus Twitter zu sehen, das den MC Görlitz als Veranstalter des Motorradtreffens genannt hat. Der MC Görlitz ist aber weder der Veranstalter noch kamen die beiden Fahrer in dem Gespann von dem Verein. Der Verein gibt auf Anfrage an, dass er das Gespann der Polizei übergeben hätte, wäre es bei ihm mitgefahren.

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