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Begehrlichkeiten um Terp’sche Milchrampe

Im sächsischen Nachbardorf Sabrodt wäre man hocherfreut, könnte man die Milchrampe über die Grenze holen.

Derzeit steht die Milchrampe auf Privatgrundstück in Terpe. Ist sie bald auf der anderen Seite der Landesgrenze zu finden?
Derzeit steht die Milchrampe auf Privatgrundstück in Terpe. Ist sie bald auf der anderen Seite der Landesgrenze zu finden? © Foto: Jost Schmidtchen

Von Jost Schmidtchen

Spremberg. In Terpe brennt mal wieder die Luft. Ist der Zoff über die Schulteichbrücke endlich aus der Welt, geht es nun um die Milchrampe. Für die gab es, wie sich herausstellte, auch keine Aufstellgenehmigung. Ortsvorsteher Dieter Freißler empfahl deshalb dem Heimatverein, die Milchrampe vom öffentlichen Aufstellort gegenüber der Bäckerei von Marion Klammer vorerst zu entfernen, nun steht sie vorübergehend 50 Meter weiter auf einem Privatgrundstück.

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Der Hintergrund ist ernüchternd. Im Rahmen des Bundesprogrammes „Demokratie leben“ wurden seitens der Stadt Spremberg dem Ortsteil Terpe fünf Projekte genehmigt, die von den Dörflern in Eigeninitiative in nur drei Wochen realisiert wurden. Das waren neben der Milchrampe die Brücke am Schulteich, ein Ausweichnest für die Altstörche, eine Bank für die Freiwillige Feuerwehr und Eichentische für die Schutzhütte am Festplatz. Alle Fördermaßnahmen wurden pünktlich abgerechnet, und es gab großes Lob, auch seitens der Stadt, für diesen Enthusiasmus. Auch Bürgermeisterin Christine Herntier zeigte sich sehr angetan.

Milchrampen sieht man in vielen Dörfern Brandenburgs und Sachsens am Straßenrand stehen. Sie verkörpern ein Stück ländliche Heimatgeschichte und sind Zeugen für die Entwicklung der Landwirtschaft. Die auf ihnen täglich abgestellten vollen Milchkannen dienten viele Jahre der Versorgung der Stadtbevölkerung mit Milch. Auch Spremberg hatte eine eigene Molkerei.

Heute weiß keiner mehr, wo einst die Wege der Milch vom Land in die Stadt führten. Auf ganz einfache Art ging das. Doch die Einwohner von Terpe wissen das noch. Und deshalb hatten sie ihre Milchrampe ins Herz geschlossen. Vor allem die älteren Frauen von Terpe konnten auf der extra angebrachten Bank sitzen und schwatzen, wenn sie auf das Bäckerauto aus Laubusch warteten. 50 Meter weiter ist dazu nun keine Gelegenheit mehr.

Der Heimatverein Terpe hat indessen einen Aufstellungsbeschluss bei der Stadtverwaltung Spremberg nachgereicht. Die sandte daraufhin einen „Gestattungsvertrag“ zur Wiederaufstellung mit der Maßgabe: „Die Errichtung und Nutzung erfolgt auf eigene Gefahr. Die Stadt wird von jeglichen Kosten und Haftungsansprüchen Dritter freigestellt“. Das lehnt der Heimatverein ab. „Unsere Haftpflichtversicherung gilt für das von uns genutzte Grundstück und die Vereinstätigkeiten insgesamt. Für uns angebotene und realisierte städtische Förderprojekte übernehmen wir keine Haftungsansprüche“, sagt Lothar Hopka, Vorsitzender des Heimatvereins.

Das Drama um die Terp’sche Milchrampe hat sich inzwischen im sächsischen Nachbardorf Sabrodt herumgesprochen. Ortsvorsteher Siegbert Bogott hat Interesse für die Übernahme der Milchrampe bekundet und nennt auch schon mal den Aufstellort in seinem Dorf: Nämlich dort, wo früher immer eine stand. Die Terp’sche dort hinzustellen, wäre völlig unkompliziert und ganz ohne Bürokratie machbar. „In unseren Dörfern stehen anderswo auch Milchrampen, dort, wo sie jahrzehntelang immer standen. Warum sollen sie dort nicht wieder stehen?“ Siegbert Bogott als Bauhofleiter der Gemeinde Elsterheide kann nicht verstehen, was im brandenburgischen Nachbardorf dagegen spricht. Und da die Milchrampe von Terpe ein recht teurer Neubau ist, würde sie das Ortsbild von Sabrodt erheblich verschönern. „Die holen wir sofort her“, sagt Bogott.

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