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Die Lausitz will das weltweite Wasserproblem lösen

Der Wettbewerb für ein Großforschungszentrum im Kohlerevier läuft. Die Energiefabrik Knappenrode spielt eine Rolle.

Hauptsitz des Forschungszentrums könnte die Energiefabrik Knappenrode, eine ehemalige Kohleveredelungsanlage, sein.
Hauptsitz des Forschungszentrums könnte die Energiefabrik Knappenrode, eine ehemalige Kohleveredelungsanlage, sein. © Archivfoto: Gernot Menzel

Wassernotstand in der Lausitz“, „Trocknet die Lausitz aus?“, „Lausitzer Sumpflandschaft“ sind nur drei von vielen Überschriften, unter denen in den Medien das Problem des zunehmenden Wassermangels in der Kohleregion beschrieben wird. Der Verteilungskampf, wer darf Wasser nutzen, wenn es knapp wird – Bürger zu Hause, die Kraftwerke zum Kühlen, die Industrie für ihre Produktion oder die Bauern zum Bewässern ihrer Felder – droht nicht in weit entlegenen Erdteilen, sondern ganz nah in unserem Umland.

Vor diesem Hintergrund schlagen Ideengeber aus der Fraunhofer Gesellschaft, der Technischen Universität Dresden, der Bergakademie Freiberg, der Hochschule Zittau/Görlitz und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden vor, eine „Zukunftsfabrik Lausitz“ zu errichten. Konkret soll in der sächsischen Lausitz ein Forschungs- und Transferzentrum für Wasser-, Energie- und Ernährungstechnologien mit 1.500 direkten Arbeitsplätzen entstehen. Mit dieser Idee ist das Konsortium ins Rennen um eines von zwei Großforschungszentren gegangen, die mit je 170 Millionen Euro im Jahr gefördert werden sollen. Ende April lief die Antragsfrist aus.

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„Das Thema ressourceneffiziente Wassernutzung mit seinen Implikationen für die klimaneutrale Energie- und Ernährungswirtschaft wird zum Kernthema des 21. Jahrhunderts werden“, ist sich Professor Alexander Michaelis sicher, Institutsleiter des Fraunhofer IKTS und Koordinator der „Zukunftsfabrik Lausitz“-Initiative. Beim Klimaschutz dürfe es nicht nur darum gehen, CO2 zu reduzieren. Eine entscheidende Frage sei: „Wie bekommen wir acht Milliarden Menschen satt?“ Und das bei zunehmender Trockenheit und Wassermangel. Um Beispiellösungen zu finden, die international übertragbar sind, muss die „Zukunftsfabrik Lausitz“ die gesamte Kette von der Grundlagenforschung bis hin zum Transfer in die Praxis abdecken. Dafür sind drei thematisch miteinander gekoppelte Teilfabriken mit modernsten Forschungsinfrastrukturen geplant:

Die Standortwahl ist getroffen

In der „Wasserfabrik“ möchten Forschungsteams und Unternehmen an Großanlagen neue Konzepte für die Abwasserbehandlung erproben. Aus dem Abwasser sollen Energie und Wertstoffe – etwa für Dünger – gewonnen werden. Die „Pflanzenfabrik“ nebenan kann diese Energie und Stoffe dann einsetzen, um Forschungs-Hightech-Gewächshäuser nach dem „Vertical Farming“-Prinzip zu düngen und zu beheizen. Auch extrem wassersparende Landwirtschaftstechnologien sollen hier getestet werden. Die „Energiefabrik“ wiederum versorgt die beiden anderen Fabriken mit Strom und Wärme aus Erneuerbaren Energien – beispielsweise durch Wasserstoff-Blockheizkraftwerke. So wird die Brücke zur zukünftigen Wasserstoffwirtschaft geschlagen, einem weiteren Großprojekt für den Strukturwandel in der Lausitz. Wenn Unternehmen, Landwirte und Gemeinden diese miteinander gekoppelten Ressourcentechnologien konsequent einsetzen, seien enorme ökologische und ökonomische Effekte zu erwarten, betont Michaelis. Neben den 1.500 Arbeitsplätzen könnten zwei- bis dreimal so viele Jobs im Umfeld entstehen und den Zuzug von 4.000 bis 5.000 Menschen auslösen, so die Prognose. Das Konsortium hat sogar schon einen Standort für den Hauptsitz des Forschungszentrums – die Energiefabrik Knappenrode, eine ehemalige Kohleveredelungsanlage. Es könnte also im Falle eines Zuschlags sofort losgehen mit dem Aufbau.

Auch wenn die „Zukunftsfabrik Lausitz“ rund um das Thema Wasser eine starke Vision für die Region ist, ist es bislang nur ein Vorschlag von vielen. Die TU Dresden ist noch an anderen beteiligt. Forscher aus den Bereichen Materialforschung, Nachrichtentechnik, Robotik, Künstliche Intelligenz, Psychologie und Gesellschaftswissenschaften haben sich unter Federführung von Professor Karl Leo zusammengetan, um ein Großforschungszentrum für Digitalisierung unter dem Titel „Saxonian Institute of Technology“ zu errichten.

„Am SIT wollen wir digitale Innovationen für die Zukunft gestalten, für die Gesundheitsversorgung, die Ernährung, die Mobilität und die Energie, die vertrauenswürdig und nachhaltig sind“, beschreibt Karl Leo den Kern der Idee. Wesentlicher Bestandteil ist ein umfassendes Ausbildungsprogramm, das sämtliche Qualifizierungsstufen von der Berufsausbildung bis zum Promotionsstudium umfasst. Denn die Lausitz braucht für ihre wirtschaftliche Zukunft auch viele IT-Fachkräfte.

Auswahl der besten Ideen im Juli

Die Perspektive neuer Jobs für die Menschen im Kohlerevier steht auch im Mittelpunkt des Antrags von Professor Manfred Curbach für ein Bauforschungszentrum in der Lausitz. Er und ein internationales Konsortium von Wissenschaftlern wollen Europas größtes Laboratorium errichten, in dem Technologien für nachhaltiges Bauen entwickelt werden sollen. Im Umfeld eines solchen Zentrums würden sich Start-ups wie Niederlassungen großer europäischer Baukonzerne ansiedeln, heißt es in einer Pressemitteilung der TU Dresden. Ob die „Zukunftsfabrik Lausitz“ kommt, oder das Bauforschungszentrum oder das SIT für humane Digitalisierung, steht nicht fest. Es gibt noch 47 andere Ideenskizzen, die die Jury bewerten muss. Im Juli werden die sechs besten Ideen ausgewählt, die bis zum Jahresende vertieft ausgearbeitet werden.

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