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Ein Hundeschicksal

Tiere werden oft in Ferien oder nach Weihnachten ausgesetzt. Was ist mit dem bei Bergen gefundenen Schäferhund? Die Autorin geht auf Spurensuche.

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Was ist mit diesem Hund passiert? Dieser Schäferhundrüde wurde am 28. Dezember in der Nähe des Aussichtspunktes Bergen gefunden. Er wird bislang von niemandem vermisst. Das ist auch für die Tierheimmitarbeiter in Neuhausen sehr merkwürdig.
Was ist mit diesem Hund passiert? Dieser Schäferhundrüde wurde am 28. Dezember in der Nähe des Aussichtspunktes Bergen gefunden. Er wird bislang von niemandem vermisst. Das ist auch für die Tierheimmitarbeiter in Neuhausen sehr merkwürdig. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Bergen. Es gibt Momente, da wünschte ich mir, ich hätte dich niemals kennengelernt. Das wäre einfacher gewesen. Bequemer. Nun gehst du mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich habe versucht, mich dagegen zu wehren, dir einen Namen zu geben. „Das macht es nur noch schlimmer“, dachte ich. Aber diese „Vernunftgründe“ waren schwächer. Im Herzen nenne ich dich nun doch „Magisto“. Das passt zu unserer Begegnung, die für mich voller magischer Momente war, als sich unsere Blicke trafen. Du warst auf der Suche und völlig verunsichert. Du hast scheinbar auf jemanden gewartet, der wohl nicht mehr zurückkommt ... Was ist passiert?

Kurz vor dem Jahresende

Es war Dienstag, der 28. Dezember 2021. Eigentlich hatte ich zu nichts Lust. Aber irgendetwas trieb mich innerlich an, in Richtung Bergen zu fahren. Das Areal in der Gemeinde Elsterheide ist ein Naturschutzgebiet, dessen Aussichtspunkt von Fotografen und Wolfsbeobachtern gern genutzt wird. Ich wollte gerade die letzte Kurve kurz vor dem Parkplatz passieren, als ich zwei Frauen mit Kinderwagen beobachtete, in deren unmittelbarer Nähe ein Schäferhund ohne Leine lief.

„Der Hund gehört sicher zu den Spaziergängern“, dachte ich so, als das Tier plötzlich sehr aufgeregt meinem Auto hinterher rannte – und kurze Zeit später direkt vor mein Fahrzeug lief. Die Vollbremsung gelang mir in letzter Sekunde.

Der Hund schnüffelte jetzt sehr auffällig an meinem Auto. Wie sich herausstellen sollte, war er den beiden Frauen ein kurzes Stück hinterhergelaufen, bis er mein Fahrzeug entdeckt hatte. Vom Besitzer des Tieres fehlte jede Spur. Währenddessen legte sich der Hund wie selbstverständlich direkt vor mein Auto, das mitten auf der Straße stand.

Rettungskette in Gang gesetzt

Ich rief den zuständigen Gebietsmanager Dr. Alexander Harter an. Eine Rettungskette wurde in Gang gesetzt. Die zuständige Gemeinde informierte die hiesige Feuerwehr, während der Hund nicht mehr von meiner Seite wich und immer wieder an mir schnupperte und sanft meine Hände ableckte. Wir schauten uns in die Augen, und ich spürte in diesem Moment eine tiefe Verbundenheit, die sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt.

Ich wusste nicht, was dem Hund konkret zugestoßen war, aber eines stand für mich nach intensiver Beobachtung schnell fest: Dieser Hund suchte und wartete am Fundort auf etwas; auf jemanden.

Dann näherten sich zwei Einsatzwagen der Bergener Feuerwehr. Erlösende Hilfe. Der erste Versuch, den Hund ins Feuerwehr-Auto zu locken, schlug fehl. Ich rief ihn zu mir und zeigte mit meinem Arm in das Fahrzeug. Er folgte meiner Handbewegung – und mir fiel ein Stein vom Herzen ob der Gewissheit, dass er sich nun endlich in Sicherheit befand.

Suche bisher erfolglos

Ich musste einfach am nächsten Tag noch mal zur Fundstelle fahren, um nach Spuren zu suchen. Ich sprach spontan Spaziergänger und Einwohner des Ortes an: Ob sie jemanden kennen, der einen Schäferhund vermisst? Ich recherchierte im Internet; ging gemeldeten Hinweisen nach. Nix. Null Informationen. Bis dato wurde öffentlich auch keine Person als vermisst gemeldet, die als Hundebesitzer infrage kommen könnte. Auch die öffentliche Suche in den sozialen Medien nach dem Besitzer blieb bislang erfolglos.

Vorerst in Neuhausen/Spree

Dem Rüden, der unkastriert und nicht gechipt ist, geht es laut Tierheimleiterin Dr. Annett Stange (der Hund ist im Tierschutzligadorf Neuhausen/Spree untergekommen, d. Red.) gut. Der Hund wird von den Mitarbeitern als sehr freundlich beschrieben. Erkundigt hatte sich nach ihm aber auch dort niemand.

Wer also Angaben zu dem Hund oder seinem Halter machen kann, meldet sich bitte im Tierschutzligadorf in 03058 Neuhausen/Spree Ausbau Kirschberg 15.

Tel. 035608 40124 o. 412820 o. 419030
Tel. 035608 41668
E-Mail: [email protected]

Tipps für das Verhalten beim Auffinden eines herrenlosen Hundes:

Bitte verschaffen Sie sich zuerst einen groben Überblick über die Situation. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben – das gibt dem fremden Tier Sicherheit. Aktivieren Sie, wenn möglich, Passanten und bitten Sie diese um Hilfe, wenn es beispielsweise darum geht, die Umgebung abzusichern. Schauen Sie nach, ob der Besitzer in der Nähe ist oder vielleicht noch kommt, weil er seinen Hund sucht.

Nähern Sie sich fremden Hunden niemals frontal, sondern nur seitlich; vorausgesetzt, es geht keine Gefahr von dem Tier aus. Wenn der Hund es problemlos zulässt, können Sie versuchen, das Tier anzuleinen.

Verständigen Sie die Gemeinde, die für den Fundort zuständig ist. „Plan B“ wären Feuerwehr, ein nahe gelegenes Tierheim, ein Tierarzt oder die Polizei. Ist das Tier verletzt oder macht es einen sehr kranken Eindruck, ist es ratsam, zuerst einen Tierarzt zu kontaktieren.

Sie dürfen Fundtiere nicht einfach mitnehmen und behalten, sie müssen generell bei der Behörde gemeldet werden, da es sich um fremde Tiere handelt, die anderen Menschen gehören. Es kann ja sein, dass der Hund schmerzlich vermisst wird. Erst wenn nach einem gewissen Zeitraum kein ordnungsgemäßer Besitzer gefunden wurde, kann das Tier zur Adoption freigegeben werden.

Nehmen Sie fremde Hunde nicht im eigenen Auto mit, denn Sie wissen nicht, wie sich das Tier verhält!

Das Aussetzen von Tieren ist in Deutschland strafbar! Das Aussetzen von Tieren ist eine Ordnungswidrigkeit und kann gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 4 TierSchG mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Wenn das Tier durch die Aussetzung verstirbt, handelt es sich um eine Straftat gem. § 17 TierSchG. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe belangt werden.

Quellen des oben Genannten: Tierschutz für Hunde: Artgerechte Hundehaltung - Bußgelder
www.bussgeldkatalog.org