merken
PLUS Hoyerswerda

„Fast wie auf dem Weihnachtsmarkt!“

Wer hätte das gedacht? In Hoyerswerda gab es nun doch noch ein Adventskonzert.

Saxofonist Max
Ender und Hanno Nusche mit seiner Gitarre gaben am Dienstag mehr oder weniger
halb-öffentlich
ein kleines
Adventskonzert.
Saxofonist Max Ender und Hanno Nusche mit seiner Gitarre gaben am Dienstag mehr oder weniger halb-öffentlich ein kleines Adventskonzert. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Ausgerechnet „Mensch ärgere Dich nicht“! Im Garten des Mehrgenerationenhauses (MGH) an der Albert-Schweitzer-Straße existiert seit Jahren eine gepflasterte Fläche für eine Groß-Variante des Brettspiels. Am Dienstag standen darauf Max Ender mit seinem Saxofon und Hanno Nusche mit seiner E-Gitarre.

Die beiden Dresdener sind Berufsmusiker und hätten derzeit wohl jeden Grund, sich zu ärgern. Denn die Termine dieses Jahres waren an einer Hand abzuzählen. Wegen der Restriktionen zur Eindämmung von Covid-19 blieben die Kalender 2020 ziemlich leer. „Ein paar Hochzeiten und ein bisschen Unterricht an der Musikschule“, sagen die beiden, seien schon fast alles gewesen. Und an ein richtiges, kleines Konzert mitten im weitestgehend stillgelegten Dezember-Hoyerswerda hätten die Musiker bis vor ein paar Tagen wohl auch kaum geglaubt.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Und doch ließen sie da im MGH-Garten ein verjazztes „Feliz Navidad“ á la José Feliciano oder eine verswingte „Fröhliche Weihnacht überall“ hören. Dass das möglich war, liegt am Sächsischen Musikrat. Denn der Verein findet: „Der Advent braucht Musik“. Er hat eine gleichnamige Aktion auf die Beine gestellt. Freiberufliche Musikerinnen und Musiker sind aufgerufen, kurze Programme für die Aufführung im Freien anzubieten – vor Pflegeheimen, Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen. Die Honorare werden über eine Spendenkampagne bezahlt.

Also erhielt vorige Woche Kevin Stanulla, der Bautzener Kreisvorsitzende der SPD und Chef von Hoyerswerdas Nachbarschaftshilfeverein (NHV), einen Anruf vom Musikrat: Ob denn Interesse bestünde? Und wo so etwas wohl möglich wäre? Stanulla bot den Garten des vom NHV betriebenen Mehrgenerationenhauses an. Er hatte vor allem an die Senioren gedacht, die nebenan bei PSW in der Tagespflege betreut werden. Und diese versammelten sich denn auch auf der Terrasse neben dem Südtreff, lauschten den Instrumentalversionen von „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, vom traditionellen, englischen „First Nowell“ oder von Dean Martins „Let It Snow!“ Da aber das MGH nun einmal in einem Elfgeschosser untergebracht ist, öffneten sich auch sonst so manches Fenster und so manche Balkontür. Ein Mann machte es sich da mit einem Heißgetränk gemütlich und ein Frau rief, das sei ja fast wie auf dem Weihnachtsmarkt. Für die Musiker flogen Beutelchen mit selbst gebackenen Plätzchen nach unten. Andere Zuhörer kamen mit Geldscheinen in den Garten, um sie Hanno Nusche und Max Ender zuzustecken. Für Letzteren war das Konzert ein Heimspiel. Der Saxofonist ist in Hoyerswerda aufgewachsen. 2007 legte er am Lessing-Gymnasium sein Abitur ab. Max Ender gehörte auch zur Bigband der Musikschule, die geraume Zeit als „Long Street Orchestra“ mit einem jährlichen Swing-Konzert die Besucherreihen der Lausitzhalle füllte. Er berichtet, dass der Kontakt zu den Initiatoren von „Der Advent braucht Musik“ über einen anderen Saxofonisten mit Hoyerswerda-Vergangenheit zustande kam: David Brand leitete von 2016 bis 2018 die städtische Musikschule.

Eine halbe Stunde dauerte das Konzert, dann wurden den Musikern die Finger klamm und die ersten Zuhörer fröstelten. „Es war schön, dass so viele Leute zugeguckt haben“, meine Max Ender. Und Kevin Stanulla sinnierte, dass man solche Mini-Auftritte ja eigentlich auch sonst immer mal organisieren könnte.

Mehr zum Thema Hoyerswerda