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Hoyerswerda

Ein Glücksmoment der inneren Sammlung

Klaus Trende hat jetzt den Gedichtband „Feuer und Asche“ vorgelegt – Teil 3 einer Trilogie „Später Gedichte“

Klaus Trende an dem Ort, an dem einst Geisendorf stand. Übrig blieb nur das Gutshaus, das Trende seit 1998 im Auftrag des Bergbauunternehmens Laubag (später Vattenfall, heute Leag) zum Kulturforum auf- und ausbaute und kuratierte.
Klaus Trende an dem Ort, an dem einst Geisendorf stand. Übrig blieb nur das Gutshaus, das Trende seit 1998 im Auftrag des Bergbauunternehmens Laubag (später Vattenfall, heute Leag) zum Kulturforum auf- und ausbaute und kuratierte. © Foto: privat

Klaus Trende taugt, gegenwärtigen Maßstäben gemäß, denen gehorchend Schöpfertum darin besteht, dem Zeitgeist hinterher (und, noch mehr: im eilfertigen Erfüllen des noch gar nicht Verlangten voraus) zu hecheln, nicht zum Künstler.

Es gibt nur unsere Wahrheit

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Warum? Darum: Klaus Trende ist, um das abgenutzt-missgebrauchte Wort „sensibel“ zu vermeiden, empfindsam; Gegenstück zu „empfindlich“ oder gar, grauenhaft: „gefühlig“. Er ist Freund des Vollkommenen, das er unverzagt anstrebt, obwohl er gewiss ist, dass es unerreichbar bleibt – sonst wäre es ja nicht das Vollkommene. Und Klaus Trende ist ein Harmonie-Sucher; im Leben wie in der Kunst, im Gleichklang von Autor und Illustrator (ob nun Grafiker, Holzschneider oder Fotograf -das „-in“ sparen wir uns hier mal; es ist bei Klaus Trende inbegriffen-). Ganz einfach gesagt: Klaus Trende ist einer der letzten Ästheten. Er wird diese Zeilen gewiss ironisch lächelnd abwehren, aber in den Jahren, da er Kunstkritiken für Zeitungen und Fachblätter gleichermaßen schrieb, ist ihm die Erkenntnis zugewachsen: „In der Kunst gibt es keine allgemeingültige Wahrheit. Es gibt nur UNSERE Wahrheit, und die müssen wir sagen.“ Nun – das vorab Gesagte ist meine Wahrheit, betreffend Klaus Trende.

Der Archimedische Punkt

„Feuer und Asche“ – das ist Klaus Trendes neuer Band, übertitelt „Späte Gedichte“ und Schlussstein der Trilogie, die mit „Nachtflug“ (2015) begann, mit „Sommers Ende“ (2018) fortsetzte und nun mit „Feuer und Asche“ einen Abschluss findet. Archimedischer Punkt darin: das Gedicht „Mein Name sei Kimble“; erinnernd an die Figur des Dr. Richard Kimble aus der US-Fernsehserie „Auf der Flucht“ (1963-1967); Sinnbild des Menschen in steter Unruhe, unschuldig verfolgt, getrieben und fliehend zu unbekanntem Ziel. Ironisch greift der Titel wohl auch Max Frischs „Mein Name sei Gantenbein“ auf. Sei es, wie es sei: bei Klaus Trende liest man: „nur fort und dorthin, / wo die Gegenwart stirbt, / wo ruhig das Künftige naht, / wo alles vergeben wird und / alles sich wandelt im letzten / Feuer, dessen Asche / in der Erde kühlt und / dessen Lied mich trägt / AUF DER FLUCHT.“

„Es hat mir nicht gefallen“

Eine Allegorie, womöglich beim Entstehen noch un-erahnt. Klaus Trende ist jetzt, wieder einmal, im Auf- und Umbruch begriffen. Er lebt inmitten von Umzugskisten. Das Abenteuer „Berlin“, von dem er sich Loslassenkönnen, Abstand, Sammlung, Ruhe gar, versprechen zu können glaubte, erwies sich als ungenügend. „Es hat mir nicht gefallen“, fasst er in fünf Worten zusammen, was dazu zu sagen ist. Er kehrt zurück nach Cottbus, an den Rand der Stadt, die sein Lebensmittelpunkt war und geblieben ist („Ein paar Bilder zwischen den Schläfen, die farbig sind und nie verlöschen / Und die vergeblichen Mühen, nach Hause zu finden zwischen / Kiefernharz, Postkutscher und Wappenradius mit Rotem Krebs“). Genau dieses „im Zentrum / am Rande“ beschreibt den Ort Cottbus, den Klaus Trende für sich, weil als richtig erkannt, gewählt hat. Vorstehende Blankverse liest man im Stück „Ausklang“, Cottbus’ liedgewordene Allegorie und Wappen in Szene setzend; freilich konterkariert durch die Rückkehr in eben jenes Cottbus.

