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Das ist der neue Pfarrer im Oberlausitzer Seenland

Christian Huth leitet ab September die evangelischen Kirchgemeinden in Uhyst, Lohsa und Groß Särchen.

Reichlich zwölf Jahre war Christian Huth Pfarrer in der Evangelischen Trinitatisgemeinde am See bei Niesky.
Reichlich zwölf Jahre war Christian Huth Pfarrer in der Evangelischen Trinitatisgemeinde am See bei Niesky. © Foto: Andreas Kirschke

Er ist das neue Gesicht im Evangelischen Pfarrsprengel Oberlausitzer Seenland: Ab September leitet Pfarrer Christian Huth (46) die drei Kirchengemeinden Lohsa (566 Gemeindeglieder), Uhyst an der Spree (364) und Groß Särchen (564). In seiner neuen Heimat Lohsa orientiert er sich an der Haltung von Johannes Daniel Falk (1768-1826), einem Schriftsteller, Kirchenlied-Dichter, Pädagogen, Waisenhaus-Leiter und tief gläubigen evangelischen Christen. Im Laufe seines Lebens verlor er alle seine sechs Kinder. Trotz der Tiefschläge schrieb er noch das bekannte Weihnachtslied „O du fröhliche“. „Aus seiner Haltung schöpfe ich immer wieder Mut“, meint Christian Huth.

Schon als Kind geprägt

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„Zum ersten Mal ziehe ich mit der ganzen Familie um. Ich freue mich auf offene Herzen und auf fruchtbaren Boden für das Evangelium“, sagt der Pfarrer. Zuvor – 2009 bis 2021 – leitete er die Evangelische Trinitatisgemeinde am See (bei Niesky). Ursprünglich wuchs Christian Huth in Leipzig auf. Verwurzelt war die Familie in der Evangelisch-Lutherischen Taborgemeinde im Stadtteil Kleinzschocher. Mutter war in der Kantorei aktiv und sang mit im großen Kirchenchor. Vater engagierte sich im Bauausschuss des Kirchvorstandes und im Posaunenchor. „Das hat mich frühzeitig geprägt“, sagt Christian Huth. Kantor Hans-Jürgen Thomm war Landeskirchen-Musikdirektor. Mit den Singfreudigen in der Tabor-Kirchgemeinde führte er unter anderem Johann Sebastian Bachs „Weihnachtsoratorium“, Johannes Brahms „Deutsches Requiem“ und Felix Mendelssohn-Bartholdys „Elias“ auf. „Das war eine Herausforderung. Wir sangen mit Freude mit“, erinnert sich Christian Huth. Frühzeitig spürte er: Jeder in der Gemeinde ist wichtig. Auch und gerade jene, die nicht ständig etwas für die Gemeinde tun. Der Respekt vor dem Anderen beginnt im Kleinen. Im Aushalten unterschiedlicher Meinungen. „Wichtig ist, dass wir uns in unserem Dienst beschenken, mit unseren unterschiedlichen Gaben“, sagt der Pfarrer. „Das haben meine Eltern stets vorgelebt.“

Erkenntnis in Portugal

Mit 15 Jahren wurde Christian Huth konfirmiert. Zudem empfing er davor 1989 die staatliche Jugendweihe. Das sah er damals nicht unbedingt als Widerspruch an. „Den Glauben konnte mir ja niemand nehmen. Ich empfand ihn als Gabe Gottes, als ganz persönliches und gnadenreiches Geschenk“, sagt der heutige Lohsaer. „Doch ich war erst auf dem Weg zum Glauben. Es war die Zeit der Wende. Eine aufregende Zeit. Innerlich war ich oft verzweifelt und hoffnungslos. Ständig hinterfragte ich alles. Innerlich fühlte ich mich leer.“ Beim CVJM in Bielefeld leistete Christian Huth 15 Monate Zivildienst. Während einer Jugendfreizeit in Porto (Portugal) erlebte er Baptist Thomas Hauck und seine Predigten. „Der Glaube erfasste mich“, erinnert sich Christian Huth. „Es waren die zwei Worte Jesu «Ich bin», die mich von jetzt an begleiten sollten. Ich spürte: Ich bin von Gott wirklich gewollt und geliebt. Jesus war die ganze Zeit bei mir gewesen. Doch ich konnte und wollte ihn einfach nicht wahrhaben ...“ Mit Thomas Hauck fing er an, vertiefend in der Bibel zu lesen. Dabei ergründete und erfasste er Gottes Wort. Dabei spürte er: Gott redet durch die Bibel ganz offen und direkt zu uns Menschen. „Das war überwältigend. Zu spüren: Gott meint auch mich“, entsinnt sich der 46-Jährige.

Erste Station in Frauenstein

Nach dem Zivildienst lernte Christian Huth zunächst in Bielefeld Tischler. In Bethel und in Leipzig studierte er dann Evangelische Theologie. Im Evangelisch-Lutherischen Kirchspiel Frauenstein im Osterzgebirge war er 2006 bis 2008 Vertreter für zwei Pfarrer in Elternzeit. „Ich wollte weiter im Glauben reifen“, erzählt Christian Huth. „Damals – in der täglichen, lebendigen Gemeindearbeit – fand ich noch tiefer zu meiner Berufung, langfristig Pfarrer zu werden. In Frauenstein war ich verwurzelt in der Seelsorge, ich arbeitete zusammen mit den Gruppen und mit den Kreisen.“

2009 trat er seine erste Pfarrstelle in der Evangelischen Trinitatisgemeinde am See (bei Niesky) an. Zu ihr gehören die Kirchen in See, in Kollm und in Petershain. „Es ist eine sehr selbstbewusste, vielfältige und mit einer zum Teil stark bibeltreuen Tradition geprägte Gemeinde“, sagt Christian Huth. „Dort lernte ich bei den unterschiedlichsten Erwartungen: Der Pfarrer kann es nicht immer und nicht allen Menschen recht machen; er kann und muss auch Spannungen aushalten. Wichtig war mir, immer zu unterstreichen: Gottes Wort bleibt dauerhaft und beständig. Es passt sich nicht der Zeit an. Wichtig war mir zu betonen: Christ-Sein und Gemeinde-Glied sein ist nicht Mitgliedschaft in einem Verein, sondern die persönliche Beziehung zu Gott entdecken und zu leben. Tag für Tag. Jesus leitet uns dabei. Er ist unser Hirte.“

Familie zieht mit ins Pfarrhaus

Das will Christian Huth auch in seiner neuen Heimat Lohsa vorleben, ebenso in den zugehörigen Gemeinde-Orten Uhyst an der Spree und Groß Särchen. Im Pfarrhaus Lohsa lebt er künftig mit seiner Frau Ina (40) und den Kindern Josia (11), Elias (8) und Hanna (5). Er freut sich auf die Gemeinde-Arbeit. Mit vereinten Kräften im Pfarrsprengel will er die Kinder- und Jugendarbeit beleben. Wichtig ist ihm zudem die Seniorenarbeit. Wichtig sind ihm Seelsorge und musikalische Arbeit.

Nicht zuletzt will er am neuen Wirkungsort die sorbische Kultur und Sprache kennen lernen. „Mich interessieren vor allem die Geschichte, die Mentalität und die Persönlichkeiten der Sorben. Durch die Sorben haben wir einen großen Schatz in der Lausitz“, meint Christian Huth. „Durch ihn bleiben unsere Orte lebendig.“

Einführungsgottesdienst für Pfarrer Christian Huth ist am 12. September um 10 Uhr in der Lohsaer Evangelischen Kirche mit Superintendent Dr. Thomas Koppehl.

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