Immer wieder in den zwölf „Feuer-und-Asche“-Stücken Sätze, die wie Blitze aufleuchten: „Die Liebe ist eine Form / Des Widerstands // Unsterblich / sind wir nur heute“ („Gestern und morgen“). Oder „Frage nach dem, was / Die Jahreszeiten überdauert und / Prüfe Deine Habe an den Fingern / Einer Hand: die Erinnerungen. // Du wirst nackt sein / Einst und / Sehr leicht“ („Das Eigentum“). Oder „Und so viele Möglichkeiten. / Und so viele Wirklichkeiten. / Aber wohin? / / Und warum?“ (noch einmal „Ausklang“). Welche Eleganz in jedem Satz! Leicht wähnende und doch tiefe Zeilen, voll von herzwärmender Melancholie und einem „Dennoch“. Das alles ist großartig.

Brillante Fotos, brillante Grafik

Die beigefügten Fotos von Thomas Kläber sind brillant und der Grafiker Rudolf Sittner hat ein übriges getan. Klaus Trendes Bestreben ist es, gänzlich un-eitel dem Text gleichberechtigt andere Genres zur Seite zu stellen: „Wir müssen klar und einfach schreiben. Was ja alles andere als «primitiv» ist. Eine exzellente Grafik lässt Texte neu interpretieren, führt vielleicht sogar einen neuen Subtext ein. Sie ist für die Wirksamkeit des Geschriebenen gut. Der Leser erfreut sich länger daran. Er kann nicht nur den Klang der Worte fühlen, sondern sie auch sehen. Texte sind ja eine Form von Schönheit, die entsprechend präsentiert werden sollen.“ Klaus Trende will schöne Bücher formen. Bücher, die Spaß machen. Format, Papierqualität, Komposition von Text und Grafik/Fotos – alles muss passen. Mappen wie das großformatige „Gespräche unter Bäumen“; Bände mit Original-Holzschnitten von Angela Hampel („Am Ufer der Zeit“); „Fürstliche Bilder“ zu alten Branitzer Fotografen – jeder, wirklich jeder Trende-Band ist ein Edelstein – typographisch und inhaltlich. Das hat seinen Preis: Die Herstellungskosten für „Feuer und Asche“, um nur ein Beispiel zu nennen, werden durch den Verkaufspreis von 20 Euro nicht gedeckt. (Durch Förderung des „Fürst Pückler in Branitz e. V.“ war die Realisierung möglich.)

Premiere am 28. Oktober in Cottbus

Premiere sollte der Band eigentlich auf Gut Geisendorf haben – im Kulturforum, das Klaus Trende seit 1998 aufgebaut und als Kurator geleitet hat, bis er sich (das Herz ...) 2008 zurückzog und nach vollständiger Genesung 2009 beschloss, nicht zurückzukehren, sondern sich ganz dem Schreiben zu widmen. Daraus wird nichts. Stattdessen wird „Feuer und Asche“ am 28. Oktober (einem Donnerstag) um 19 Uhr in der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus an (Berliner Straße 13/14) offiziell vorgestellt.

Die „Feuer-und-Asche“-Bände dürften dasselbe Schicksal teilen wie die meisten „Trendes“: Sofort ausverkauft, später nur noch (falls überhaupt und mit Glück) antiquarisch zu bekommen. Wer so einen Band hat, gibt ihn nicht wieder her.

Denn Klaus Trende hat die selten gewordene Fähigkeit, die oft spinnwebdünnen Stränge zu entdecken und zu entwirren, die Welt und Kunst zusammenhalten; verknüpfen – und er versteht es, neue Knoten zu schlingen, neue Ariadnefäden auszulegen, an deren anderem Ende selten Erlösung steht, aber immer ein Punkt, von dem aus der Leser mit Eigenem fortsetzen kann – oder wenigstens einen Glücks-Moment der inneren Sammlung findet.

Kontakt: [email protected]

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